Paradies oder Himmel?

Bildschirmfoto 2014-08-19 um 14.08.19

Es geht um die Sakramente und um die Messe im speziellen. Christus sagt aber gerade bei der ersten, sein Blut werde „zur Vergebung der Sünde“ vergossen. Also können wir kaum einigermaßen sinnvoll über die Sakramente sprechen, ohne wenigstens kurz zu bedenken, was es denn mit der Sünde auf sich hat und warum sie überhaupt getilgt werden muss. Es könnte jemand „lass mich in Ruhe“, sagen und: „Lass mir doch mein kleines Sündigsein, ich tue doch keinem was damit.“ Das wird vermutlich richtig sein. Denn sprechen wir mal nicht von den Extremen, sondern von der großen Masse der Leute, dann haben wir es mit einigermaßen braven Steuerzahlern zu tun, die der Welt überhaupt nicht schaden, auch nicht mit ihren Schwächen, den Unzulänglichkeiten und den kleinen Süchtchen für den Tag und Süchtchen für die Nacht, wie Nietzsche das nennt. Wenn der kleine Sünder ein braves Leben führt und einigermaßen anständig durchs Leben geht, was soll die Kirche ihn angehen und drauf pochen, an sich zu arbeiten, wie ein Ackergaul, um auch die letzten Schwächen zu bekämpfen?
Reden wir uns nicht heraus. Christus sagt nicht, er vergieße sein Blut zur Vergebung der Kapitalverbrechen, und er sagt auch nicht: „Ihr Lieben aber seid nicht gemeint.“
Nach allem, was die Kirche lehrt, was die Schrift sagt und was alle christlichen Klassiker uns beibringen, geht es in der Erlösung überhaupt nicht nur um die ausgemachten Schurken, sondern um alle, ausnahmslos. Auch das bravste Mädchen und der strahlende Held der Heiligkeit haben es nötig, und auch für sie ist Christus in gleicher Weise ans Kreuz gegangen, wie für den Verbrecher, der neben ihm hing.
Wenn wir das etwas besser verstehen wollen, müssen wir unser gewohntes Bild von Gott und vom Himmel sozusagen nach oben korrigieren.
Wenn ich richtig sehe, glauben die Christen im Allgemeinen, der Himmel sei eine große Spielwiese, auf der es für immer ein ungestörtes Vergnügen in trauter Gemeinschaft gibt. Wir glauben man müsse nur irgendwie hinein gelangen, und drinnen warten Ferien für immer und ohne jede Störung, sonst nichts.
Ich glaube das alles auch. Ich glaube bis heute sogar, im Himmel gibt es Kühlschränke.  Wir haben dort oben unsere Lieben wieder, und es wird ein rechtes Vergnügen, zusammen mit den Heiligen und den Engeln, die die gute Wahl getroffen haben.
Ich glaube allerdings nicht, das reicht, um den Himmel zu beschreiben.
Himmel bedeutet – vor allem! – der Gottheit in gewisser Weise gleichgestaltet werden, um an ihm Anteil haben zu können. Das Größte am Himmel ist genau das, und das ist, was wir gern vergessen. Die vornehmste Tätigkeit im Himmel ist das Genießen, schreibt der heilige Thomas. Es ist vor allem aber der Genuss Gottes, der das Größte ist, neben allem anderen.
Gott genießen aber heißt mit ihm zusammen sein. Mit Gott zusammen heißt, seiner Gegenwart würdig zu sein. Das unterscheidet „unseren“ Himmel von allen anderen Vorstellungen irgendwelcher Paradiese. Der Himmel ist kein Paradies, in dem der Alte Gott sei Dank nicht aufkreuzt. Himmel heißt Gottes teilhaftig werden, und damit uns das nicht unheimlich wird, ist es bedeutsam, dass wir Gott als dem gütigen Vater kennen.
Gott ist kein Gangstervater, der seinen Spaß hat, wenn seine Söhne schon mal das Klauen lernen. Wenn wir von ihm sprechen, dann reden wir von einer ungebrochenen und reinsten Heiligkeit ohne jeden Makel. Deshalb muss auch jeder ohne Makel sein, der sein großes Glück genießen will, und in den Sakramenten beginnt die Vorbereitung. Die Taufe ist das Entfernen jeden Makels und nimmt uns jedes Hindernis. Die Messe bereitet uns den Leib und das Blut des göttlichen Menschensohnes. Sie ist die erste und auf Erden einzig mögliche, wirkliche Vorwegnahme der großen Begegnung, und wegen unserer Schwäche hat die Kirche dieser Begegnung die heiligende Beichte vorgeschaltet. Von nicht mehr und nicht weniger reden wir.

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