Die Kirche und ihre Glaubwürdigkeit, Anfang

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Irgendwann muss ich wohl einmal geäußert haben, ich würde der Kirche vertrauen wie einer Freundin. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das schrieb oder sagte, stimmen tut es allemal. Ein besonders liebenswerter meiner Leser wandte ein, er könne das nicht. Die Kirche sei eigentlich immer in einem Zustand, der es ihm nicht erlaube, eine solche Haltung einzunehmen. Ich teile seine Einschätzung und erhebe nicht den geringsten Einspruch. Die Kirche macht häufig alles andere als einen sonderlich glaubwürdigen Eindruck, schon gar nicht den einer Freundin, der man in die Arme laufen will. Das hindert mich aber nicht, ihr in der oben skizzierten Haltung meinen Glauben zu schenken. Ich tue das nämlich nicht wegen ihres Aussehens. Ich tue das, weil ein anderer mich darum bittet. Dieser andere ist wahrhaft mein guter Freund, wobei ich gleich sagen muss, dass ich ihm umgekehrt längst nicht so ein guter bin.
Ein Gedanke dazu. Im Evangelium gibt es eine Situationen, in der Gott Vater vom Himmel her seine Stimme ertönen lässt. Beide male zeigt die Szene auf Christus, und die Stimme sagt: „Das ist mein Sohn, den ich lieb habe. Auf ihn sollt ihr hören.“ Man kann hier aus zwei Gründen auf Christus hören, einmal wegen seiner selbst, und ein anderes mal, weil der Vater darum bittet. Es kann also sein, dass man auf Christus hört, weil man tut, um was der Vater bittet. Das sind zwei verschiedene Zugänge, die zum gleichen führen. 
Mit der Kirche ist es ähnlich. Nach dem biblischen Zeugnis und dem der Überlieferung ist sie die geliebte Braut Christi. Man kann sich nun bei allen möglichen Bräuten die alte Frage stellen, wieso der Bräutigam gerade dieser Dame verfallen ist. Manchmal kann man sich auch umgekehrt nur schwer vorstellen, wie eine hübsche Braut sich gerade einen Mann angelt, der überhaupt nicht passend daher kommt. Das tut aber nichts zur Sache und liegt eigentlich nicht im Interessenbereich der Hochzeitsgäste. Niemand kennt die Gründe der Liebe, aber jeder weiß, wo sie hinschlägt, da wächst kein Gras mehr, weil dort Blumen sprießen.
Mit der Liebe und Zuneigung zur Kirche empfinde ich es auf lange Strecken entsprechend. Christus hat sie gestiftet und ihr die feste Zusage gegeben, sie nie mehr zu verlassen. Zudem hat er ihr sein Liebstes, ja sogar sich selber in die Hände gegeben. Das ist Grund genug, über die Runzeln der Kirche so gut es geht hinweg zu sehen, und das Fundamentum auf den zu gründen, der sie schuf, de sie erhält und der darum bittet.
Es ist mit der Liebe nun so, dass sie den Blick verändert. Ich weiß von einer verheirateten Frau, deren Mann einen äußerlichen Makel hat, der jedem sofort in den Blick gerät. Die Frau bezeugt, dass sie genau diesen gar nicht mehr sieht. So tut die Liebe. Es ist nun allerdings so, dass alle Welt ihre Augen gerade nur auf das richtet, was die Braut nicht mehr sieht, aber damit lebt sie gern, eben weil die Liebe die Augen führt. Mit der Kirche geht es ähnlich. Wenn man sie einmal im Herzen hat, dann verschiebt sich auch hier der Blick auf die goldene, innere Seite. Damit wird die Liebe zur Kirche auch gleich zur Aufgabe, sich die Liebe nicht ausreden zu lassen.

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10 Kommentare zu “Die Kirche und ihre Glaubwürdigkeit, Anfang

  1. Danke für das Kompliment und noch mehr für die beiden Artikel. Lieben kann ich die Kirche allemal. In ihrer Suche nach Gott, in ihrem Ringen um Wahrheit und in ihrem regelmäßigen Scheitern in beidem. Darin vertraue ich ihr auch. Da sie aber die Wahrheit nie vollends haben kann, sondern nur ein Abglanz dieser ist, misstraue ich der Kirche, sobald sie eine Wahrheit also so absolut setzt, dass sie ihrer eigenen Vorläufigkeit nicht mehr inne wird und ist. Aber bei dem Wahrheitsbegriff – das wissen wir beide – scheiden sich unsere Geister. 😉

  2. Bitte, gern, isso. Ich würde fast aber, und wie immer mit Bedauern meinen, unsere Geister scheiden sich letztlich in der Frage nach dem „Was ist die Kirche“ eher als in der Frage nach dessen, was Wahrheit ist. Mal sehen…

  3. Einige Fragen an Benni und auch an Thomasleser: Wenn die Kirche (die katholische?) die Wahrheit nicht vollkommen haben kann, (sondern nur einen Abglanz) dann ist ihre Wahrheit unvollkommen oder weniger glänzend? Wenn mir mein Mathematiklehrer glaubhaft versichert, dass 4+4=8 wäre, und ich ihm sagen würde, das ist nur ein Abglanz des Ergebnisses, das vollkommene Ergebnis können sie (wir) gar nicht haben, ist das nicht etwas schräg gedacht? Wie soll dann noch Mathematik betrieben werden? (ich bin absoluter Laie in Mathematik aber wenn hinten 8 herauskommen soll, muss doch die Rechnung vorher immer wahr sein, oder?)

  4. @gerd: Ich kann da aus zwei Gründen nicht gut drauf antworten. Zum einen, weil ich ja glaube, daß die Kirche in der vollen Wahrheit steht (die sie allerdings selbst weder ist, noch „hat“). Zweitens, weil ich es etwas schwierig finde, die metaphysischen Aspekte der Wahrheit mit Beispielen aus der Mathematik zu verteidigen.

  5. >>(die sie allerdings selbst weder ist, noch “hat”).<<

    Dann sind die Worte des Herrn: "Wer euch hört, der hört mich" ziemlich rätselhaft. Noch rätselhafter wenn er von sich als "die Wahrheit" spricht. Aber ich will kein Fass aufmachen.

  6. Hi Gerd

    Aber ich will kein Fass aufmachen.

    Na ja, wir schwimmen bereits drinnen.
    Das mit der Schwierigkeit, Wahrheit mit Bildern aus der Mathematik zu verteidigen, kommt bei mir gerade ein bisschen aus dem Affekt. Habe mich heute, wohl aus etwas anderen Gründen, den halben Tag mit Frege beschäftigt. 😉
    Wenn ich heute die Kommunion empfangen habe, dann kann ich wohl sagen, wahrhaft aus dem Gral getrunken und die Wahrheit höchstpersönlich zu mir genommen zu haben. Aber was „habe“ ich damit, ich meine, umsetzbar zur Verkündigung in der Welt?
    Auch halte ich die Stimme meines Kaplans, der mir im Beichtstuhl eine kleine Weisung gibt, viel lieber für die Stimme Gottes, als die bedeutungsschweren seiner purpurnen Diener, die sich zu Synoden und Großrichtungen der Kirche äußern.
    Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang mal einen Gedanken zum „Haben“ überhaupt anstellen.

  7. Vielleicht drückt es die Bach Kantate BWV 147 recht gut aus. Da gibt es nämlich einen Choral wo es explizit heißt: „Wohl mir, dass ich Jesus habe.“ Nun könnte ich als Naivling folgendes behaupten: Wenn ich Jesus habe, dann habe ich die Wahrheit und nicht nur einen Abglanz. Oder ist das zu forsch…..wo wir gerade beim Schwimmen sind.;-)

  8. Da die Frage von Gerd auch an mich gerichtet war, bin ich noch eine Antwort schuldig. Da das Wort „haben“ für eine Irritation sorgte, will ich es anders ausdrücken. Ich denke, der Mensch kann die Wahrheit nicht erkennen. Er kann sehr nah an sie herankommen, in ihrem Glanz stehen (wie in meinen Augen die Kirche), nur vollends erkennen kann er sie nicht. Der Mensch in seiner Endlichkeit ist zu voller Erkenntnis nicht fähig, das liegt für mich in seinem Mensch-Sein begründet. Erst im Reich Gottes wird alle Wahrheit offenbar.
    Und von da aus ein Wort zu Bach: Ich würde sagen, wenn ich Jesus habe, stehe ich auf festem Grund, der reicht, ganz zu vertrauen. Was das bedeutet, Jesus zu haben, ist in der Konsequenz auch Sache der Ewigkeit.

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