Neuer Atheismus ?

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Ich bin gefragt worden, ob ich nicht einmal etwas über die sogenannten „neuen Atheisten“ schreiben könnte und habe dankend abgelehnt. Dabei unterließ ich es tunlichst zu gestehen, wofür ich dankbar bin oder wäre, nämlich mit dem Thema in Ruhe gelassen zu werden. Es gibt allerdings gute Gründe, warum ich nicht gern gegen die neuen Atheisten schreibe, von denen der erste ist, dass ich sie nicht kenne. Ich habe kein Buch von Dan Dennet, keins von Christopfer Hitchens, nicht eines von Dawkins und auch sonst keins aus dieser Liga gelesen. Das müsste ich alles nachholen, dazu fehlt mir sowohl Zeit wie Lust.

Allerdings: Was ich gesagt habe, stimmt nicht ganz. Es ist wohl richtig, dass ich kein Buch von Dawkins gelesen habe. Das heißt aber nicht, dass ich noch nicht in eins geschaut hätte. Im Gegenteil, ich habe einen längeren Blick in den „Gotteswahn“ getan. Dieser Blick wurde zu meinem zweiten Grund: Ich möchte nicht gern gegen Dawkins schreiben, weil er auch nicht gegen mich schreibt. Er schreibt zwar gegen Religion, aber nicht gegen die, die ich habe. Er schreibt gegen das Glauben, aber nicht mit einem Wort gegen das, was ich mit Glauben meine. Nach einem Prinzip des heiligen Thomas von Aquin sollte man seinen Gegner  so gut es geht verstehen, um dessen Thesen neutralisieren zu können. Was immer ich aber von den neuen Atheisten höre, verfestigt meine Ahnung, dass sie überhaupt nicht wissen, was ich meine, wenn ich von Religion oder Glauben spreche. Deshalb lese ich ja nichts weiter bei ihnen. Schrieben sie wirklich gegen mich, ich würde sie gut studieren und eine Antwort versuchen. Da sie meine Religion nicht kennen, und ich ihre Bücher nicht lese, können wir uns also weiterhin gegenseitig in Ruhe lassen.

Mein dritter Grund entsprießt keiner falschen Bescheidenheit. Ich fürchte allerdings, nichts Wesentliches mehr sagen zu können, was nicht schon längst gesagt worden ist. Wenn ich richtig sehe, ist der neue Atheismus eine ziemlich laute, öffentliche Kampfansage. Solche werden in aller Regel dankbar angenommen, und so haben sicher schon viele Leute viel klügere Dinge geäußert, als ich sie zu Stande bringe.

Um aber nicht nichts zu machen, habe ich mir ein paar Punkte angesehen, von denen es heißt, die neuen Atheisten kämen in ihnen überein. Auf der Suche nach ihnen dachte ich, so etwas wie Überschriften zu finden, die meinen Prinzipien widersprechen. Zu meiner größten Überraschung musste ich aber feststellen, dass sie mir zu guten Teilen gar nichts sagten. Aber wo ich aus ihnen Aussagen ableiten konnte, waren es solche, denen ich mit Freuden beipflichten würde.

Einer der angesprochenen Punkte lautet: Wissenschaft und Religion seien unvereinbar. Das zum Beispiel finde ich auch. Stehen und liegen sind auch unvereinbar, entweder man liegt oder man steht. Das bedeutet aber nicht, stehen gegen liegen spricht oder dass sich beide nicht verstehen. Folge wir weiter dem heiligen Thomas, dann sind sowohl die Vernunft, als auch der Glaube Geschenke, die der Schöpfer uns gab. Wenn das so ist, dann werden sich Wissenschaft und Glaube so lange nicht widersprechen, wie sie vernünftig sind.

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8 Kommentare zu “Neuer Atheismus ?

  1. Ich halte den zweiten Grund durchaus für zutreffend. Dawkins bspw. gibt zwar vor, in seinem „Gotteswahn“ die Argumente von Aquinas zu behandeln – dabei bleibt es allerdings auch. Und im Nachwort zur deuschen Ausgabe gibt Dawkins ja auch freimütig zu, dass er es nicht für notwendig hält, sich eingehend mit dem zu beschäftigen, was Gläubige (in diesem Fall also auch Katholiken) meinen, wovon sie sprechen.

  2. @Thomasleser:
    Stimme dir im großen und ganzen zu. Allerdings würde ich bezüglich deines letzten Absatzes nicht so große Stücke auf die menschliche Vernunft geben, weil sie durch Sünde und geistliche Täuschung beeinträchtigt ist.

  3. Paulus dazu:

    2. Kor 10,4 denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich mächtig zur Zerstörung von Festungen; indem wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus…

  4. Ich finde, den dritten Grund kann man noch ausweiten. Irgendwie ist zu dem Thema auch von „beiden“ Seiten alles gesagt. Ich finde auch, wenn man die Gesamtlage betrachtet, haben sich die Emotionen auf beiden Seiten wieder runtergekühlt. Zumindest kommt es mir im akademischen Diskurs wie auch in medialen Diskussionen so vor, als wenn die ideologischen Kampfgeräte auf beiden Seiten (langsam) abgerüstet werden und man sich wieder auf thematische Auseinadersetzungen besinnt.

  5. Ich habe zu diesem Thema das Buch von Edward Feser: Der letzte Aberglaube, eine philosophische Kritik des Neuen Atheismus gelesen. editiones scholasticae 2012. Sehr empfehlenswert, auch als Einführung in die klassische Philosophie.

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