Kindliche Fragen zur Erlösung

Bildschirmfoto 2014-09-05 um 09.15.05

Christus hat die Menschheit also erlöst. Wenn nun einer die Frage stellt, wie er das gemacht hat, wird man natürlich aus der Pistole schießen können, er habe das durch seinen Tod am Kreuz bewirkt, was ja stimmt. Es schließt sich dann allerdings sofort die Frage an, wie das denn möglich war und was das Leiden denn genauer bewirkt hat.
Die Antwort ist biblisch und klassisch: Christus hat mit seinem Leiden aus Liebe ein freiwilliges Opfer gebracht. Dieses Opfer deutet der heilige Thomas erst einmal und ebenso biblisch-klassisch als einen Loskauf.
Der Heutige wird sagen, das mag so biblisch sein, wie es will, es bedarf wohl aber noch einiger Erklärungen. Loskaufen kann man zum Beispiel ja nur das, was einem gar nicht oder nicht mehr gehört und was man haben will.
Wir haben bereits gesehen, die gesamte Initiative geht allein von Gott aus. Wenn da ein Loskauf geschah, dann nicht aus irgendwelchen, mechanischen Forderungen, wie wir sie auf der Erde kennen. Wenn wir ein Haus verkaufen, den Verkauf bereuen und es wieder zurück kaufen wollen, dann müssen wir draufzahlen. Der Käufer kann den Preis machen und hat als neuer Besitzer Rechte.
Nun haben manche der alten Denker in ihrer Ausdeutung der heiligen Schriften gesagt, Christus habe uns von der Knechtschaft des Teufels losgekauft und allerlei Theorien angestellt, wie man das verstehen kann. Dabei sind schon mal allerlei Geschichten entstanden, mit denen man uns in Kindertagen gewisse Antworten gab.
Ich erinnere mich, dass ich eine Art Geschäft im Kopf hatte, auf das sich der Schöpfer gegenüber dem Teufel irgendwie einlassen hatte müssen. Der Sohn Gottes hätte einen Preis zu zahlen gehabt, der zu zahlen gewesen sei. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube jetzt noch ein leises Gefühl dafür zu haben, wie sich damals meine kleine Stirn in Falten gelegt hat. Irgendetwas konnte da doch nicht stimmen.

Wir haben es hier mit einem Konflikt zu tun. Die Bibel spricht ziemlich eindeutig von einem kostbaren Preis, um dem wir erlöst wurden. Ich glaube aber, ich wäre schon zu Kindertagen sehr froh gewesen, hätte ich einen Pfarrer oder sonst einen Gelehrten gehabt, der den Aquinaten in der Tasche hatte. Es hätte vermutlich zu einer gewissen Erleichterung beigetragen, wenn da einem wenigstens Sth III,48,4 geläufig gewesen wäre. Dort steht nämlich wenigstens, dass der Teufel bei Gott nichts zu melden hat und dass ihm kein Pfennig gezahlt wurde.
Thomas verlässt den biblischen Pfad natürlich nicht und scheint mir auch zu anständig zu sein, die altehrwürdigen Väter abzukanzeln. Er sagt aber in aller Deutlichkeit, Christus habe die gerechte Erlösung nicht wegen des gehörnten Gesellen, sondern einzig wegen Gott vollbracht. Im gleichen Artikel sagt er dann auch, der Preis wurde nicht dem Widersacher, sondern dem Allmächtigen gezahlt.
Als Kind hätte ich vermutlich weiter gebohrt, wie Kinder das machen, wenn Antworten keine Ruhe geben. Zum Beispiel: Wie kann Christus den Preis an den Schöpfer zahlen, wenn der Mensch in der Macht des Teufels gewesen ist? Es bekommt doch immer der Besitzer den Preis.
Der Artikel hat das auch zum Thema, er geht aber ganz anders an die Dinge heran. Der erste Einwand bringt die Frage ans Licht. Sie lautet etwa so: Gott ist der Herr der Welt, ihm gehört doch alles. Alle Geschöpfe sind sein. Also gehört auch der Mensch immer ganz Gott. So konnte Christus uns gar nicht wirklich loskaufen.
Die Antwort klingt anders, als man uns damals sagte: Natürlich, die ganze Welt gehört Gott, und insofern das so ist, hat auch der Mensch nie aufgehört, ganz Gottes zu sein. Es gibt aber noch ein zweites Band, das uns in der Hand des Höchsten hält. Das ist das Band der Liebe. Unsere Fehler haben die Tendenz, dieses Band zu durchtrennen. Würden wir uns hier der verkehrten Seite verschreiben, wir gehörten in dieser Hinsicht nicht mehr wirklich dem, der uns doch bei sich behalten möchte. Wenn Christus uns durch sein Leiden von der Sünde befreit hat, dann kann man sagen, dass er uns los- und in die Hände Gottes zurück gekauft hat.
Ich glaube, ein kundiger Pfarrer hätte uns das an der Hand des Lehrers der Kirche so ungefähr oder auch etwas anders viel besser erklären können, und er hätte uns viel ruhiger heim schicken können, als es damals der Fall war.
Was den Teufel angeht, bin ich eigentlich immer der Meinung gewesen, über ihn redet man am besten nur sehr wenig und mit ihm kein einziges Wort. Manchmal muss man ihn allerdings erwähnen, und sei es nur, um irgendwelche schrägen Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Aber man sollte wenigstens nicht von ihm als jemanden reden, der irgendwo irgendwelche Ansprüche anzumelden hat und vor dem wir uns zu fürchten hätten. Ich glaube, unser Pfarrer hätte sich Gedanken machen müssen, ob er uns in dieser Richtung nicht noch etwas erklären sollte. Am besten vielleicht erst einmal etwas über die Sünde, von der immer die Rede ist, und was sie mit der Freiheit zu tun hat, die hier ja auch dauernd aufscheint. Vielleicht holen wir da am besten gleich mal etwas nach.

Quelle:
Sth III,48,4

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