Kurze Klärung

 

Bildschirmfoto 2014-12-17 um 09.06.49

Sth I-II, 1, 1.

Der Plan ist also angekündigt: Der Gelehrte will nun vom Menschen reden, und er schreibt, wie vorzugehen ist: Man muss mit dem el hatel beginnen, wenn man etwas untersuchen will, was ein solches hat. Das ist einigermaßen ungewöhnlich, es behauptet nämlich, das menschliche Leben sei grundsätzlich auf etwas hinaus. Mit dieser Behauptung grätscht der Heilige in einen modernen Streit, den er im Mittelalter nicht hatte erahnen können. Als Thomas lebte konnte man sich trefflich darüber streiten, ob der Mensch den Himmel der Christen oder das Paradies der Moslems als Ziel habe. Wenn aber einer mit der Meinung um die Ecke gekommen wäre, es gebe kein Ziel für das Leben, er wäre vermutlich nicht sonderlich ernst genommen worden. Heute geht das, und ein guter Teil der Gelehrten vertreten diese Meinung.
Die Frage, ob der Mensch ein Ziel hat oder nicht, mündet in einer Folgefrage. Wenn ein Ding ein Ziel hat, dann muss es dieses irgendwo her bekommen haben.
Innerhalb des Lebens können wir uns jede Menge Ziele setzen. Wir haben zum Beispiel das Ziel, etwas zu essen zu bekommen, wenn wir einkaufen. Wir haben das Ziel zu feiern, wenn wir uns mit Freunden treffen und wir haben das Ziel, unsere Steuern erledigt zu haben, wenn wir uns endlich daran begeben. Wer Vernunft hat, der kann sich was vornehmen, wohl aber nur innerhalb seines Lebens. Ob das Leben im Himmel, im Paradies oder im Nichts landet, das kann der Mensch nicht bestimmen, er kann es höchstens erkennen, wenn er einen Wink bekommt. Kein Schiff kann sich seinen Heimathafen aussuchen, den hatte es schon, bevor es fertig gebaut war.

Wenn also Thomas mit gewohnter Selbstverständlichkeit vom Ziel des Menschen spricht, dann geht er, an dieser Stelle unausgesprochen davon aus, dass es eine sozusagen höhere Vernunft gibt, die ihm dieses Ziel verpasst hat. Gerade in dieser Frage gehen die Meinungen der modernen Gelehrten auseinander. Wenn nämlich der Mensch nichts mehr ist als ein Produkt des Universums, das sich ohne Plan entwickelt, dann hat auch der Mensch keinen solchen, und wer keinen Plan hat, der hat kein Ziel.
Ich sage das alles hier jetzt nicht, um die Frage zu diskutieren, sondern eher, um anzukündigen, dass eine übernatürliche Macht sozusagen immer mit gedacht wird. Das könnte manchen veranlassen, nicht unbedingt weiter zu lesen. Wäre ich ein Naturalist, also einer, der über der Natur keine höhere Vernunft annimmt, dann würde ich mir vorbehalten, das Gefährt an der übernächsten Haltestelle zu verlassen und nicht weiter mit zu fahren.
Ich glaube nicht an UFOs. Warum sollte ich mich lang und breit mit Leuten unterhalten, die sich mit deren Antrieb und ihrer Reiseroute aufhalten? Ich glaube so ziemlich nichts von dem, was die Zeugen Jehovas glauben. Deshalb bin ich auch meistens nicht bereit, mich länger mit ihnen über ihre Lehre zu unterhalten. Wenn ich überhaupt nicht an einen Schöpfer glauben würde, ich würde mich vielleicht eher mit Büchern befassen, die mir erklären, wie man den Menschen ohne Schöpfer erklären kann. Thomas schreibt aber als ein Professor, der sich daran machte, den Menschen ausdrücklich als solchen zu erklären, der ein Ziel besitzt, weil eine höhere Macht ihm das mit auf die Reise gegeben hat.
Aber, wie gesagt, hatte der heilige Thomas eine deutliche Neigung, dicke Bücher zu schreiben, und wer dicke Bücher schreibt, der hat Zeit, langsam vorzugehen. Im Folgenden geht es also erst einmal um die Frage, ob der Mensch als solcher überhaupt einer ist, der Ziele hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s