Religion kann man nicht wählen

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Ich muss aufpassen, was ich sage. Wenn der dicke Priester, der Karfreitag nicht brauchte, dem Jesus sagte, das mit dem Kreuz vor Ostern hätte doch nicht sein müssen, dann hat er völlig Recht. Gott hätte einen wesentlich bequemeren Weg einschlagen können, die Welt zu erlösen. Der Schöpfer brauchte auch nichts beweisen, wogegen bei uns immer alles bewiesen werden muss. Meldet jemand an, der schnellste Läufer zu sein, dann muss er schon losrennen und alle Konkurrenten im Regen stehen lassen. Ansonsten gilt er als Schaumschläger. Wir sind auch gewohnt, dauernd irgendwelchen Vorgaben ohne Alternative ausgeliefert zu sein. Trifft uns ein Schuldspruch, gibt es keine Alternative als der Knast oder das Zahlen einer Strafe. Meldet jemand einen Anspruch an und die Gerichte geben ihm Recht, dann muss gezahlt werden.
Der Schöpfer hat nie keine Alternative. Es gibt Theologen und Denker, die sagen, die Welt habe nunmal ihre Regeln, für das Böse müsse nunmal gezahlt werden und die Umstände der Welt hätten irgendwelche Folgen, denen nachgekommen werden müsse. Das mag alles sein. Es gestattet uns aber nicht, den Schöpfer da mit hinein zu ziehen. Er ist zwar der erste Beweger aller Bewegungen. Er ist aber kein Beweger, der als solcher ein Bestandteil der Welt wäre.

Die Schrift belehrt uns, dass Gott die Liebe ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Liebe ihm Vorgaben machen könnte, wie er gefälligst zu handeln habe. Es ist nämlich nicht so, dass ihm die Spielregeln der Liebe unterwürfen, weil sie nunmal so ist. Vielmehr ist es umgekehrt. Was immer er tut oder sagt, wird zur Vorgabe; nicht, weil dies oder das so ist oder weil die Liebe es sagt, sondern einzig, weil es von ihm kommt.

An dieser Stelle sollten wir einen Gedanken einfügen, der im Gespräch der Religionen nicht ganz ohne Bedeutung ist.
Wer sich daran macht, sie zu betrachten, der wird sie vergleichen. Alle drei großen Religionen sagen etwa, es gibt nur einen Gott, und es ist weder denkbar, noch sonst irgendwie möglich, dass es mehr als einen gäbe. Darin sind alle gleich.
Es geht einen Schritt weiter. Sie sagen, Gott sei barmherzig. Auch darin herrscht Einigkeit: Der Schöpfer ist nicht nur der Alleskönner. Er ist auch einer, in dem die Allmacht eine weitere Eigenschaft in sich vereinigt, nämlich gnädig und barmherzig zu sein. Gott hat also verkünden lassen, dass er auf die Barmherzigkeit festgelegt werden kann. Auch darin gehen alle den gleichen Weg und sie gehen ihn gleich weit.
Dann allerdings macht das Christentum einen weiteren Schritt. Nur die Christen sagen, dass Gott zu all dem auch Liebe ist, und zwar so, dass er sich entschlossen hat, seinen Kindern entgegen zu gehen. Diese Bereitschaft ging eines Tages so weit, dass er Menschenfleisch annahm, um bei seinen Kindern zu wohnen und ihnen aus ihrem Schlamassel zu helfen. Der Mensch ist ein kleiner Gernegroß, Gott ist ein großer Gerneklein. Diesen Schritt gehen weder Juden, noch Muslime mit uns, und wenn man ihnen Glauben schenkt, dann gehen wir hier wesentlich zu weit.
Manche Christen sagen, sie hätten ihre Religion wegen dieser Auskunft gewählt. Das kann man so machen, es ist aber falsch. Wir können wählen, wo wir wohnen. Wir können wählen, ob wir ein Haus kaufen oder Miete zahlen wollen. Wir können uns aber nicht aussuchen, wer unser Vater ist, wer unsere Geschwister sind, welche Sprache die Mutter spricht und wie das Land unserer Väter heißt. Eigentlich kann man nicht einmal die Fußballmannschaft wählen. Es gibt also zwei Arten der Entscheidung, die einen die man fällt und die anderen, die gefällt werden. Die Religion ist von der zweiten Sorte. Wir haben Glück, dass Gott ein lieber Vater ist, wäre er anders, dann wäre er dennoch der Schöpfer und man könnte ihn nicht abwählen. Religion hieße dennoch, ihm die geschuldete Ehre zu erweisen. Die Ungerechten haben Pech, weil er gerecht ist, sofern Gerechtigkeit jene Liebe bedeutet, die alles in Ordnung bringt, auch gegen den Aufstand jener, die ihre eigene Ordnung glaubten, errichten zu können. Die Religion kann man nicht wählen. Man kann sich bloß derjenigen gegenüber so oder so verhalten, die man für die wahre hält. Das Kriterium dabei ist nicht, dass sie einem gefällt oder schmeckt. Christus musste nicht ans Kreuz, er wollte.

Anm.:
Thomas sagt sehr deutlich, dass der Schöpfer in keiner Weise zu etwas gezwungen werden kann. Weder irgendwelche Umstände in der Welt, noch irgendeine ihrer Spielregeln, schon gar nicht ein Anspruch, den jemand ihn gegenüber anmelden könnte, gebieten Gott, so oder so zu handeln.
Sth III, 46, 1, arg 1: In Deum autem non cadit aliqua necessitas, – „Es gibt keine Notwendigkeit, die Gott träfe.“

Sth I-II, 60, 3, co: „Religio est per quam redditur debitum Deo.“ – Religion ist etwas, wodurch Gott etwas ihm Geschuldetes erwiesen wird.

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2 Kommentare zu “Religion kann man nicht wählen

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