Was ist das wahre Leben?

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Wo wir schon mal bei der Liebe sind, passt es ganz gut, einen grundsätzlichen Gedanken zu besprechen. Die Kirchen, allen voran die katholische, hat in unseren Breitengraden schon mal den Ruf, sie sei eigentlich nur dazu da, ihren Schäflein das Leben etwas schwerer zu machen. Sie rede uns so ziemlich alles madig, was Spaß und das Leben lebenswert macht.
Der heilige Thomas, der im Verdacht steht, dabei ein ganz besonders Trockener zu sein, sieht das jedoch ganz anders. Bei ihm ist der Weg der Kirche in allem Ernst der einzige, der den größten Genuss verspricht, den Genuss der Liebe nämlich. Das ist durchaus so gemeint, dass man, wie in jeder Liebe, einfach nicht genug voneinander bekommen kann.
Den Leser wird es vermutlich nicht wundern und Thomas wäre nicht Thomas, wenn nicht gleich eins wieder klar würde: Unserem Gelehrten geht es natürlich zuerst einmal um die Liebe zu Gott, oder besser gesagt, es geht um ein gegensätzliches Zusammensein in der Liebe, und das wie gesagt, im schönsten Genuss. Thomas er ist allen Ernstes der festen Überzeugung, dass man besonders von Gott im besten Sinn des Wortes nie genug bekommen kann, sobald man auch nur einen Rockzipfel von ihm erblickt hat. Mit unserem Thema, der Eucharistie, ist es genau so, da ja Gott in ihr enthalten ist.
Während die Kirche also im Rufe steht, uns vom wahren Leben fern halten zu wollen, geht es ihr in Wirklichkeit darum, das einzig wahre Leben zu führen und zu erreichen. Es geht darum eine Einstellung zum Schöpfer zu bekommen, in der wir nie wieder von ihm weg wollen.
Thomas widmet in seiner Heidensumme ein ganzes Kapitel dieser Sache und über dem steht zu lesen, das Ziel des göttlichen Gesetzes sei die Liebe zu Gott. Das meint er so, wie er es sagt, und Thomas meint immer alles so, wie er es sagt.
Ich würde aber meinen, der Vorwurf gegen die Kirche ist, je nach dem, dennoch ziemlich zutreffend.
Ein Beispiel. Thomas findet den Avarus, den Geizkragen, ziemlich krank. Deswegen nämlich, weil er nicht genießen kann, was er hat, weil er immer genau das haben will, was noch nicht sein Eigen ist. Aber es gibt, wie jeder weiß, Leute auf der Welt, deren Leben vor allem darin besteht, Gelder aufzuhäufen. Etwas moderner könnte man sagen, sie leiden am Dagobertproblem, wobei das eigentliche Problem des Dagobert wohl darin bestand, nicht zu wissen, dass er ein Problem hatte. Aber wenn sie meinen, genau das sei eigentlich das Leben, dann stimmt der Vorwurf gegen die Kirche. Die würde den Betroffenen schon ganz gern ausreden, so weiter zu machen, weil ein solches Leben in Wirklichkeit kein Leben ist.
Jeder, der schon mal unter dem Problem einer Sucht gelitten hat, kennt das vermutlich. Erst ist man ganz Feuer und Flamme, später will man seine eigenen Wünsche nicht mehr haben. Wer diese Reife nicht erreicht und nicht auf Distanz zu seinem Problem gehen kann, wer also meint, die Jagd nach dem Gegenstand der Sucht, sei das Leben, der ist in den Augen des heiligen Thomas eben auf dem Holzweg. Thomas ist nunmal der mittelalterlichen Meinung, es gehöre zu den größten Wohltaten einem Menschen gegenüber, ihn vom Irrtum zur Wahrheit zu führen. Zu Fragen wäre also erst einmal, worin eigentlich das wirkliche, erfüllte Leben besteht. Hier hat der Lehrer eine klare Meinung: Das wahre Leben besteht auf Erden bereits darin, im lebendigen Kontakt mit Gott und dem Himmel zu stehen. Leben bedeutet auf dem Weg dahin sein und ansatzweise schon haben, was man ersehnt. Und das Sakrament der Eucharistie ist das größte und schönste Faustpfand, das man dazu bereits geschenkt bekommt: Gott selbst, in seinem Sohn und – manche sagen leider – vorerst nur im Glauben zu begreifen.
Ich bin mir sehr bewusst, das alles sehen ganz viele Leute ganz anders. Auch in unseren Kirchen wird oft nicht so gesprochen. Wenn wir uns hier jedoch in den Kopf gesetzt haben, an der Hand des heiligen Thomas durch die Landschaft zu laufen, dann können wir nichts anderes sagen. Die Lehrbücher der offiziellen Kirche sagen schließlich auch nichts anderes, und wer wissen will, was die Kirche sagt, der gehe am besten dorthin, wo offiziell gesprochen wird.

Quelle: ScG,III,116. „Quod finis legis divinae est dilectio Dei.“

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