Der Glaube und die Wissenschaft

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Gestern kam die Frage auf, wie man sich als Christ gegenüber den Wissenschaften verhalten soll und ob man darüber nicht mal was schreiben könnte. Ich sagte, ich würde mich da nur wiederholen, aber ich musste kurz nachdenken. Mir fiel nämlich auf, dass ich mir diese Frage eigentlich noch nie gestellt habe. Ich habe mich auch noch nie gefragt, wie man sich als Christ gegenüber der Tagesschau oder der Ziehung der Lottozahlen verhalten soll.
Religion und Wissenschaft sind zwei verschiedene Welten, die einander nicht kritisieren können. Aber vielleicht bin ich auch der falsche Ansprechpartner, weil ich nicht verstehen kann, was die nervösen Atheisten tun, wenn sie, wie sie sagen, wissenschaftliche Religionskritik betreiben. Ebenso merkwürdig würde es mir scheinen, wenn jemand religiöse Wissenschaftskritik betriebe. Ich weiß beim besten Willen nicht, wer da was zu tun gedenkt. Die Antwort auf die Frage, ob sich das Weltall ausdehnt, hat nichts damit zu tun, ob es eine Schöpfung ist oder nicht. Wenn wir den Berg Sinai vermessen, bekommen wir dadurch keine Antwort, ob Mose die zehn Gebote dort von Gott bekam oder ob er sie selber in den Felsen meißelte. Er kam mit den Tafeln herab und behauptete, Gott habe sie ihm gegeben. Die Gläubigen glaubten ihm, die Ungläubigen nicht. Die Tafeln können wir so lange untersuchen, wie wir wollen, sie entscheiden nicht darüber.
Ich glaube fest, dass Gott Wunder tut, und das nicht selten. Die Wunder beweisen aber gar nichts. Kein Wunder der Welt überzeugt einen Ungläubigen zum Glauben, Wunder bestärken nur jene, die bereits an sie glauben, bevor sie geschehen.
Es gibt in der Welt eine eigentümliche Erscheinung: Je extremer die Extreme sind, desto mehr ähneln sie sich. Die Bolschewiken und die Nazis waren in ihren Grundüberzeugungen so verschieden, wie sie nur sein konnten. Aber beide marschierten gleich, beide töteten gleich und beide ließen ungefähr die selbe Musik zu ihren Spektakeln laufen. Faschisten und Antifaschisten bekämpfen sich bis aufs Blut, aber sie tun das mit so ziemlich den selben Methoden und Fahnen. Die Extremen der Religiösen und antireligiösen Vorstellungen gibt es auch gewisse Ähnlichkeiten. Sie verbindet die Nervosität und die Dummheit, ihre Sache mit Hilfe der Wissenschaften durch zu bekommen. Die einen versuchen mit Hilfe der Wissenschaften zu beweisen, dass die Bibel Recht hat, die anderen versuchen mit der selben Wissenschaft heraus zu kehren, dass kein Wort in ihr stimmt. Beides geht nicht und ich gestatte mir, beides für ziemlich töricht zu halten.
Im Religiösen sprechen wir etwas unbeholfen von einer übernatürlichen Welt. Unbeholfen ist das Wort, weil es da eigentlich kein „Über“ gibt. Es gibt, wenn ich richtig sehe, auch kein Unterbewusstsein, weil das Bewusstsein kein Stockwerk ist und somit kein „Unter“ hat. Es gibt wohl Vorgänge, die außerhalb des Bewussten vor sich gehen und es gibt eine Welt, die außerhalb der Natur ist. Wie aber soll man mit Mitteln, die allesamt aus der Natur sind, auf sie zugreifen? Könnten wir das, dann wären entweder die Mittel nicht natürlich oder die untersuchte Welt nicht außerhalb. Gott ist ein Gott der Ordnung, und wenn er Wunder tut, dann lässt er sie so in seiner Welt geschehen, dass ihre Ordnung dadurch keinen Schaden nimmt. Kein Wunder der Welt hat je die Naturgesetze durchbrochen und die Welt verletzt. Die Brote aus der Brotvermehrung waren Wunderbrote. Das aber nur, weil sie auf wunderbare Weise herbei kamen. Ansonsten waren es ganz normale Brote, die man mit allen Mitteln der Wissenschaft auseinandernehmen kann, ohne etwas Wunderbares an ihnen zu finden. Deshalb würde ich auf die Frage, wie man sich als Christ gegenüber den Wissenschaften zu verhalten habe, „betreibe sie einfach“, antworten.

 

Sent. lib. 3 d. 3 q. 3 a. 2 qc. 2 expos: Creare est ex nihilo aliquid facere.

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11 Kommentare zu “Der Glaube und die Wissenschaft

  1. Kein Wunder der Welt hat je die Naturgesetze durchbrochen und die Welt verletzt.

    Ich glaube, ich weiß, was du sagen willst. Dennoch halte ich diesen Satz für etwas unglücklich formuliert. Ist ein Wunder nicht gerade deshalb ein Wunder, weil es die (uns bekannten) Naturgesetze durchbricht? Wenn sich ein Geschehen innerhalb der Naturgesetze erklären läßt, ist es doch kein Wunder mehr, oder???

    Ich habe jedoch mit Wundern (besonders die, die Gott tut) prinzipiell kein naturwissenschaftliches Problem, weil jeder von uns in gewisser Hinsicht auch Wunder vollbringen kann. Um das mal zu illustrieren: Wenn ich einen Bleistift in meiner rechten Hand halte und diesen fallen lasse, was passiert mit ihm nach dem Naturgesetz der Schwerkraft? Nun, er fällt zu Boden. Wäre es ein Wunder, wenn er in der Luft stehen bliebe? Sicherlich.

    Doch siehe und staune, solch ein „Wunder“ kann sogar ich schwacher Mensch z. B. vollbringen. 😉
    Ich lasse den Bleistift in meiner rechten Hand fallen…… und….. fange ihn mit meiner linken Hand auf. Damit habe ich das Gesetz der Schwerkraft durchbrochen – durch eine andere stärkere Kraft. Habe ich jetzt das Gesetz der Schwerkraft generell außer Kraft gesetzt? Natürlich nicht, sondern nur in diesem einen bestimmten Fall. So funktionieren meiner Ansicht nach Wunder – Gott ist „die andere Hand“, die eingreift.

  2. In diesem einen bestimmten Fall (nämlich dem des Wunders) schon.

    Oder anders ausgedrückt: Wenn ich ein Naturgesetz, wenn auch nur in einem bestimmten Fall, „außer Kraft“ setze, dann durchbreche ich es in diesem bestimmten Fall doch. Oder wie willst du das sonst bezeichnen?

  3. Kannst Du vielleicht ein Wunder aus d m Evangelium nennen und dazu sagen, wie es welches Gesetz bricht? Ich werde mir auch Gedanken machen und versuche meine Position zu erklären.

  4. Na ja, ich denke z. B. daran, wie Jesus über das Wasser gelaufen ist. Und auf seine Zusage hin, Petrus ebenfalls. Das widerspricht doch der Tatsache und dem Naturgesetz, dass ein Mensch eben normalerweise nicht über das Wasser laufen kann.

  5. Bitte entschuldige, ich habe Dich aufs Glatteis geführt. Aber es gibt kein Naturgesetz, das Jesu und Petri Gehen übers Wasser verbietet, weil es überhaupt kein Naturgesetz gibt, das Verbote ausspricht. Wir müssten klären, was wir mit Naturgesetzen meinen.

  6. Physik ist jetzt nicht gerade mein Steckenpferd, aber ich vermute mal, dass ein Mensch deshalb nicht über das Wasser laufen kann, weil die Dichte zu gering ist? Liege ich damit richtig? Von daher wäre es dann ein Naturgesetz, dass ein Stoff eine gewisse Dichte haben muß, damit ein Mensch darauf laufen kann. So in etwa, verstehe ich das mit den Naturgesetzen.

    Aber vielleicht reden wir auch nur aneinander vorbei. Ich verstehe dich jedenfalls nicht, tut mir leid.

    Die andere Seite ist, dass der Schöpfer der Naturgesetze natürlich über den von ihm geschaffenen Gesetzen steht und nicht umgekehrt. Insofern liegst du richtig, dass die Naturgesetze dem Schöpfer keine Verbote aussprechen können. Ist nicht mehr als logisch für meine Begriffe. Gott kann seine Gesetze, was die Natur betrifft, also jederzeit aufheben, wenn er möchte – in einem bestimmten Fall oder auch für immer. Bei dem Wunder mit dem „auf dem Wasser gehen“ hat er es meiner Ansicht nach getan. So verstehe ich das jedenfalls.

  7. So wie ich das als Kind (und heute) verstanden habe, ist die Überwindung der Naturgesetze (wenn man es denn will) mit dem Glauben des Menschen verbunden. Jesus bringt ja selber das etwas schräge Beispiel vom Baum den man ins Meer verpflanzen kann, wenn man den Glauben von der Größe eines Senfkorns hätte. Für mich ist das Naturgesetz, so wie ich es wahrnehme, nur eine winzige(!) Erkenntnis von dem, was Gott als Gesetz geschaffen hat.

  8. Wahrscheinlich liegt das Missverständnis in verschiedenen Auffassungen in der Frage, was eigentlich Naturgesetze sind und was nicht. Das Naturgesetz ist kein Buch, in dem Vorschriften drinnen stünden, wie sich alles gefälligst zu verhalten hat.
    Angenommen, seit Jahrtausenden wird das Verhalten des Wassers vom See Genezareth beaobachtet und dokumentiert. Zigtausendmal und immer wurde gesehen, dass alle Menschen im Wasser versanken und das Nass deren Füße umspülte. Immer hat man gesehen, dass alles gleich war. Also formuliert man ein Gesetz, dass menschliche Körper im Wasser untergehen. Wenn nun einer zeigt, dass sich die Dinge an einem einzigen Tag in der Geschichte anders verhalten haben. Wer weiß warum, aber an einem Tag liefen mal kurz zwei Leute drüber. Wer wird sagen, das könne nicht gewesen sein, weil das Gesetz es verbietet? Die Ntaurgesetze tun zwei Dinge nicht: Sie verbieten nichts und sie erkläene nichts.
    Wenn ein Stern nach vier Milliarden Jahren plötzlich seine Bahn verlässt, dann bricht er kein Gesetz. Es treten nur Umstände auf, die wir nicht kennen.

  9. @ Gerd & Thomasleser:

    So ganz kann ich euren Gedankengängen wohl immer noch nicht folgen. Ist aber auch eigentlich egal. Vielleicht seht ihr Wunder ja in dieser Art wie in diesem Artikel (habe mal ein bißchen gegoogelt) in Punkt 11 beschrieben. Damit hätte ich dann auch keinerlei Problem: http://www.wort-und-wissen.de/index2.php?artikel=disk/d96/3/d96-3.html

    11. Sieht Gott seine Taten auch als Wunder an?

    Die Bibel macht einen deutlichen Unterschied zwischen Wundern und Werken. Alle Taten Gottes sind für ihn „Werke“. So redet die Bibel bezüglich der Schöpfung von den Werken Gottes (1 Mo 2,2; Ps 8,7; Ps 19,2; Röm 1,20). In Johannes 9,4 sagt Jesus: „Ich muß wirken die Werke des, der mich gesandt hat.“ Aus der Sicht der Menschen sind diese Werke jedoch als Wunder zu bezeichnen.

    Diesen Unterschied können wir uns einmal an Hand der mathematischen Dimensionen verdeutlichen. Stellen wir uns (rein gedanklich) Wesen in der zweiten Dimension vor, so kennen diese konsequenterweise nur Gesetzmäßigkeiten der zweiten Dimension. Alle ihre Naturgesetze sind gegenüber uns dreidimensionalen Wesen eingeschränkt, weil sie nur in ihrer Fläche gültig sind. Sollten diese Flächenleute zwei deckungsgleiche, aber spiegelbildliche unregelmäßige Dreiecke zur Deckung bringen, so wäre das für sie eine unmögliche Aufgabe. Ihre Naturgesetze erlauben das nicht. Wir hingegen würden das eine Dreieck durch die dritte Dimension drehen und dann mit dem anderen in der Ebene verbliebenen Dreieck zur Deckung bringen. Das wäre für uns ein einfacher Vorgang – also ein Werk –, für die Flächenleute wäre unser Handeln eine Wirkung außerhalb ihrer gültigen Naturgesetze, und sie würden es als Wunder bezeichnen. Da Gott aus höheren Dimensionen als der dritten handelt, gelten bei ihm nicht unsere einschränkenden Naturgesetze. Was für ihn normale Werke sind, erweist sich bei uns als Wunder.

  10. Oder sagen wir es mal so:

    Wie lassen sich Wunder erklären? – Das Beispiel des 3-D-Gottes

    Der Schlüssel zum Verständnis von Wundern ist die Erkenntnis, dass wir nur die vier raumzeitlichen Dimensionen – Länge, Breite, Höhe und Zeit – kennen, in denen wir leben. Außer in der Mathematik können wir über die Existenz von anderen Dimensionen nur spekulieren, und es ist ganz offensichtlich unmöglich, wissenschaftliche Gesetze in solchen Dimensionen zu beobachten. Vielleicht folgen alle Wunder gewissen „Naturgesetzen“ außerhalb der Dimensionen von Raum und Zeit, vielleicht auch nicht. Klar ist jedenfalls, dass ein Gott, der die Naturgesetze geschaffen hat, sicher auch weiß, wie er sie „umgehen“ kann.

    Neuere Ergebnisse der Quantenphysik deuten auf die Existenz von mindestens 7 Dimensionen jenseits von Zeit und Raum hin. Manche Gelehrte gehen auch von mindestens 7 Extra-Dimensionen in der Bibel aus. [Ross, Hugh, Beyond the Cosmos, Colorado Springs, CO: Navpress, 1996 (A)]

    Ein „dreidimensionaler“ Gott

    Um die Bedeutung zusätzlicher Dimensionen besser zu verstehen, stellen wir uns einmal vor, die Welt bestünde nur aus zwei Dimensionen: Länge und Breite (wie die Oberfläche eines Tisches). Stellen wir uns weiter vor, in dieser Welt existieren kleine „flache“ Menschenwesen. Die „Flachen“ können einander nur als Linie wahrnehmen; um die genauen Umrisse des anderen zu erkennen, müßten sie um ihn herumgehen. Sie verfügen nicht über die Gesamtperspektive eines dreidimensionalen Beobachters.

    Nennen wir einen solchen Beobachter „3-D-Gott“. Dieser Gott kann den gesamten „flachen“ Menschen auf einmal wahrnehmen. Würde er dagegen mit seinem Finger bis auf einen Millimeter an diesen Menschen herankommen, würde dieser ihn doch nicht wahrnehmen. Der „3-D-Gott“ wäre für die zweidimensionale Welt völlig unsichtbar, es sei denn, er ginge in sie hinein: Sobald er seinen Finger auf die zweidimensionale Fläche legt, erkennen ihn die „Flachen“ als eine Linie. Drei Finger erscheinen als drei Linien. Beide Male haben die „Flachen“ nur ein sehr begrenztes Bild von dem ganzen „3-D-Gott“; womöglich grübeln sie darüber nach, wie solch ein Gott gleichzeitig als eine und als drei Linien existieren kann.

    Weiter: Der „3-D-Gott“ weiß viel mehr über die „Flachen“, als diese über sich selber wissen. Er kann sämtliche „Flachen“ auf einmal sehen, egal, wie weit voneinander entfernt sie sind. Und er kann Dinge tun, die in einer zweidimensionalen Welt glatt „unmöglich“ (sprich: Wunder) sind.

    Wir haben es in diesem Beispiel mit nur einer Extra-Dimension zu tun. Ein realer Gott, der in mehreren Dimensionen außerhalb der Raum-Zeit-Welt existiert, muß zu Wundern fähig sein, die unser Begreifen übersteigen.

    (Quelle: Prüfe die Beweise, Schöpfung oder Evolution, Ralph o. Muncaster, S. 16/17)

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