Kann Gott Priester weihen? Teil 1

Bildschirmfoto 2014-10-14 um 14.06.21

Als seinerzeit die Leute der ersten rotgrünen Regierung vereidigt wurden, an die ich mich erinnern kann, haben einige von ihnen für milde Aufregung gesorgt. Eigentlich nicht, weil sie eine Sache gemacht, sondern weil sie eine gelassen haben. Sie verzichteten in der Formel zum Schwur auf die Verfassung auf den Schöpfer und ließen ein Loch, wo man sonst „so wahr mir Gott helfe“ sagt. Als man sie nach ihrem Warum fragte, gab ein Minister eine ebenso kluge, wie falsche Antwort. Er sagte nämlich, es habe ihm noch nie ein Gott geholfen.
Die Antwort war klug, wegen ihrer Schlagfertigkeit. Nur ein genau so schlagfertiger Reporter oder vielleicht ein Kind hätte schnell die einzig wahre Gegenfrage stellen können. „Wie sicher sind sie sich denn?“, wäre die passende Erwiderung gewesen, und nur da hat der Gläubige einen entscheidenden Vorteil. Man kann nicht in gleicher Weise sicher sein, keinen Gott zu haben, wie man sich sicher sein kann, wenn man mit ihm lebt.

Hätte ich meinem Großvater gesagt, die Welt sei per Urknall entstanden, er hätte vermutlich ungläubig drein geschaut. Vielleicht hätte er es geglaubt, ich weiß es nicht. Mag sein, er hätte er argumentiert. Wenn ich ihm dargelegt hätte, die heiligen Drei Könige seien gar keine Könige gewesen, er hätte vermutlich ohne großen Widerstand beigedreht. Hätte ich ihm aber gesagt, seinen Gott würde es nicht geben, er hätte mir einen Vogel gezeigt. Meine Oma pflegte im Kuhstall des morgens in der Frühe Marienlieder zu singen. Man kann jetzt sagen, sie tat das zur Motivation, als psychologische Hilfe. Wenn die amerikanischen Soldaten laufen müssen, besingen sie schließlich auch ihr gelobtes Land. Sie werden es auch lieben, wie meine Oma den Himmel. Sie können den Präsidenten ihres Landes wohl aber nicht in gleicher Weise gern haben, wie meine Oma den Herren ihres Himmels und dessen Königin. Auf die Frage, wie sie ihren Glauben beweisen wollen, brauchten weder meine Großeltern, noch muss sonst ein Gläubige mehr sagen, als dass der Glaube sich selbst zu beweisen versteht, wenn man ihn erst einmal hat. Der heilige Thomas ist der Ansicht, man müsse den Ungläubigen den Glauben nicht zu beweisen suchen. Es reiche zu zeigen, dass er nicht unvernünftig sei.

Es ist wie mit der Liebe überhaupt. Es ist am Liebenden, seine Liebe zu beweisen, und wer liebt, der wird schon dafür sorgen. Messen aber, errechnen oder mit medizinisch-biologischen Maschinen die Liebe beweisen, das wird niemals jemand können. Alle Messergebnisse lassen sich nach links oder rechts interpretieren.
Man kann natürlich auch die Anwesenheit Gottes im Leben meiner Großeltern nicht nachweisen wie CO2 in der Luft. Man hätte sie aber jederzeit prüfen können, wenn man ihre Hände dafür übers Feuer gehalten hätte. Meine Großeltern waren dem Minister insofern überlegen, als dass ihr Glaube etwas positiv Erlebtes war. Sie hätten jederzeit antworten können, man könne von dem, dessen Anwesenheit sie überzeugt sind, doch nicht sagen, dass es ihn nicht gibt. Wenn aber ein Haus nicht bewohnt ist, dann kann man nicht behaupten, es habe keinen Besitzer.

Die Argumente der Gläubigen sind für die Neuzeit natürlich keine mehr. Sie sind Privatangelegenheiten, die Gleichgesinnte unterschreiben und die man ansonsten eigentlich keinem mehr vorlegt. In der mittelalterlichen Diskussion flossen sie noch in manche Argumente ein, was der Epoche den Ruf einbrachte, nicht wissenschaftlich zu sein.
Die mittelalterliche Mentalität unterscheidet sich noch in einer weiteren Frage von der derzeitigen. Der heutige Zeitgenosse glaubt, Gott macht gar nichts, der mittelalterliche dachte, Gott mache alles, und der heilige Thomas sagt das auch so: Nichts geschieht, es sei denn, in der Kraft Gottes. Der Heutige empfindet, die Dinge würden auch ohne einen Schöpfer ganz prima laufen. Das Mittelalter verkündet, wenn der Schöpfer die Welt verlassen würde, wäre sie augenblicklich nicht mehr da, wie eine Seifenblase, die es nach dem Platzen nicht mehr gibt.
Die neuzeitliche Philosophie startet mit der Behauptung, der Mensch projiziere sich Götter an die Wände. Das Mittelalter konnte noch sagen, es sei umgekehrt: Gott projiziert uns und lässt uns ansonsten gewähren. In der Neuzeit scheint man ernsthaft zu glauben, Naturgesetze würden regeln, dass alle Steine zu Boden fallen. Das Mittelalter behauptet, der Schöpfer trägt alle Steine, und das so regelmäßig, dass man daraus sogar Gesetze entwickeln kann. Fliegt mal einer quer, dann überrascht das im Mittelalter niemanden.
Um die Sakramente und überhaupt den Glauben ein wenig verstehen zu können, muss muss man nicht zurück ins Mittelalter. Man sollte dem Schöpfer wohl aber zutrauen, dass er sich um seine Welt kümmert, auch ohne dass es unseren Ministern sonderlich auffallen muss. Es schadet der Welt nicht und bringt sie nicht durcheinander, wenn der Schöpfer sie in seinem Herzen birgt und es sich nicht nehmen lässt, persönlich die Menschenseelen zu formen. Es widerspricht auch keinem Gesetz, wenn Gott uns verzeiht und in der Taufe das Leben noch einmal ganz neu beginnen lässt. Es blitzt und donnert nicht, wenn der Schöpfer in der Priesterweihe die Herzen seiner Kandidaten für immer verändert. Aber dass er das kann, das dürfen wir getrost für möglich halten. Und was da passiert, das sollten wir uns ansehen.

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