Kein Bock auf Jesu Angebot und sein Kreuz als Kampfplatz

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Unsere Erwägungen haben also Einsicht geführt, dass wir etwas tun sollten, was die Christen unserer Breitengrade lieber umsegeln: Nämlich das Geschehen am Kreuz zu bedenken. Wir sind dem Auftrag gemäß dabei, über die Engel und Teufel nachzudenken, insofern der heilige Thomas von Aquin sich Gedanken über sie gemacht hat. Der hatte nun betont, alles, was Vernunft habe, könne gut und böse werden. Wir brauchen sicher nicht lange zu besprechen: Wer lange genug Gelegenheit zum Gut- und Bösewerden hat, der wird irgendwann auch mal eins von beidem.

Der Menschen kann aufgrund seiner sich wandelnden Umstände immer ein bisschen hiervon und ein bisschen davon sein. Das hat er offenbar auch am liebsten: Ein bisschen gut und ein bisschen schlecht ist die Mischung des Vertrauens, und bitte nicht eins von beiden ganz! Ganz gut sein klingt langweilig, weil uns irgend jemand den Unsinn eingeredet hat, ein Leben ohne sündigen sei zu brav und hätte keine Würze. Das ist so richtig, wie der Glaube der Raucher, ein Leben ohne Rauchen wäre weniger interessant. Aber irgendwie hat sich das unausrottbar in die Kleider gewaschen, und so stehen die aufrechten Prediger dauernd im Ruf, einem das Leben vermiesen zu wollen und die Heiligen, notorische Langweiler zu sein. Ganz gut sein will irgendwie keiner. Das scheint mir, nebenbei bemerkt, auch ein Grund zu sein, warum die Kirche so vielen Leuten eher gestohlen bleiben kann, sobald sie sich traut, wirklich zu sagen, was ihr aufgetragen ist. Es stimmt gar nicht, dass die Leute den Weg in die Kirchen scheuen. Sie wollen in Wirklichkeit ihre Angebote nicht. Die Kirchen werben vor Leuten für Augengläser, die keine Lust haben, scharf zu sehen. Heil- und Heiligkeit sind keine sonderlich attraktiven Güter mehr und wer will schon ein wirklich Guter sein, und dafür noch den Preis einer gelinden Mühe zahlen müssen? Auch ein heiliger Paulus hat es schwer mit seiner Predigt, Trunkenbolde und Geizhälse kämen nicht in den Himmel, wenn ohnehin keiner wirklich rein will und jeder lieber hier bliebe, sich den Spatz in der Hand zu braten. Weil nun wohl aber auch kaum jemand Gefallen daran hat, ganz schlecht zu werden, suchen alle irgendwie die Mitte, mit mehr oder weniger kräftigen Ausschlägen nach links oder rechts.

Was wir hier vom Menschen sagen, das ist nach Auskunft des heiligen Thomas weder bei Gott, noch bei den Engelwesen denkbar. Die Engel (und Gott als der Schöpfer schon gar), haben keine feste Erdenbindung. Sie lernen nicht, sie wachsen nicht. Sie brauchen nicht groß werden und können nicht altern. Somit bleiben ihre Bedingungen gleich. Wenn das so ist, dann ändern sich auch ihre einmal getroffenen Einstellungen nicht. Das klingt in unserer Lebenswelt fremd, muss aber so sein. Denn, im Gegensatz zu uns, haben die Engel in gewisser Weise schon Anteil an der Ewigkeit Gottes, und da gibt es keine schlechte Laune und kein Aufstehen mit dem falschen Bein. Jesus war Gottes Sohn und Abbild auf Erden. Damit war er verlässlich gut, verlässlich liebenswürdig, verlässlich barmherzig und von unbeugsamen Starkmut.

Thomas spricht von der Festigkeit der Engel im Guten und im Schlechten, und meint das übrigens auch vom Menschen nach seinem Hinscheiden von der Welt. Stirbt ein Mensch, dann verlässt er die körperlichen Bindungen, und damit tritt er ein in die Sphäre der Engel sozusagen und somit auch in die Unveränderlichkeit der Umstände. Was wir sind, das sind wir nach dem Tod, und wir sind dann, was aus uns auf Erden geworden ist. Wir sind dann übrigens auch, was wir aus uns gemacht haben oder auch nicht. So sagt es jedenfalls der Meister der abendländischen Gottes- und Menschenlehre, und so sagen es ja schließlich alle Religiösen, sofern sie nicht an eine mehr oder weniger endlose Wiedergeburt glauben (was das Problem ja auch irgendwie nur auf später verschiebt).
Im Blick auf Jesu Sterben müssen wir allerdings andere Eckdaten voraussetzen. Jesus hat sich, insofern er Mensch war, bis zum letzten Atemzug entwickelt wie Jedermann. Er wuchs heran, wurde erwachsen und machte sich erst spät an seine eigentliche Sendung. Als Gottes Sohn und Abbild aber, war er immer schon so fertig wie ein Engel und so vollendet, wie Adam und Eva einst im Paradies.

Wie sich der Leser erinnern wird, hat Thomas nun die Wüste als den vorzüglichen Ort der Versuchung Jesu angegeben. Die Wüste, sagte er, sei besonders geeignet, weil er der Ort der großen Einsamkeit sei. Das Kreuz, das zwischen Himmel und Erde schwebte, führte den Menschensohn wieder in die Einsamkeit und somit an den Ort, der wiederum wie kein zweiter zum Ort der Versuchung wurde; zur Versuchung abzubrechen, die Engelheere herbei zu rufen, mit der göttlichen Faust auf den Tisch zu schlagen, und dem unheimlichen Treiben ganz anders ein Ende zu setzen. Auch das wäre bis zum Schluss denkbar gewesen und hätte der ganz anderen Bibel für alle Zeiten nicht weniger Auflage beschert. Es kam aber nicht so. Christus hielt durch bis zum letzten Atemzug, und das Kreuz war der einsame Kampfplatz zwischen ihm und seinem größten Widersacher persönlich, der sein „wenn Du Gottes Sohn bist“ leise wiederholte. In diesem Sinne schreibt Thomas, Christus habe dem Teufel seine Glieder hingehalten, dass er sterbe, und der Glaube der Christen sagt in bleibender Erschütterung, der Böse persönlich habe sich hier ein erstes und letztes Mal an der Quelle der Güte ausgetobt.

Anm:
Die von Thomas zusammengestellten Kirchenväter führen die Dinge in der catena aurea zusammen:
„Chrystomus predigte: Bedenke aber hier die Worte der Teufelssöhne, wie sie die väterlichen Worte imitieren. (Die Worte, die bei der Taufe und der Verklärung Jesu vom Himmel gesprochen und seine Sohnschaft bezeugt hatten). Der Teufel selbst hatte ja schon gesagt: Stürze dich hinab, wenn du der Sohn Gottes bist“.
Catena in Mt, 27, 8: Chrysostomus in Serm. de passione. Considera autem nunc vocem filiorum Diaboli, quomodo imitantur vocem paternam. Diabolus enim dicebat: mitte te deorsum, si filius Dei es; et Iudaei dicunt si filius Dei es, descende de cruce.

Thomas stellt die Versuchung am Kreuz allerdings nicht mehr als (ledigliche) Versuchung dar. Vielmehr folgt er der Ansicht des heiligen Ambrosius, der den Satz des Lukas (4,13) „danach ließ der Teufel für eine Zeit von ihm ab) als direkten Übergang von der verbalen Versuchung zur offenen Schlacht interpretiert: „Der Teufel ließ für eine Zeit von ihm ab, nicht mehr, um ihn zu versuchen, sondern offen gegen ihn kämpfen, nämlich zur Zeit der Passion. –
Sth III, 41, 3, ad 3: „Ad tertium dicendum quod, sicut Ambrosius dicit, super Luc., recessit Diabolus a Christo usque ad tempus, quia postea, non tentaturus, sed aperte pugnaturus advenit, tempore scilicet passionis.“

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