Das Problem des Engelsturzes

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Das Problem ist noch nicht geklärt. Es wächst aus unserer eigenen Behauptung: Die Engel sind anders als wir. Sie brauchen nicht lernen, sie wachsen nicht und können nicht mehr und nicht weniger werden, als sie von ihrer Erschaffung her immer schon sind. Engel sind und bleiben in sich perfekt. Das war die Behauptung, und sie hatte gute Gründe.
Jetzt wird aber weiter gesagt, die Engel könnten üble Seiten haben, sie könnten, wie es landläufig heißt, von Gott abfallen. Es tut sich also ein Widerspruch auf: Wie kann ein Wesen das eigentlich nichts werden kann, zu einem gefallenen Wesen werden? Die Sache scheint ein Widerspruch in sich und unauflösbar, wenn wir nicht genauer hinsehen. Wir haben den Ansatz der Lösung schon angedeutet.

Es verändert die Vollkommenheit eines Ferrari nicht, wenn er durch Gotha fährt, anstatt durch Monaco. Der Wagen bleibt gleich gut. Es macht aber einen Unterschied, ob er sich auf einem verkommenen Parkplatz stellt oder sich in einer luxuriösen Werkstatt niederlässt, wo man ihn poliert und alles mögliche, Gute mit ihm anstellt.
Mit den Engeln ist es ähnlich, und der heilige Thomas baut ein Wort zur Klärung ein: Die Engel sind, was ihre Natur angeht, vollkommen und sie behalten auch auf ewig ihre ungetrübten, natürlichen Fähigkeiten.
In Sachen des Fahrzeuges ist es nun so, dass es selbst seiner Natur nach ein vollkommenes Auto sein mag. Wohin man es aber fährt, das kommt von außen. Es muss sich schon einer reinsetzen und es steuern. So heißt es auch in der Summe, damit der Engel zu seiner letzten Vollendung im großen Glück finden kann, dazu braucht auch er, trotz seiner Größe, immer noch die Gnadenhilfe Gottes, die sozusagen von außen kommt. Genau die bekommt er nicht, wenn er er sie nicht will.

Manche sagten damals und manche sagen heute, die gefallenen Engel hätten alles verloren, weil sie selbst Gott sein, weil sie selber an seine Stelle treten wollten. Die Meinung ist verbreitet, sie kann nach der Logik der klassischen Lehre aber nicht gehalten werden. Es gehört hier zu den großen Grundsätzen, dass ein jedes Wesen eigentlich nichts anderes als glücklich sein wollen, als das, was es ist.
Wenn ein Hausmeister namens Krause unbedingt das Haus besitzen will, von dem er immer nur die Schlüssel kriegt, dann will er wohl etwas ganz anderes sein, nämlich der Besitzer. Das will er aber als Herr Krause sein und als der große Krause in den Zeitungen stehen.
Wenn ein Mädchen eine Prinzessin werden möchte, dann möchte sie als Prinzessin eigentlich das Mädchen bleiben. Thomas umschreibt diesen Umstand einmal mit dem lapidaren Satz: Der Esel will kein Pferd sein. Die landläufige Vorstellung in den Religionen, dass der Teufel Gott sein will, ist verlockend. Dazu wäre aber zu sagen, dass er, wenn überhaupt, dann ein teuflischer Gott sein möchte. Er will die eher göttlichen Fähigkeiten, nicht der ganz andere werden.

Hinter der These, dass ein kleiner Esel ein großer Esel, ein armer Krause ein reicher Krause und ein Mädchen eine Prinzessin werden möchte, steht noch eine tiefere Behauptung: Jedes Wesen will als das Wesen, was es ist, ganz glücklich sein. Der Hausmeister sieht sein Glück im Hausbesitz, der Esel im vollkommenen Esel und das Mädchen erträumt es sich im Schloss.
Das große Glück der Engel hat auch einen Namen, über den wir noch reden sollten. Es ist der pure Genuss beim Anblick des Schöpfers höchst persönlich. Die Alten sagen, alle Engel wollen von ihrer Natur her die vollkommene Liebe Gottes erreichen. Dieser Wunsch kann auch beim gefallenen Engel als Sehnsucht nicht vergehen.
Wenn wir jetzt beim Meister nachsehen, wo denn hier der Haken liegt, dass ein so vollkommenes Wesen dieses Ziel nicht erreicht, dann kann es nur daran liegen, dass es auf dem geraden und einzigen Weg dahin zu etwas seine Zustimmung verweigert. Diese Zustimmung wäre die Annahme der Hilfe, die auch der größte aller Engel braucht. Auf den schlichten Punkt gebracht, dieser Engel wollte sich nicht helfen lassen. Es gibt nur einen Weg, die Gnade des Schöpfers nicht zu bekommen: Der ist ihre Ablehnung, und wenn ein so vollkommenes Wesen etwas ablehnt, dann ist auch diese Ablehnung vollkommen. Das führt zu dem schrecklichen Gedanken, dass dieser Engel sowohl der Hilfe, als auch der Nähe seines Schöpfers vollkommen verlustig wird, obwohl er seine Sehnsucht danach nicht los werden kann.

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2 Kommentare zu “Das Problem des Engelsturzes

  1. Kurze Nachfrage: „Genau die bekommt er nicht, wenn er lange er sie nicht will.“ am Ende des zweiten Absatzes heißt eigentlich „Genau die bekommt er nicht, wenn er sie nicht will.“, oder?
    Soll nicht kleinkariert oder besserwisserisch wirken, hab nur den Satz einige Male gelesen und hoffe ihn jetzt verstanden zu haben.

  2. Oh nein, lieben Dank. Ich hatte den Satz erst ganz anders geschrieben und beim Ändern nicht aufgepasst. Überlege allerdings noch an seiner sachlichen Richtigkeit, ob man das so sagen kann. Tja, ist ja erst der Entwurf.

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