Die Stellung der Priester

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Das Bild mit dem Kirchenraum hat etwas Feierliches. Mir geht es jedenfalls so, wann immer ich drüber nachdenke, rede oder schreibe: Die Worte werden pompöser, die Wendungen möchten offizieller klingen und die Stimmung eher wie wenn man an hohen Höfen zu sprechen hat. In der Schule des heiligen Thomas würde man wahrscheinlich hören, das sei etwas ganz Selbstverständliches. Die Feierlichkeit eines Ortes richtet sich danach, wer ihn bewohnt. Im Palast eines Königs geht es eben feierlicher zu, als in den Wohnungen seiner Bediensteten. Und wenn man den Raum der Kirche beschreibt, dann hat alles auf der höchsten Stufe der Feierlichkeit zu geschehen. Schließlich ist der Kirchenraum der einzige Ort, in dem die große Begegnung, nämlich die zwischen Gott und Welt vorgesehen und möglich ist.
In der Messe kommt wirklich alles zusammen. In der Messe steigt, um im Bild zu bleiben, Gott höchstpersönlich zu uns hernieder. Wenn der Priester die verwandelte Hostie in die Höhe streckt und dem Volk zeigt, dann hält er im wahrsten und konkretesten Sinn der Worte Gott selbst in den Händen. Für Muslime und Juden dürfte das wie eine anmaßende Gotteslästerei klingen. Die Atheisten dieser neuen, nervösen Bewegung würden das als den Gipfel der Spinnerei einschätzen, und doch, die Katholiken und orthodoxen Christen aller Zeiten bleiben dabei: Gott gibt sich täglich in die Hände seiner Kinder.

Das zweite, das hier zugegen ist, das ist das Opfer Christi. Was wir in den Händen halten ist nicht einfach verzaubert. Wenn wir einen Lichtschalter bedienen, machen wir es hell und aus einem dunklen Raum einen hellen. Das Lichtanzünden kann allerdings mit Lust und Laune, es kann im Zorn oder aus Liebe geschehen. Der Vorgang selbst bleibt neutral. Würde Gott die Gaben auf dem Altar nur so verwandeln, dann könnte das auch ein Akt ziemlich kalter Gleichgültigkeit sein. Das ist er aber nicht. Die Messe steht immer im Zeichen der Hingabewilligkeit des Wortes Gottes an den Vater und des liebevollen Gehorsams ihm gegenüber. Sie steht immer unter dem Stern, den Christus vor dem letzten Abendmahl ausgesprochen hat: „Wie sehr habe ich mich danach gesehnt“. Jede freiwillige Hingabe aus Liebe bezeichnen wir als Opfer, und ein solches war Jesu ganzes Leben, sein Sterben und sein sich Hingeben in der Messe.

Die Theologen sprechen hier von einer dritten Sache, nämlich von einer Bewegung nach oben und einer nach unten. Die Kirche, die die Messe feiert, gibt (und opfert) ihr Beten, ihr Sehnen, ihren Ritus und die Zeit, die man schenkt, die Priester und Ordensleute geben ihr Leben in gewisser Weise. Das ist die Bewegung nach oben. In der nach unten erreichen uns die Wohltaten, die der Schöpfer seiner Kirche und durch sie der Welt zukommen lassen möchte: Sich selbst und die Hilfe, die wir Gnade nennen.

Um das alles herum ist die Kirche gebaut, sowohl geistig, als auch konkret aus Stein. Das ist gemeint, wenn gessagt wird, alles in der Kirche drehe sich um die Messe.
Hier hinein müssen wir auch die Priester gestellt wissen. Sie nennt der Aquinate die „Diener dieses Sakramentes“, und wenn Thomas das sagt, dann kann man wieder sowohl das „Wie“, als auch das „Wo“ seines Satzes beim Wort nehmen. Das erste, was er im Traktat über die Eucharistie über die Priester sagt ist dieses: Sie sind zunächst und immer zuerst die Diener der Eucharistie und der Messe.
Man nennt das größte immer zuerst, wenn man jemanden bezeichnet. Wer den Nobelpreis bekommt, der kann alles mögliche sein, er wird aber immer der Nobelpreisträger genannt werden. Wer den Präsidenten fährt, der ist, was immer er sonst tut, zuerst der Fahrer des Staatsoberhauptes. Deshalb ist auch eine Mutter, was immer sonst zu tun hat, zuerst die Mutter ihres Kindes. In diesem Sinn ist der Priester, wenn man ihn durch die Brille des heiligen Thomas anschaut, immer zuerst der Diener der Eucharistie und der, der an die feierliche Schnittstelle zwischen Himmel und Erde und direkt am Brandherd des großen Opfers gestellt ist.

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