Über das Leidige Thema der Sünde, Einleitung

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Es scheint nicht leicht, von den Sünden und Lastern anzufangen, ohne dass einem die Leute davon laufen. Es scheint schon nicht leicht, mit der Religion zu kommen, es sei denn, man spricht über die anderer Leute. Man kann an jeder Theke mit dem Islam anfangen und Schatzkisten von Meinungen tun sich auf. Es wird geschimpft, geklagt und kritisch angemerkt.
Man kann auch mit den Juden kommen und hört aus deutschem Munde dann jedesmal von irgendwo her, dass man ja gar nichts gegen sie hat. Aber dann kommen die schillernsten Sachen, die schon mal ganz schön weh tun können.
Man kann auch von den Mormonen oder Quäkern anfangen, muss dann aber erklären, wovon überhaupt gesprochen werden soll. Im Fall der anderen Religionen müsste man das zwar auch immer. Hier glauben die Menschen in aller Regel aber, sie wüssten das Wichtigste, was aber nicht stimmt.
Wer dagegen von der eigenen Religion anfängt, der beendet seine Party, es sei denn, er spricht wieder über andere, den Papst zum Beispiel oder den letzten Bischof, den die Basis davon gejagt hat. Das geht.
Es ist aber nicht leicht, von der Religion anzufangen und zugleich diejenige zu meinen, die man vielleicht haben oder überdenken sollte.
Wir müssen das hier aber machen, und über das reden, was wir die Sünde nennen. Sie ist nämlich in allen Religionen so zentral, wie man es nicht immer wahr haben möchte.
Jede Religion ist eine Antwort, nämlich auf die Frage, wie man das Sterben und den Tod überlebt. Das ist bei den Hindus nicht anders, als bei den Buddhisten, den Mormonen, den Juden, den Christen und den Moslems.
Alle Religionen antworten auf die Frage, wie man in den Himmel kommt, und somit stellen sich alle Religionen dem Problem, wie man die Steine los wird, die auf dem Weg liegen. Auf vielen dieser steht nunmal „Dummheit“, „blöde Entscheidung“ und „menschliche Probleme“.
Wenn ich sagte, die Leute rennen davon, wenn man von der eigenen Religion anfängt oder gar von der Sünde, dann stimmt das nur bedingt. Es gibt nämlich auch die andere Seite. Ich habe den Eindruck, die Leute kehren den Kirchen gerade immer dann den Rücken, wenn sie aufhören, ihre ureigensten Themen zu behandeln.
Wenn jemand zum Parteitag der Grünen fährt, dann erwartet er Reden über die Umwelt, die Gesellschaft und wie man sich den neuen Menschen vorzustellen hat.
Wenn einer zu den Taubenzüchtern fährt, dann erwartet er Reden über Taubenzucht, über Standorte, Fütterung und Flugverhalten.
Kommt aber einer in die Kirche, dann erwartet er zu Recht, dass man über die Dinge spricht, um derentwillen die Kirchen da sind. Überall dort, wo die Prediger sich darauf verlegen, lieber nur noch von der Umwelt, dem Sozialverhalten oder gar über Vögel zu reden, enttäuscht er die Leute zwangsläufig.
Die Menschen laufen nur scheinbar davon, wenn man von den ureigensten Dingen der Religion anfängt. Wenn sie schon zur Kirche kommen, dann erwarten sie auch, dass von dem geredet wird, wovon die Kirchen zu reden haben. Es ist nur eine Frage, wie man es anstellt.
Manchmal hört man von den Alten und Halbjungen, früher hätte man immer nur den erhobenen, moralischen Zeigefinger gesehen. Ich weiß nicht, in wie weit das stimmt, seit ich Kirchen besuche, ist mir das jedenfalls noch nie untergekommen. Aber wie immer auch, der moralische Zeigefinger ist jedenfalls die einfachste und bequemste Art der Predigt, man muss sie jedenfalls nicht vorbereiten. Mit der Moral zu kommen, ist das Leichteste, es ist wohl aber auch das am meisten Falsche. Immer da nämlich, wo die Religion zu einer Moralveranstaltung verkommt, ist sie längst verarmt und läuft am Wesen vorbei. Das gilt jedenfalls für das Katholische. Es gibt wohl aber auch Entwürfe, die derart wenig Philosophie und andere seriöse Lehre zu bieten haben, dass sie nur Moral können. Aber davon soll nicht die Rede sein. Wir müssen vielmehr ein Wort über die Sünden und Laster verlieren, wie Thomas es tut, und zwar insofern sie mit den Sakramenten und der Eucharistie zu tun haben.

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