Die Welt wird die Kirche nie mehr los

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Vermutlich kennt jeder diese Matroschkas, diese kleinen russischen Holzpuppen, die hohl geschnitzt sind, die ineinander gesteckt werden, bei denen man in der größeren eine kleinere findet, bis man zur kleinsten gelangt. Wer sie wider jede Vermutung doch noch nicht gesehen hat, der braucht nur warten, irgendwann erreichen sie jeden.
Als ich noch klein war, kam jedenfalls einmal jemand hell leuchtend mit so einem Spielzeug um die Ecke. Wie schön sie doch seien!, und mit einem „schaut doch mal“ machte er eine Puppe nach der anderen auf, bis er die letzte kleine, ein hölzernes, buntes Würmchen, auf dem Treppenabsatz parkte.
Es mag nun sein, dass meine Mitkinder ungefähr so erfreut waren, wie der Bringer. Ich erinnere mich, damals aber schon ungefähr das gleiche Gefühl gehabt zu haben, wie ich es bis heute diesen Werken gegenüber hege: Der Stil der Bemalung gefällt mir nicht so recht, bei aller Kunstfertigkeit, die natürlich jeden Respekt verdient.

Aber sei’s drum. Mir kam das Bild in den Sinn, als ich drüber nachdachte, wie sich der Zusammenhang mit den Priestern und der Kirche am besten darlegen ließe. Auch da nämlich stecken die Dinge in gewisser Weise ineinander.
Man begegnet der Kirche von außen. Macht man sie auf, findet man in deren Zentrum die Altäre. Um diese herum haben die Diener des Sakramentes, die Priester, ihren Ort. Auf den Altären steht jeweils ein Kreuz, das, jedes für sich, die Seitenwunde Christi trägt. In ihr finden sich die Schätze des Allmächtigen für die Welt. Durch die Wunde hindurch fließen die Ströme der Gnade aus dem Herzen des Unergründbaren. Hier nun kommt das Bild an sein Ende. Das Herz Jesu, die kleinste Figur, wenn man so will, lässt sich nicht auseinander nehmen, aber würde man das tun, man stünde im Raum der göttlichen Grenzenlosigkeit.

Ich würde meinen, dieses Bild von der Kirche auf Erden kann man lange meditieren, und es ist eine Freude, das zu tun. Es ist allerdings aus der Mode geraten und nicht selten anstößig geworden. Dabei stört nicht die Vorstellung, dass sie einen gegliederten Aufbau hat. Es stört nicht, dass man in sie hinein gehen kann. Es macht keine Probleme, dass in ihr Altäre stehen, und auch das Bild von der Seitenwunde Christi als die Pforte in den Himmel ist nicht das Anstößige. Das Problem der Kirche ist nicht ihr Aufbau und nicht das Bild, das sie von sich gibt. Das Problem ist ihre Wirklichkeit. Wirklich sein heißt nämlich nicht nur da sein, sondern auch wirklich nicht nicht da sein. Was wirklich ist, das wird die Welt nicht mehr los, und das kann schon mal ein Problem sein.

Ein Beispiel. Wenn ein Mensch entsteht, dann ist er plötzlich da. Man könnte jetzt sagen, er sei, wie jedes Lebewesen, aus der Materie der Welt zusammengebaut. So steht es schließlich in der Bibel. Wenn es, wie jedes andere Lebewesen, stirbt, dann ereilt es das Schicksal jeder Kreatur, es geht wieder in die Bauteile der Natur über. Als Gläubige glauben wir allerdings auch das zweite Bild, das in der Genesis zu lesen steht: Dass Gott dem Menschen seinen Atem einhaucht. Das bedeutet, der Mensch hat einen von Gott her unzerstörbaren Kern. Der ist jetzt da und keine Macht der Welt kann dafür sorgen, dass er nicht mehr da ist. Der heilige Thomas nennt die Seele unzerstörbar. Nicht einmal der Mensch selbst kann dafür sorgen, dass es ihn überhaupt nicht mehr gibt. Er kann mit sich anstellen, was er will, er wird sich immer irgendwo und irgendwie wieder finden. Alles Wirkliche hat einen Kern, über dessen Sein nur der Verfügen könnt, der der Herr des Seins ist.

Das Dumme mit der Kirche ist nun, dass dieser Herr allen Daseins sie in die Welt gestellt hat. Er verfügt nicht nur, dass die Gaben des Himmels durch die Wunde Christi fließen. Er verfügt auch, dass es sie gibt und sie da ist. Christus sagt bei Matthäus, er werde seine Kirche auf den Felsen Petri bauen. Damit sagt er nicht nur, dass sie in die Welt kommen soll. Er sagt auch, dass die Welt sie nicht mehr los wird. Sie ist also jetzt da. Wir können in sie hinein gehen und uns an den Gaben erquicken. Die gibt es gratis, ohne etwas dafür leisten zu müssen oder tun zu können. Die Pforten stehen offen. Das bedeutet allerdings auch, dass man sich an ihnen wund reiben und den Schädel stoßen kann. Der heilige Papst Johannes Paul hat einmal gesagt, es sei grundsätzlich besser zu sein als nicht zu sein. Es ist, wie gesagt, eine Quelle der Freude, den Aufbau der Kirche zu betrachten. Es kann allerdings ebenso bereichern, über ihre Unzerstörbarkeit nachzudenken. Allerdings: Je nach dem, in welchem Verhältnis man zu ihr steht.

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