Vom Wunsch, im Mittelpunkt zu stehen

Bildschirmfoto 2014-11-15 um 11.23.33

Aus dem Archiv, für Gabi.

„Du willst ja immer nur im Mittelpunkt stehen“, ist ein bekannter Vorwurf, den wahrscheinlich jeder kennt. Wenn wir aber genauer hinsehen, kann der Wunsch so falsch gar nicht sein. Jedes Kind will die Aufmerksamkeit seiner Eltern, um ganz im Mittelpunkt zu stehen. Jeder Geliebte sehnt sich doch danach, zu hören, dass er das Allerwichtigste auf der Welt ist.
Wie lange malt ein Maler an seinen Bildern, um das eine große zu malen! Wie lange probt der Künstler am Trapez, um seinem Schatz endlich den Sprung aller Sprünge vorführen zu können? Den, den sonst niemand kann, um ein„nur für Dich“ dabei sagen zu können? Wer liebt, der möchte für den Geliebten ganz besonders wichtig sein, ganz in seiner Mitte sein. Mir scheint, das ist immer so.
Die Liebe antwortet auch entsprechend. Sie hat viele Weisen zu reden und sich auszudrücken. Wenn sie echt und wahr ist, sagt sie bei allem immer: „Du bist mir ganz besonders wichtig und wertvoll.“
Als Jesus einmal zu Gast war, kam eine Frau und salbte seine Füße mit teurem, echten Nardenöl, voller Hingabe. Judas aber stellt eine Frage aus der zweiten Reihe: „Hätte es nicht auch etwas weniger getan?“ Ein zweifelsohne praktischer Einwand, der jedem kommt, der sparen muss oder auf Geld aus ist.
Judas aber hatte das Entscheidende nicht verstanden: Hier war er bei Christus! Dieser konnte aus dem Nichts doch für ganz gleich wie viele Menschen Brote schaffen! Er hatte es doch bewiesen. Hier saß er doch an der Quelle der unendlichen Fülle, die nicht sparen muss!
Jesus brauchte nicht rechnen und kalkulieren. Er musste er nicht geizen und einteilen. Hier sprach und handelte Gott, die ewige Fülle der Liebe.
Und bei ihm, so lehrt uns der Gelehrte, gelangt jede natürliche Sehnsucht zur Ruhe ihrer letzten und endgültigen Erfüllung.
Hier brauchen wir nicht fürchten, nicht im Mittelpunkt zu stehen; wir tun es immer schon. Gott kann in seinem unendlichen Reichtum schließlich jeden am allerliebsten haben, und deshalb steht auch immer schon jeder ganz in seinem Mittelpunkt.

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