Fragen zum Teufel, Teil 1

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Es soll also um den Teufel gehen, und der Anstoß war die Frage, was der heilige Thomas von Aquin eigentlich von ihm gesagt hat. Nun sind die Bücher des Thomas acht Jahrhunderte alt und im Hochmittelalter geschrieben. Im Gegensatz zur Jetztzeit musste der Professor sich in Sachen Teufel mit einer Frage kaum herumschlagen, die heute aber immer als erstes gestellt wird: Nämlich, ob es ihn überhaupt gibt.
Wir werden auf die Frage kommen müssen, beim Aquinaten habe ich sie bislang noch nicht gefunden. Für ihn ist die Existenz des Gehörnten offenbar so selbstverständlich, wie Bäume an der Straße stehen. Deshalb klärt er immer auch gleich das was und wie an stelle des ob.

Ein Thomasleser ist immer ganz froh, wenn er etwas Ausführliches in der Summe, dem letzten, dicken Buch seines Meisters findet. Das letzte Werk eines Denkers ist in der Regel das am meisten ausgereifte, und für die Summe gilt das auch. Ihre Theologie ist am besten abgehangen und vom vielen Denken am meisten geklärt. Ein kleiner Nachteil: Sie ist auch die mit den wenigsten Worten. Thomas schreibt im Vorwort, er wolle jetzt das Gerede vermeiden, um seine Studenten nicht müde zu machen oder mit vielen Wiederholungen zu vergraulen. Dieses Vorhaben hält er mit bewundernswerter Konsequenz durch. Das bedeutet für den Interessenten allerdings, für etwas mehr Ausführlichkeit und für einen Blick auf die Seitenarme der Sache braucht es schon mal einen Schwenk in andere Bücher.
In Sachen Teufel empfiehlt sich hier zum Beispiel ein Blick in das Buch mit dem geheimnisvollen Titel „Über das Übel“. Nebenbei bemerkt ist nur der Titel geheimnisvoll. Beim ersten Aufschlagen sieht auch dieses Werk eher wie ein preußischer Aktenschrank, als ein abenteuerliches Buch aus.
Überhaupt bleibt Thomas auch wenn es um den Teufel geht, so nüchtern wie ein Fahrkartenschaffner, der einen Kunden nach dem anderen durcharbeitet, und wenn ich richtig sehe, hat es um den Teufel zu seiner Zeit eher keine Diskussionen gegeben. Herumschlagen musste Thomas sich mit ganz anderen Themen, die viel interessanter waren und heute wären, wie die Einzigartigkeit des menschlichen Verstandes und die Frage nach der Ewigkeit der Welt.
Der Teufel war kein Thema, weil er einen nicht mehr beunruhigen brauchte. Christus hatte ihn an die Kette gelegt und gründlich über ihn aufgeklärt. Das sind übrigens die beiden Umstände, die der Gehörnte am wenigsten mag: Dass man über ihn Bescheid weiß und dass man ihn links liegen lässt, weil er einem nicht das Geringste zu sagen hat. Das zuletzt Gesagte bitte ich, möglichs wörtlich zu nehmen. 
Wie der geneigte Leser sich denken kann, zähle ich mich zu der Sorte Christen, bei denen der Fürst der Dummheit ein Teil ihres Weltbildes ist, über den man nüchtern sprechen kann. Auf die Frage jedoch, ob ich an den Teufel glaube, sage ich in der Regel eher nein. Ich glaube wohl, dass es ihn gibt, so wie ich auch glaube, dass es die Engel gibt und den See Genezareth. Aber an jemanden glauben ist bereits etwas, was ich dem Teufel nicht zugestehe. Im Übrigen versuche ich mich an den Grundsatz zu halten, dass ich über ihn möglichst wenig und mit ihm überhaupt nicht spreche. Man muss über ihn reden, das möglichst aber im Stil des heiligen Thomas: Kurz erklären, worum es sich handelt und dann von amysanteren Sachen sprechen. Christus nennt den Teufel den „Vater der Lüge“ und im gleichen Atemzug den „Mörder von Anfang an“. Wie soll man mit solchen Leuten umgehen? Man erzählt seinen Kindern pflichtgemäß, dass sie sich auf der Erde herumtreiben und rät ihnen dann, sich in besseren Gesellschaften aufzuhalten. Manche sagen, das Leben ist zu kurz, um offene Weine zu trinken. Ich würde meinen, das Leben ist auf jeden Fall zu kurz, sich allzu ausfühlich mit Sachen aufzuhalten, die ihm entgegentreten.

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3 Kommentare zu “Fragen zum Teufel, Teil 1

  1. Meine Frage beantwortet dein erster Teil ja noch nicht. Deshalb bin ich ebenfalls gespannt auf den zweiten Teil. 😉

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