Das Schwarz der Priester

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Es steht also eine gewaltige Behauptung im Raum: Gott verändert im Ritus der Priesterweihe die Herzen seiner Kandidaten. Er verändert sie ein für alle mal und er verändert sie für immer. Die Kandidaten sind am Ende des Ritus also nicht mehr ganz die selben, die sie vorher waren. Es ist eine Änderung bis hinein in die Ewigkeit.
Das Wort „ändern“ scheint nun etwas unangemessen. Hosen werden geändert, wenn sie zu kurz oder zu lang sind. Fahrpläne werden geändert, wenn die Busse anders fahren sollen. Jetzt in Sachen Menschenherzen von „Veränderung“ zu sprechen, klingt nicht besonders schön.

Das Wort „Verzaubern“ ist da schon etwas anderes. Es wird sofort märchenhaft, und ich würde meinen, das fügt der Sache gleich eine neue, angemessene Seite bei. Das Wort „Verzaubern“ meint also gleich etwas anderes als jemanden, der mit der Nähmaschine Hosen enger macht oder am Schreibtisch Fahrpläne umschreibt.
Das Wort „Zauber“ muss nur erklingen, schon trägt es unser Empfinden in die Welten der Kindheit, wo es feierliche Zeremonien an festlichen Höfen gibt, wo Magier heimlich Tränke mischen und Ritter gegen Drachen kämpfen.
Es könnte nun sein, dass jemand hier mit einigem Ernst seinen Einwand vorträgt: „Wir sprechen von der heiligen, strengen Wirklichkeit und ihr kommt mir hier mit Märchen und unwahren Fabeleien aus der Kinderwelt.“
Da ist dann aber etwas zu bedenken. Wer sagt eigentlich, Märchen seien unwirklich und nicht wahr? Es ist natürlich unwirklich, wenn Prinzen auf riesigen Schimmeln gegen Drachen mit feurigen Klauen kämpfen. Aber es ist die Spitze aller Wirklichkeit, dass das Gute das Böse zu besiegen hat. Unwirklich sind nur die Kostüme.

Das erinnert mich an einen Gedanken aus unserer Kindheit. Der alte Priester in unserem Dorf lief öfter in einem schwarzen, bodenlangen Kleid durch die Gemeinde. Er war ein hochgewachsener, alter Herr und die riesige Gestalt in seinem Gewand war irgendwie nur schwarz, aber ich hatte da eine Ahnung, dass das nicht alles an ihm war. Ich war mir sicher, wenn ich mal nahe heran hätte gehen können, um an seinem Schwarz zu kratzen, es wären darunter sicher silberne und goldene Fäden mit glitzernden Edelsteinen zum Vorschein gekommen. Mit der Sicherheit eines Detektivs habe ich gewusst: Das Gewand ist nur außen schwarz! Von innen ist es mit feinstem Gold beschlagen, und heraus kommen die kostbarsten Gaben, wenn man nur lange genug dran kratzt.
Das Schwarz ist eine Tarnung! Die guten Gaben müssen geheim gehalten werden. Vermutlich geht es nicht an, wenn die kostbaren Perlen einfach draußen verteilt und gezeigt werden. Die Frage nach den Märchen- und wahren Welten wäre klar gewesen. Die Innenwelt des Priesters ist die eigentlichere und wahrere Welt. Sie ist nämlich die des großen Erfinders aller Welten.

Die Bilder kommen zusammen: Unsere Priester sind diejenigen, die am engsten mit dem Priestertum Jesu verbunden sind, und aus dessen Seitenwunde am Kreuz flossen die kostbarsten Gaben: Blut und Wasser. Sie sind, wie die Väter sagen, die Sakramente, aus denen die Kirche errichtet ist. Auch dem Herrn kratzte die Lanze, wenn man so will, am äußeren Gewand. Nur war das nicht schwarz, sondern blutig und geschunden. Aber wer will uns sagen, dass nicht gerade er als der Priester, von reinstem Gold und Silber war? Wer will uns sagen, dass aus ihm nicht die kostbarsten Preziosen fließen?
Die Weihe verzaubert die Kandidaten, die Wandlung verzaubert die Gaben, und wenn überhaupt von irgendeiner großen Verwandlung gesprochen werden soll, dann müsste unsere äußere, nüchterne Welt verzaubert werden, um seiner inneren, goldenen  irgendwie ähnlich zu werden. Märchen- und Kinderphantasien hin oder her. Das Schwarz der Priesterkleider ist eine Tarnung, und es ist gar keine schlechte.

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2 Kommentare zu “Das Schwarz der Priester

  1. Das mit dem Verändern/ Verzaubern versteh ich nicht so recht. Nehmen wir die Eucharistie. Nach der Verwandlung ist es kein Brot mehr. Es bleibt Brot, aber ist doch so viel mehr als das . Mir fällt kein besserer Begriff ein, außer: die „Qualität“ hat sich verändert.
    Ist das bei den Priestern auch so? Verändert sich die Qualität, ihr Kern, ihr Sein? Dass sie ein neuer Mensch sind hat ja in erster Linie wohl keine von außen ansehbare, sichtbare Konsequenz, oder? Die Taugenichts-Priester sind so alt wie die Religion selber, da kann ja nicht jedes mal was mit der Weihe schiefgegangen sein. Damit du nicht denkst, hier kommt eine evangelische Fangfrage, ich frag mich das auch immer bei der Taufe. Was soll das heißen, ich steige neugeboren aus dem Taufwasser auf? Genug Getaufte glauben nicht. Genug Getaufte finden keine Gewissheit. Genug Getaufte tun so vieles, was so gar nicht zu dem „neuen Menschen “ passt. (Brauch mich da nur nur selbst anschauen.) Also, wieso dann von Verwandlung reden?!?
    Und da das alles noch nicht genug Fragen sind: Wieso ist der Artikel mit Frauenpriesterweihe getaggt? Nur für die Suchmaschienen oder hat das nen inhaltlichen Grund?

  2. Hi Benni,
    ich finde es immer schön, von Dir zu hören.
    Um genau zu sein: In der eucharistischen Wandlung ändert sich nicht die Qualität, sondern die Substanz. Das bedeutet, es ist am Ende wirklich überhaupt kein Brot mehr. Was sich nicht ändert, das sind die Akzidentien, Aussehen und Form etc.
    Bei der Weihe der Priester ist es anders. Die Substanz des Kandidaten X. heißt X. Das ändert sich natürlich nicht. Was anders wird, läßt sich vielleicht mit einem Stück Wachs vergleichen, das einen Stempel bekommt. Das Wachs bleibt das selbe Wachs. Es hat am Ende nur diesen Stempel. Thomas präzisiert das, in dem er sagt, es ändere sich der Kandidat nur insofern, dass er eine Kompetenz bekommt. Das aber ist eine bleibende Veränderung.
    Warum ich das mit dem Frauenpriestertum getaggt habe, weiß ich nicht. War ein Fehler, wird geändert. Danke dafür.

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