Die Liebe und ihre Konkurrenz

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Heute zwei Artikel.

Mir ist wohl bewusst, nicht alle sehen das mit den Priestern wie ich es geschildert habe. Wenn ich nicht ganz falsch liege, sehen das eigentlich nur wenige so. Das sagt aber nichts über richtig oder falsch. Im Ruhrgebiet hat die Kirche vor Zeiten mit hübschen Plakaten für das Priesteramt geworben. Es gab beträchtliche Diskussionen. Es ging aber um die falschen Fragen, nämlich, ob es sinnvoll sei, eine Plakatwerbung für ein Amt wie das der Priester anzustoßen. Keinem schienen die Inhalten aufzufallen, und die waren das, was eigentlich aus der Spur gelaufen war. Die Bilder hatten verschiedene Motive, und alle sprachen davon, dass die Priester den Menschen helfen. Von Gott war nirgends die Rede.

Es ist ja nun so, dass die Priester für die Menschen bestellt sind und für sie da zu sein haben. Es ist wohl auch so, dass Gott um der Menschen willen Mensch geworden ist. Das ist aber nicht das Eigentliche, und deshalb hatte ich damals den Eindruck, die Plakate hätten etwas Trügerisches.
Zur Erklärung ein Fall, bei dem es sozusagen umgekehrt zuzugehen hat.
Wenn ein Religiöser seinen Freund im Krankenhaus besucht, dann tut er es vermutlich aus zwei Gründen: Er will seinem Freund etwas Gutes tun und zugleich ein Gebot erfüllen. Der Besuch eines Kranken zählt schließlich zu den Werken der Barmherzigkeit.
Wenn der Besuchte seinen Freund nun fragt, warum er zu ihm kommt, dann sollte er den ersten, den vorrangigen Wunsch nennen. Und im Fall einer Freundschaft sollte das die Freundschaft sein. Wenn er sagt, er komme, um ein Gebot Gottes zu erfüllen, dann dürfte das den Freund eher zornig machen.
Man pflegt keine Kranken, um Gebote zu erfüllen, sondern um Kranke zu pflegen. So jedenfalls, wenn es mit rechten Dingen zugeht. Mit Verlaub und bei aller Hochachtung für die Wünsche, der Religion zu dienen: Solange die Religiosität noch in der Unreife steht, um der Gebote willen erfüllt zu werden, haben die Menschen vor zu gehen. Erst in der Reife, also wenn es um die Liebe geht, hören die Dinge auf, als Konkurrenten aufzutreten. Beim Priesteramt und bei den Ordensberufungen liegen die Dinge also umgekehrt, weil man aus Liebe Priester, Mönch oder Nonne werden sollte.

Der heilige Franziskus muss ein ziemlich harter Bursche gewesen sein, sonst hätte er das Leben, das er führte, nicht durchhalten können. Franziskaner der ersten Generation sein, das war nichts für weich gekochte Charaktäre. Es hieß aber, der heilige Reformer brauchte nur einen Zettel zu finden, auf dem der Name Jesu oder seiner Mutter stand, und er brach in Tränen der Liebe aus. Auch den Zisterziensermönchen der ersten Stunde sagte man nach, sie seien ganze Kerle und harte Männer gewesen. Man holte sie schließlich in die wilden Wälder des europäischen Ostens, dass dort gerodet und eine ordentliche Kultur errichtet werde. Auch ihnen seien beim Chorgebet die Krokodilstränen die Wangen herunter gelaufen, so verliebt seien sie in ihren Herrn und die Umstände ihrer Erlösung gewesen.

Man kann mit Fug und Recht sagen, der heilige Franziskus hat sich um die Kranken aus wirklicher Liebe zu den Kranken gekümmert. Aber hätte man ihn gefragt, warum er das alles tut, er hätte vermutlich mit der ganzen Rührung seines Herzens den Namen seines Herrn genannt.
Es liegt wohl an der eher schlechten Theologie unserer Tage: Wir vergessen, Gott ist nie und in keiner Weise ein Konkurrent. Der Schöpfer ist, insofern er Gott ist, kein Teil seiner Welt und er ist schon gar kein Mitglied unserer Gemeinschaften. Gott ist, als Gott, nicht mal in der Welt zu finden. Diese Feststellung ist von großer Wichtigkeit. Sie ist die Grundlage für die Behauptung, dass der Schöpfer in der Liebe keine Konkurrenz darstellen kann. Konkurrenz kann es nämlich nur bei Gleichen geben. Ein Bräutigam hat keinen Grund zur Eifersucht, wenn seine Braut nicht aufhört ihre Eltern zu lieben. Diese Liebe kann noch so groß sein, sie ist außer jeder Konkurrenz, es sei denn, sie hat eine falsche Bauform, wie die Liebe zu einem Mann etwa. Auch die ungebrochene Liebe unter Geschwistern ist keine Konkurrenz, wenn sie die Form der Geschwisterliebe behält. Deshalb bräuchte auch der besuchte Freund keine Sorge zu haben, wenn ein Heiliger Gottes ihn aus Liebe zu Gott oder „um des Himmelreiches willen“ besuchen kommt. Wir können es auch anders sagen: Gott ist die Liebe, und wer Gott liebt, der liebt die Liebe. Wer aber die Liebe liebt, der sitzt an der Quelle. Dessen Gefäße werden aus dieser Quelle voller, nicht leerer.

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2 Kommentare zu “Die Liebe und ihre Konkurrenz

  1. Wenn ich im Krankenhaus liege, freue ich mich über jeden Besuch, egal aus welchen Gründen er stattfindet. Ich freue mich über die Krankenschwestern, die mir helfen – auch wenn es vielleicht „nur“ ihre Pflicht ist. Ich freue mich über die „Grünen Schwestern“, die mit dem Bücherwagen an mein Bett kommen, auch wenn sie mich gar nicht kennen und sie diesen in jedes Krankenzimmer fahren. Ich freue mich, wenn Weihnachten der Chor auf dem Krankenhausflur singt, auch wenn er nicht explizit wegen mir gekommen ist. Ich denke, auch wenn jemand „nur aus Pflichtgefühl“ ans Krankenbett kommt, so ist es doch ein Besuch, eine Zuwendung, so ist es doch Zeit, die derjenige opfert, um mit mir zu reden. Ich finde, auch das ist wertzuschätzen.
    LG von Rosie

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