Die Kirche ist kein Bauernhof

Bildschirmfoto 2014-11-08 um 11.17.19

Als Papst Benedikt sich anschickte, unser Land zu besuchen und eine Rede im Bundestag zu halten, gab es die in Deutschland pflichtgemäße Auseinandersetzung. Meiner lieben Gewohnheit folgend beobachtete ich die Diskussionen aus sicherem Abstand. Als aber der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche sagte, es sei doch bedenklich, wenn die katholische Kirche als Staat auftrete, platzte mir der Kragen. Ich schrieb sogleich einen längeren Artikel zur Frage von Trennung von Religion und Staat. Der war aber zugegebenermaßen etwas böse. Deshalb bin ich heute eigentlich ganz froh, dass ich ihn für mich behielt. Der Kerngedanke lautete: Wenn die Kirche einen Staat hat, dann bedeutet das doch nicht, dass sie einer ist. Mein Vater wurde auch kein Auto, als er sich eins kaufte. Weil die Kirche einen Bauernhof in den Albaner Bergen unterhält, ohne dadurch selbst einer zu werden, deshalb trug der Artikel obigen Namen, den mein heutiger, der weit weniger zornig ist, im Gedenken an das geschilderte Ereignis übernommen hat.

Die Trennung von Religion und Staat ist sehr bedeutsam. Wenn sie von den Wurzeln her diskutiert wird, dann kann man sicher sein, dass Johannes achtzehn zu Wort kommt. Jesus steht dort vor Pilatus und sagt, sein Reich sei nicht von dieser Welt. Es ist wohl sehr richtig, diese Passage zu zitieren, doch fällt auf, dass in aller Regel nur die eine Hälfte dabei bedacht wird. Wir unterschlagen gern, dass das, was da nicht von dieser Welt ist, wirklich ein Reich, und zwar das eines Königs ist. Christus führt gerade da, wo er geschunden von dem Statthalter steht, seinen Königstitel im Munde. Es ist also nicht nur die Trennung der Religion vom Staat von Bedeutung, sondern ebenso das Königtum seiner Majestät. Etwas salopp gesagt, könnte die Trennung von Staat für den modernen Katholiken bedeuten, dass er in aller Ruhe sowohl ein Demokrat, als auch ein Monarchist sein kann. Genau damit aber hat er ein Problem. der moderne Christ, weil er nicht gewohnt ist, seinen Glauben zu bedenken.
Das Christkönigsfest ist noch jung. Es wurde 1925 ausgerufen, in einer Zeit, da in Europa die Königshäuser gefallen waren. Nur die Höfe sind geblieben, deren Könige alles Mögliche haben dürfen, außer königliche Macht.
Man könnte jetzt vermuten, die Ausrufung des hohen Festes sei als kleiner Trost gemeint gewesen, für die vielen Monarchisten, die ihren Höfen nachtrauerten. Das ist heute anders. Heute trauert niemand mehr den Königen und Kaisern nach, die noch etwas zu sagen hatten, und weil das so ist, scheint auch kaum einer mehr Wert auf das Christkönigsfest zu legen.
Diese Parallele aber ist nicht rechtens. Es besteht nämlich ein großer und nie bedachter Unterschied zwischen den Königen der Welt und dem des Himmels. An den Höfen der Welt gibt es die Königsfamilie, den Adelsstand und das Volk. Am Hof des Himmels gibt es nur die Familie. In den Königreichen auf Erden wird man als Untertan geboren, in der Taufe werden wir gesalbt und in den Stand von Prinzen und Prinzessinnen erhoben. Das ist schon ein Unterschied, und die Kirche in Rom wird immer dann gründlich missverstanden, wenn aus dem Blick gerät, was sie auf Erden alles zu tun hat. Sie hat nämlich die Aufgabe, die Lehre zu bewahren, die Sakramente zu verwalten und, so weit ihr das im vernünftigen Rahmen möglich ist, ein irdisches Abbild für den himmlischen Hof darzustellen.
Es wird schon seine Richrtigkeit haben, die Diener des Altares könnten hier und da wohl etwas bescheidener daher kommen. Aber wenn sie ihre liturgischen Kleider anlegen, dann kleiden sie sich in Königsgewänder. Sie mögen zum Bäcker schlendern und zum Bus laufen, in der Kirche aber sollten sie schreiten. Wenn die Ministranten vor der Messe in den Kirchenraum blicken, dann sehen sie Herrn Schmitz und Frau Schulte. Aber wenn sie im Gottesdienst die Gemeinde beweihräuchern, dann verneigen sie sich vor einem königlichen Geschlecht. Die Kirche ist kein Bauernhof, sie ist auch kein Staat. Sie ist aber der Hof des dreifaltigen, milden Weltenherrschers, und wenn sie betet, dann klinkt sie sich ein in das Lob der Engel, die den König umstehen.

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