Was ist eigentlich ein Fremdwort?

Ok, auf Wunsch noch einmal hochgeholt:

„Was ist ein Fremdwort?“

Bildschirmfoto 2014-09-17 um 12.25.18

Der heilige Thomas meinte, man solle so sprechen, dass einen möglichst alle verstehen. Um das tun zu können, muss man die Wörter gebrauchen, wie sie von allen gebraucht werden. Die Idee ist von Aristoteles. Sie durchzusetzen ist aber nicht immer möglich. Wer zum Beispiel in den Büchern des Aquinaten stöbert, ohne zuvor schon mal etwas Philosophie gelernt zu haben, der wird meinen, dass der Gelehrte sich nicht an seine eigenen Vorgaben gehalten hat.
Ein befreundeter Polizist rief mich eines Tages an und berichtete, er habe in einer Arbeitspause an mich gedacht und im Laden in einem Büchlein über den heiligen Thomas gestöbert. Dort sei er zufällig auf die Frage gestoßen, ob die göttliche Substanz auch Akzidenzien kenne. „Ich habe es dann gleich wieder zugeschlagen“, lautete das Ende der kurzen Begebenheit.
Thomas war Professor an den großen Universitäten seiner Zeit. Zudem hatte er in der Ausbildung von Priestern und Ordensleuten zu tun. Seine Schüler hatten die Philosophie schon gelernt, als sie zu ihm kamen und konnten mit den Wörtern arbeiten.
Wenn wir ihn verstehen wollen, müssen wir in gewisser Hinsicht wie seine Schüler werden und wahrscheinlich vorher einige Grundbegriffe für uns geklärt haben, damit die Fremdwörter aufhören fremd zu sein.
Fremdwörter werden für gewöhnlich als besonders schwere Wörter angesehen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Fremdwörter sind gerade leichte Wörter, die einem die Arbeit schlanker machen. Es sind allerdings solche, die nur in bestimmten beruflichen Räumen verwendet werden und dort für alle immer das Gleiche meinen.

Wenn ein Klempnermeister seinem Lehrling sagt, er soll ihm die Wasserpumenzange reichen, dann wird dieser ihm etwas in die Hand drücken, was ein Unkundiger als dickes, rotes Metallteil mit etwas wie einem großen Maul beschreiben wird. Die beiden Arbeiter machen es sich leicht und meinen aber etwas ganz Präzises mit dem einen Wort, auf das sie sich geeinigt haben.
Wasserpumpenzange ist kein schweres, aber ein fremdes Wort. Auf der Straße müssen die Handwerker von dem dicken, roten Eisending sprechen, wenn sie verstanden werden wollen.
Fremdwörter haben noch etwas an sich: Sie sind unromantisch. Das Wort Wasser zum Beispiel ist kein Fremdwort. Wenn man es einem Dichter sagt, fängt er an, die märchenhaften Weiten des Meeres zu besingen. Sagt man es einem Durstigen, fängt er an, von der Großartigkeit dieses bescheidenen Geschenkes zu reden, wenn es die Kehle herabrollt. Ein Feuerwehrmann erzählt vielleicht in abenteuerlichen Geschichten, wie er Menschen aus brennenden Häusern gerettet hat.
Ein einfaches Wort wie Wasser steckt voller Poesie und Romantik. Wenn aber ein Chemiker von Wasser spricht, nennt er es H2O und aus ist es mit der Romantik. Große, rote Eisendinger sind romantisch. Kinder brauchen sie zum Spielen, und da können sie plötzlich fliegen wie riesige Insekten und sprechen dabei. Die Klempner drehen damit nur Schrauben auf und zu.

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