„Thomas und Mohammed“, noch mal die Einleitung

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Ich bin ja gefragt worden, ob man als Leser des heiligen Thomas „jetzt auch mal was“ zum Islam zu schreiben sollte, und habe, wie gesagt, Gründe, das nicht zu tun. Der erste liegt im genannten „jetzt“. Um es einmal so zu sagen: In der Schule des heiligen Thomas spricht man am liebsten über das Feuer, wenn es gerade nicht brennt. Lodert es, dann herrscht Panik ringsumher und man hat nicht die Ruhe, die es braucht, auch wirklich über das Feuer zu sprechen.
Die Schule des heiligen Thomas ist eine der sogenannten Scholastik. Die Scholastik ist jener Zeitabschnitt unserer Kultur, in der man das systematische Denken begann. Um das nicht falsch zu verstehen, gedacht haben die Menschen schon immer, intelligent nachdenken konnten sie auch zu allen Zeiten. Die Scholastik ist aber die Zeit, in der man das Denken in Systeme packte, und das mit der gleichen Begeisterung, wie man Jahrhunderte später Dampfmaschinen baute. Wer systematisch zu denken versteht, der hat einen klaren Vorteil.
Das Wort „Scholastisch“ kann man vielleicht mit „schulisch“ übersetzen. Das  bedeutet dann ungefähr so etwas wie das Denken in die Schule tragen oder Denkschulen bauen. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Zur Zeit des heiligen Thomas wurden die großen Universitäten in den Städten gebaut und die scholastische Wissenschaft war damals so lebendig und frisch, wie sie heute für langweilig gehalten wird.
Der Philosoph Aristoteles war ein Hit und stand im Ruf, so etwas wie ein lange verschollener Albert Einstein zu sein. Seine Schriften wurden gerade lateinische übersetzt und für die Denkschulen dienstbar gemacht, und man kann sich heute kaum vorstellen, dass der griechische Philosoph das Denken über die Welt damals kaum weniger revolutionierte, wie der jüdische Physiker später das wissenschaftliche Weltbild. Das Denksystem des alten Griechen gab den Philosophen damals so brandneue Werkzeuge an die Hand, wie die Formeln der modernen Physik den heutigen Wissenschaftlern.
Aber zum Denken braucht man Zeit, oder besser gesagt, Muße, besonders, wenn es scholastisch betrieben wird. Das heißt, man spricht an Orten über das Feuer, wo nichts brennen kann. Muße haben bedeutet, mit einer Ruhe über Geld reden können, wie sie nur reiche Leute haben, und über die Grippe nachdenken können ohne verschnupft zu sein.

Ich gehöre nun zur einsamen Sorte Menschen, die sich für die Scholastik begeistern können, und da bietet sich das Sprechen über den Islam nicht gerade in Zeiten an, da sich verwirrte Köpfe auf der ganzen Welt einbilden, sie seien religiös und würden dem Islam einen Gefallen tun, wenn sie den Geschöpfen ihrer Gottheit die Kehlen durchschneiden.
Ein zweiter Grund, nicht gern über den Islam zu sprechen, ist eine Gefahr, in die man sich begibt. Man braucht den Namen des Propheten nur zu nennen und muss damit rechnen, in irgendeiner islamischen Gegend schon als einer zu gelten, den man sofort umbringen sollte. Das ist nun aber nicht die Sorte Gefahr, vor der jemand unbedingt zurück schreckt, solange die Kriegsfront die eigenen Stadtmauern noch nicht überwunden hat. Auch die Gefahr, mit jedem Wort irgendjemanden zu beleidigen, sollte den nicht scheuen, der Wert darauf legt, überhaupt noch frei über etwas zu sprechen.
Die Gefahr, die ich meine ist die, ins Gerede zu geraten oder überhaupt, auch schon kleinere Aufmerksamkeiten auf sich zu ziehen. In den Gesellschaften aller Zeiten grassiert eine Tendenz, die ein Scholastiker nie hätte verstehen können: Das ist der Zug in die Öffentlichkeit. In aller Welt verspricht man sich etwas von dem lästigsten und mühsamsten aller Zustände, nämlich dem, bekannt zu sein. Das hängt vermutlich mit dem Umstand zusammen, dass es bekannten Menschen irgendwie leichter fällt, Geld anzuhäufen, und so unsinnig es auch ist: Seit es Geld gibt, glaubt man allen Ernstes und überall, es verspräche so etwas wie Beruhigung und Sicherheit. Nirgends auf der Welt ist man den ganzen Tag so nervös wie an der Wall Street, die Psychiatrien sind vollgepackt mit wohlhabenden Menschen und in den Städten der Reichen erhängen sich weit mehr Leute, als auf Cuba. Dennoch: Reich und bekannt sein sind Ziele, bei denen einem niemand den Vogel zeigt, wenn man sie hat. In der Schule des heiligen Thomas aber liegen diese Ziele in ihrer Absurdität offen zu Tage, und wer die Stille seiner Schreibstube lieben gelernt hat, der schreibt heutzutage besser nichts zum Islam, es brennt nämlich aller Orten.
Wer des öfteren liest, was ich hier schreibe, der wird bemerken, dass ich mich wiederhole. Neu dagegen wird es sein, wenn wir uns wider alle guten Gründe ansehen, was der Aquinate in seiner Heidensumme zum Propheten Mohammed sagt.

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2 Kommentare zu “„Thomas und Mohammed“, noch mal die Einleitung

  1. Hat zwar nichts direkt mit deinem Artikel zu tun, fiel mir aber gerade ein. Es ist irgendwie eine verrückte Fußnote der Geistesgeschichte, dass Aristoteles im arabischen Raum über viele Jahrhunderte tradiert und rezipiert wurde und es dadurch überhaupt erst möglich war, dass er in der abendländischen Theologie des Mittelalters wiederentdeckt werden konnte und so zu einer Grundlage der katholischen Lehre wurde. Ich finde: Irgendwie verrückt.

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