Wer braucht den Jesus schon?

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Schon gemerkt? Alle paar Jahre kommt von irgendwo ein neues Jesusbuch auf den Markt. Sein Schreiber weiß genau, was Jesus tun würde, wenn er heute wieder käme. Ich sage es gleich: Büchern dieser Art ist nicht zu trauen. In ihrer Aufmachung sind sie modern. in ihrer innerlichen Machart sind sie nichts anderes als die religiöse Erziehung unserer Urgroßeltern. Die hatten den Herrgott auch immer auf ihrer Seite, und wenn das Kind den Ansprüchen der fragwürdigen Erziehung nicht nachkommen wollte, konnte immer die Gotteskarte gezogen werden: Bei nicht brav sein kommt der Gute Große und steckt das böse Kleine in den Sack. Die Religion war schon immer der verlängerte Arm jeder verkorksten Erziehung.
 Die Jesusbücher der bemühten Schreiber liegen auf der selben Linie. Jesus ist der gleichen Meinung wie sie und würde natürlich genau so sein, wie ihre Vorstellungen es hergeben. Wenn er wirklich mal kommt, braucht er sich eigentlich nur erkundigen, was zu tun ist und wohin die Reise zu gehen hat. Er braucht sich da nichts merken. Kurze Frage reicht.

Zu fragen wäre, wen er anträfe. Die Grünen würden sich endlich auf ihren perfekten Umweltprediger freuen und dafür sorgen, dass alle ihren Müll brav trennen. Die besonders Besorgten unter den Deutschen wären erleichtert, dass nun endlich einer ihr Abendland vor den Morgenländern rettet, wobei dann vielleicht endlich mal die große Unbekannte geklärt werden könnte, was mit Morgen- und was mit Abendland eigentlich des Näheren gemeint ist. Unsere armen Zeitgenossen bräuchten dann nicht mehr für etwas demonstrieren, was sie gar nicht kennen. 
Die westlichen Politiker wären begeistert, dass die Chinesen endlich zur Demokratie genötigt würden und die östlichen wissen ja schon längst, was Jesus tun zu tun hat: Alle Schweine schlachten und die Kreuze von den Kirchen reißen. 
Die ewig schlecht gelaunten Rechten in der Kirche würden sich über die Rücknahme des Zweiten Vatikanischen Konzils freuen, und die genau so unzufriedenen Linken, dass es endlich durchgepaukt würde. Vermutlich würden nur ein paar Kinder in einfacher, freudiger Spannung abwarten, was der liebe Zauberer sich selber vorstellt.
Jesus wäre ab einem bestimmten Zeitpunkt wohl aber wieder in heller Gefahr, nämlich genau dann, wenn er die Vorstellungen seiner heißesten Fans enttäuschen muss. Nichts ist so gefährlich, wie enttäuschte Liebe, und eine Toleranz, die am Ende doch nichts anderes als „liebe deine Freunde“ war. Die Lage, in die Christus käme, wäre keine Überraschung. Es ist die, in der wir leben.

Ich kann mich lebhaft an einen dicken Prälaten erinnern, der so gerne in seiner Kirche Ostern beging, wie andere zum Fußball gehen. Er begeisterte sich köstlich, wenn er mit den Menschen feiern konnte, und er schmolz besonders gern dahin, wenn sie begannen, ihn selbst zu feiern. Einmal rief er in der Fastenzeit aus voller Brust: „Wenn die Karwoche doch nur rum wär!“ Die brauchte er nämlich nicht. Sein Feierwille war grundlos, wie ein Haus, das keinen Keller hat. Er wäre dem kommenden Herrn Jesus für das Geschenk von Ostern um den Hals gefallen, und hätte ohne Umschweife gesagt, mit dem Opfer, das sei aber nicht nötig gewesen. Das ist unsere Lage.

Im Vergleich der drei Religionen untereinander haben wir gesehen, dass nur die christliche vollständig geworden ist und fertig da steht. Die jüdische ist es noch nicht, der Islam ist es nicht mehr. Beiden fehlt die Erlösung durch Christus, den Messias. Die Juden warten noch auf ihn, die Muslime haben ihn heraus genommen. In der christlichen Religion ist alles zwar vorhanden, aber unverstanden. Die Lage stellt sich so dar: Der Jude wartet auf den Messias und hat ihn noch nicht. Der Muslim könnte ihn haben und sagt, dass er ihn nicht brauchet. Der Christ hat ihn und versteht ihn nicht.
Das nächste Osterfest kommt mit der Sicherheit eines schweizer Uhrwerkes. Wir werden aus voller Kehle Halleluja singen und wie sehr sich alle über die Erlösung freuen. Das Fest wäre aber nicht weniger berauschend, wenn wir feiern würden, dass Jesus dem Pilatus die Stirn geboten hätte und der Kreuzigung entgangen wäre.
 Die Hauptbotschaft der modernen Verkündigung lautet, dass Jesus einer von uns ist, dass er zu uns gehört. Die Hauptbotschaft der alten Kirche lautete, dass viel weniger er zu uns, als wir zu ihm gehören. Der Unterschied klingt klein, ist aber bedeutsam. Wenn er zu uns gehört, dann hilft er uns, die Erde zu reparieren. Gehören wir zu ihm, dann sind wir dabei, wenn er sie überwindet. Gehört Jesus zu uns, dann hilft er uns, dass wir in Ewigkeit den Rasen mähen, Fußball schauen und Handtaschen kaufen können. Gehören wir zu ihm, dann geht es fort von hier, hinauf zum Vater, mitten in seine Herrlichkeit. Genau die aber ist uns verdächtig.
Wenn wir auf unser Thema zurück kommen wollen, dann richtet sich der abgrundtiefe Neid des armen Teufels nicht auf unsere Handtaschen und den grünen Rasen hinterm Haus, sondern auf die Herrlichkeit Gottes, die für uns erobert wurde, und zwar am Kreuz, im einsamen Kampf des Sohnes, des neuen Adam des neuen Lebens. Dort, wohin der Teufel nicht kann, weil er den Weg dahin nicht gehen will.

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Ein Kommentar zu “Wer braucht den Jesus schon?

  1. Genau, wozu brauchen wir Jesus noch? Die Frage stellte ich mir gestern nach folgenden „Fürbitte“:

    „Beten wir für alle, die wegen ihres Glaubens und ihrer Religion verfolgt und bedroht werden;
    für die Menschen, die ausschließlich ihren eigenen Glauben schätzen und für wahr halten;
    und für alle, die sich für die Freiheit der Andersdenkenden einsetzen.“

    Ich entnehme dieser Fürbitte folgendes: Verfolgung und Bedrohung entstehen nur in den Köpfen der Menschen, die ihren Glauben ausschließlich schätzen und für wahr halten. Nun denn, ich halte meinen Glauben (katholisch) immer noch für einen Schatz und für wahr. Ausschließlich. Wo tauche ich in den „Fürbitten“ auf?

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