Die Kirche und ihre Glaubwürdigkeit, Fortsetzung

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Die Liebe ist übrigens immer von der Art, dass man sie sich nicht ausreden lassen sollte. Das war schon im Paradies so, und es lag gerade darin die Katastrophe der beiden ersten Sünder in der Bibel. Ich habe den Baum im Paradies lange nicht verstanden. Ich hatte allen Ernstes meine liebe Not damit und niemand konnte mir eine beruhigende Antwort auf meine Frage geben. Musste ein Gott, der seinen Kindern einen Baum mit schmackhaften, verbotenen Früchten vor die Nase stellt, nicht grausam sein? Das musste doch schief gehen!
Bei uns herrschte in der Fastenzeit vor Ostern der Brauch, in der Küche Süßigkeiten zu sammeln. Jeder hatte auf einem unerreichbar hohen Schrank ein bauchiges Glas, in dem er über sechs Wochen die Leckereien sammelte, um am Karsamstag in kürzester Zeit über sie her zu fallen. Wenn Gott den beiden im Paradies für immer den Baum vor die Nase stellte, dann hatte er für immer eine Fastenzeit eingerichtet, ohne Ostern! Das erkläre mal einer einem Kind. Niemand konnte das, bis mir der heilige Thomas sein Compendium der Theologie vorlegte. Da steht in größter Schlichtheit, der Baum habe da gestanden, damit die Menschen etwas tun, bzw. etwas lassen konnten, nur weil Gott es gesagt hatte. Das war endlich die ersehnte Antwort und es drängten ebenfalls wieder jede Menge Bilder aus der Kindheit in den Zeugenstand.

Wir hatten hinter dem Garten unseres Hauses einen Strauch mit leuchtend roten Früchten, die ebenfalls schön anzusehen waren.  Die Eltern hatten aber gesagt, wir würden krank, wenn wir die äßen. Das haben wir tunlichst gelassen, und wenn ich mich erinnere, dann mit einer Freude, die ich im Nachhinein wirklich eine Freude im Gehorsam nenne. Wir verlangten keine weitere Erklärung, und ich vermute, unsere Eltern hätten auch keine ausführliche geben können. Es reichte, wenn sie das gesagt hatten, und es war eine Freude, an den Früchten vorbei zu gehen und neben dem Busch zu spielen, ohne sie anzurühren.
Adam und Eva brauchten nur bleiben wie die Kinder und hatten vor allem diese Pflicht, sich die Liebe und das Vertrauen zu ihrem Vater nicht ausreden zu lassen. Das Verbot war nicht schwer zu halten, nicht jedenfalls in jenem kindlichen Vertrauen, das die Liebe auch von Erwachsenen zu allen Zeiten fordert.

Wenn ich über die Neigung zur Kirche nachdenke, dann würde ich meinen, sie steht dem Katholiken gut zu Gesicht. Ich glaube wohl aber auch, dass er sie sich nicht ausreden lassen sollte, und paradoxer Weise am wenigsten von der Kirche selbst.
Der heilige Bellarmin hatte seinerzeit gesagt, die katholische Kirche sei so konkret wie das französische Königreich und die Republik Venedig. Das war zu Zeiten der Glaubenskämpfe zwischen katholischen und evangelischen Lagern. Es war zugleich ein deutliches Wort gegen die Auffassung, die Kirche habe vor allem eine rein geistige Angelegenheit zu sein. Sein Statement bringt Gottes Vorliebe für das Konkrete auf den Punkt, und die ist zugleich der Stein, den die Bauleute gern verwerfen würden.
Gott hätte die Welt ohne Probleme unter Verzicht auf die Menschwerdung loskaufen können, die Mittel dazu hatte er. Er hätte aus der Erlösung auch eine rein geistige Angelegenheit machen  können. Auch das tat er nicht. Er beschloss vielmehr, ein Mensch zu werden und unterzog sich dadurch sogleich der Wahl des Geschlechts. Er entschied sich ein Junge zu werden, und damit dürfte er sich bei allen, für die Gerechtigkeit Gleichbehandlung bedeutet, schon nicht gerade beliebt gemacht haben.
Es ist immer das Konkrete, das Probleme macht, weil man sich nur daran reiben kann. Gegen eine Gottheit die hübsch im Himmel bleibt, hat niemand etwas einzuwenden. Aber hinter der Vorliebe, konkret zu handeln, könnte man fast eine Neigung erahnen, sich bei seinen Feinden endgültig unbeliebt zu machen. Der Schöpfer treibt es jedenfalls mit seiner Vorgehensweise dauernd auf die Spitze. Er hat sich nicht beliebt gemacht, als er sich persönlich bei seinem Volk hat sehen lassen. Er hat seine Jünger auf die Glaubensprobe gestellt, so sehr, dass ein Petrus durchfiel. So braucht sich ein Katholik nicht wundern, wenn auch sein mittelmäßiges und halbherziges Glauben seine Anfechtungen vorgesetzt bekommt.

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