Die Kirche in einer banalen Welt

Bildschirmfoto 2014-11-03 um 09.01.22

Gestern gab es sie wieder, diese eigentümliche Begegnung mit der Beiläufigkeit: Es fragte jemand, woran ich denn schreibe, ohne eigentlich wissen zu wollen, ob ich überhaupt etwas mache. Das ist wie mit den Damen der österreichischen Gesellschaft. Wenn sie eine schmackhafte Torte verzehren, wollen sie unbedingt das Rezept haben. Dabei betonen sie das „unbedingt“ mit dieser ganz eigenen Inbrunst, die man nur in Österreich in ein Wort legen kann. Aber wenn man das Rezept mühevoll aufgetrieben, vervielfältigt und herbei getragen hat, dann erinnern sie sich nicht einmal mehr daran, dass sie Kuchen gegessen haben.
Ich wusste das gestern, man bekommt ein Auge dafür. Deshalb erlaubte ich mir eine kleine Unverschämtheit, von der ich wusste, sie verfliegt wieder, mit dem kompletten Gespräch sozusagen: „Was ich schreibe, wird Sie nicht interessieren. Es ist nur die wichtigste Sache der Welt.“ Damit meinte ich in der Tat die Kirche, oder wenn man genauer fragen würde, die grundsätzliche Zugehörigkeit zu ihr.
Wie gesagt, das Gespräch war eigentlich gar keins, weil es verging, ohne etwas zu berühren. Eine Medizin, die niemand nimmt ist irgendwie auch keine Medizin.
Ich möchte nicht missverstanden werden: Beiläufige Gespräche gehören zur Menschenwelt und das hat schon seine Richtigkeit. Die Welt ist Gott sei Dank ja kein Kloster (auch wenn der Taliban aller Orten sie in eins verwandeln wollen). Allein die Mönche verzichten auf jede Beiläufigkeit. Sie reden nicht, wo nicht geredet werden muss und sie halten sich nicht mit unnötigen Dingen auf. Damit sind ihre Klöster Orte von größter Wichtigkeit und wie ein Licht in der Welt. Sie beleuchten nämlich das Wesentliche und für die Kinder der Alltäglichkeit die banale Tatsache, dass es überhaupt etwas wirklich Wichtiges gibt.
Wenn wir den Spruch vom Licht in der Welt ernst nehmen, dann hat das schon seine Richtigkeit, wenn nicht die ganze Welt im Licht ertrinkt, sondern immer noch von der Art bleibt, dass man sie beleuchten kann.
Jesu wird in seinem Spruch vom „Salz der Erde“ nicht bedauert haben, dass nicht die ganze Welt im Salz erstarrt. Die Würze lebt davon, dass die Speise eine Speise bleibt und dass nicht zu viel Würze in ihr verarbeitet wird, schon gar nicht, dass sie sich in Salz verwandle.
So ist das auch mit der Kirche. Sie ist von größter Bedeutung und von geradezu absoluter Wichtigkeit. Sie steht in der Welt und bezeugt die banale Tatsache, dass nicht alles banal ist. Oder anders gesagt, sie legt Zeugnis davon ab, dass der Mensch seine Vollkommenheit nicht schon erreicht hat, wenn er sich nicht prügelt, die Tiere leben lässt und mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt.
Die Kirche hat aber eine Außen- und eine Innenseite. Das haben wir schon angedeutet und es ist wichtig, darum zu wissen. Sie steht mit ihrer äußerlichen Gewandung mitten in der Welt voller Beiläufigkeiten. Oft fällt sie kaum auf, ihre Diener bedienen als Söhne und Töchter ihrer Zeit schließlich auch beiläufige Dinge. Ihr eigentümliches Tun allerdings, das ist alles andere als beiläufig! Man kann in ihr geistigerweise im Nu vom Tod zum Leben gelangen. Das hat sie jedenfalls immer gesagt, ihr Herr sagte schließlich das selbe.
Ein Dorfdoktor verteilt Hustenmittel, er schreibt die Kranken krank und die Faulpelze ebenso. Er mildert die üblichen, beiläufigen Krankheiten und begleitet das Leben seiner Patienten. Aber wird mal einer von einem tödlichen Insekt gebissen, dann hat er auch dazu das lebensrettende Serum. Insofern man also ihren Glauben teilt, dass man geistigerweise nicht nur leben, sondern auch irgendwie ableben kann, sollte man sie nicht als nur beiläufig ansehen, sondern der Außenseite auch die innere glauben.

 

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