Die Liebe und die Langeweile

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Man kann es sich zum Hobby machen, über die ganz normalen Dinge des Lebens nachzudenken, um ihnen auf die Schliche zu kommen. Man muss dann allerdings damit rechnen, dass einem das nur selten gelingt.
Wenn man zum Beispiel über die Liebe nachdenkt, wird man mit der Zeit vermutlich zu dem Schluss kommen, dass uns jeder sagen kann, wie sie sich anfühlt, dass aber niemand weiß, was sie ist. Für einen Christen ist das dann auch schnell erledigt. Er bekommt die Auskunft, dass Gott die Liebe ist und sogleich verläuft sich die Suche im unendlichen Geheimnis.
Im Zusammenhang mit meinem Schreiben über die Sakramente mache ich mir gerade wieder über eine Sache Gedanken, die sich ganz und gar nicht in Gott verliert, wie die Liebe, die aber irgendwie mit ihm zu tun haben muss, und das in negativer Weise. Es kann sie nämlich in ihm und in seiner Nähe nie geben. Diese Sache heißt Langeweile.
Ich habe mir, wie gesagt, schon öfter über dieses Phänomen Gedanken gemacht. Warum ist einer Mutter das Kleidchen ihrer Tochter schnell langweilig, die Tochter dagegen nie? Ich mag zum Beispiel sehr gern Eintopf aller Art. Wenn ich allerdings mehrere Tage hintereinander welchen kriege, wird er mir leid. Die Küche aber, in der ich ihn schon seit Jahren serviert bekomme, ist mir bisher noch nie langweilig geworden, und schon gar nicht, der Juwel von Mensch, der ihn mir bereitet. Ich vermute, das alles hat mit der Liebe zu tun.
Wir können nie umfassend sagen, was die Liebe ist, wir kommen ihr aber etwas näher, wenn wir betrachten, was sie tut. Sie bringt Blumen, sie kocht Eintopf. Sie umarmt und flüstert liebe Sachen. Sie genießt und freut sich am Genuss des anderen. Die Liebe tut tausend schöne Dinge, aber eins tut sie immer: Sie bejaht die Existenz dessen, was geliebt wird. Ganz gleich, was wir lieben, wir lieben vor allem erst einmal, dass es da ist.  Zu allem, was die Liebe liebt, spricht sie ihr „gut, dass es dich gibt.“ Somit hat die Liebe eine Sache, die immer gleich bleibt.
In Sachen Langeweile aber muss sie auf geheimnisvolle Weise etwas haben, was grundsätzlich unterscheidet, und das hat vermutlich mit ihrer Vollkommenheit zu tun. Wenn man der Liebe zwei Augen unterstellt, dann scheint sie das eine mit wachsender Vollkommenheit zu schließen, während sie das andere immer weiter öffnet.
Je größer die Liebe, desto weniger sieht sie die Makel. Es gibt Menschen, die haben irgendein äußeres Problem. Werden sie in ihrer Familie geliebt, dann hat dort niemand mehr ein Auge dafür.
Der heilige Josefmaria erzählte einmal von einer Mutter, dessen kleines Kind genüsslich in der Nase bohrte. Alle waren entrüstet, die Mutter aber sagte, ihr Kind werde sicher mal ein Forscher. Die Liebe verschließt die Augen für Fehler und öffnet weit den Blick für das Liebenswerte, und ich habe die Vermutung, dass sich so auch das Problem mit der Langeweile erledigt. Die Engel sehen seit Jahrtausenden den Regen auf die Erde niedergehen und finden ihn so herrlich, wie am ersten Tag, als Gott ihn sich erdachte.

Ich finde das alles aus drei Gründen einigermaßen wichtig. Erstens geht es steil auf die Ewigkeit zu, und da kann keine Langeweile sein. Zweitens sollten wir an der Liebe arbeiten, damit wir in der Religion und in der Welt das Staunen nicht verlernen. Der dritte Punkt hat mit der Liebe zu tun, die Gott zu uns hat.
Im Kommentar zum Römerbrief geht es im fünften Kapitel um den Satz des Paulus, die Liebe Gottes sei ausgegossen in unsere Herzen. Er sagt dort, diese Liebe sei sowohl die, mit der uns Gott liebt, als auch die, mit der wir ihn lieb haben. Der Ursprung sei allerdings im Schöpfer zu finden, der uns zuerst geliebt habe. Unsere Liebe zu Gott sei ein Zeichen für die Liebe, die er zu uns hat..
Der Heilige Geist ist Gott. Der persönlich kommt zu uns, um in uns zu wohnen, weil er uns lieb hat und uns damit anregt, ihn wieder zu lieben.
Das sind große Gedanken, bei denen ich das Besprochene ganz gern mit dazu denke. Dass ich dem Herrn nicht langweilig werde, dafür sorge ich vermutlich unfreiwillig schon ganz gut. Es würde mir jedoch zur Erleichterung gereichen, wenn sein Auge für meine Makel sich ein wenig schlösse, wobei das andere weit offen bliebe. Ich will natürlich nicht, dass meine Sünden vergessen werden. Das wäre gegen die Ehre, und ich bitte meinen Beichtvater immer um eine angemessene Buße. Es gibt da allerdings bei aller Sicherheit immer noch diese Art Urfurcht, die nie ganz weggeht und die ihre kleine Sorge nie ganz los wird, man könnte das Verhältnis zum Geliebten am Ende doch etwas trüben. Diese leise Besorgnis zählt übrigens beim heiligen Thomas auch zu den Geschenken Gottes, worüber an anderer Stelle zu reden wäre. Wir müssen die Dinge hier bedenken, weil Christus im Sakrament aus der gleichen Liebe heraus zu uns auf den Altar kommt, aus der er den Geist in unseren Herzen ausgießt.

 

Quelle: Sup Rom, 5,1: „Charitas Dei autem dupliciter accipi potest. Uno modo pro charitate qua diligit nos Deus, Ier. XXXI, 3: charitate perpetua dilexi te, alio modo potest dici charitas Dei, qua nos Deum diligimus, infra VIII, 38 s.: certus sum quod neque mors neque vita separabit nos a charitate Dei. Utraque autem charitas Dei in cordibus nostris diffunditur per spiritum sanctum qui datus est nobis. Spiritum enim sanctum, qui est amor patris et filii, dari nobis, est nos adduci ad participationem amoris, qui est spiritus sanctus, a qua quidem participatione efficimur Dei amatores. Et hoc quod ipsum amamus, signum est, quod ipse nos amet.“

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