Um was ging es Christus eigentlich als erstes?

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In den alten Wildwestfilmen, die wir als Kinder schon sehen durften, wurde immer mal wieder ein Dieb oder Räuber aufgeknüpft. Manchmal stand auch der Held der Geschichte unschuldig da mit der Schlinge um den Hals und ein Freund befreite ihn mit einem geziehlten Schuss. 
Immer aber erging in der letzten Minute die selbe Frage an den Delinquenten, nämlich die, ob er noch einen letzten Wunsch habe. Ehrensache. Ob schuldig oder nicht, ob ein reudiger Pferdedieb oder ein hochstehender Beamter. Am Galgen hatte jeder Mensch die selbe Würde, und nur noch sie.
Der Gefragte aber sollte jetzt gut überlegen, denn er hat nur noch diesen einen Satz, und in den sollte er hineinpacken, was ihm das Allerwichtigste ist.
Wenn er nur sagt, man solle ihm die Schuhe etwas besser binden, dann hat er nichts Wichtiges mehr auf dem Herzen. Wenn er aber einen Menschen nennt, den er erwähnen möchte, dann ist das der wichtigste Mensch in seinem Leben.
Es gibt solche Situationen, in denen nicht mehr geflaxt wird und in denen kein Raum für Erklärungen und überflüssige Worte ist.
Eine solche Situation war zum Beispiel die letzte Stunde Jesu am Kreuz. Sein „siehe, deine Mutter“ zu dem Jünger und das „siehe, dein Sohn“ an die Mutter waren solche Sätze. Das war der letzte Wunsch, der noch ausstand, und der musste von größter Bedeutung sein. Man sagt dann eben nichts Unbedeutendes mehr.
Der schon erwähnte Satz: „Das ist mein Blut, das vergossen wird zur Vergebung der Sünde“, war auch so ein Satz und der letzte Herzenswunsch. Dieses „zur Vergebung der Sünde“ ist kein Nebenbei, sondern der eigentlichste und tiefste Sinn des ganzen Geschehens. Man kann das nicht übersehen, ohne das Wichtigste zu verpassen. Wir übersehen es aber dauernd oder gehen darüber hinweg, wie wenn man nicht mehr länger drüber reden müsste.
Hand aufs Herz, wir reden nicht gern über die Sünde. Wer redet schon gern über seine eigenen Peinlichkeiten oder Unterlassungen. Wer stellt sich gern in die Mitte und lässt sich sagen, was er alles nicht kann und nicht auf die Reihe bringt? Niemand liebt das, und so bleibt das Reden von diesen Dingen meistens aus in den Kirchen.
Wir können die Sache allerdings auch von einer anderen Seite her betrachten, und von der gesehen, fällt ganz anderes Licht darauf.
Der heilige Thomas sagt: „Der Schaden, den die Sünde anrichtet, besteht in der Abkehr von Gott.“
Jetzt dürfte es eher unangenehm sein, gleich davon anzufangen, was unsere armseligen Süchtchen und Dummheiten wieder mal angerichtet haben. Die Leute laufen davon, wenn sie ihr Brot dauernd in dieser Weise geschmiert bekommen. Christus spricht hier aber gar nicht davon. Er will gar nicht, dass wir weglaufen, sondern ist gekommen, damit wir bleiben, und zwar gerne.
Wenn wahr ist, was Thomas oben sagte, dann hat der Mensch in seiner Art vor allem eins hinbekommen: Er hat es sich mit seinem Schöpfer gründlich verscherzt. Christus ist aber nicht gekommen ihm den Zeigefinger hin zu halten, sondern die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Im Ritus der Kirche heißt es, er ist gekommen, „zu heilen, was verwundet ist“, und das ist vor allem unser Verhältnis zu ihm.
Wenn zwei Freunde sich zerstritten haben und unter ihrem Bruch leiden, dann wird es irgendwann zur Aussprache kommen. Ein „ich sehe es ein und es tut mir leid“ wird da schon sein müssen, und das in aller Klarheit. Dann aber muss es mal gut sein, sonst kann man nicht neu anfangen. Wenn beide wirklich Freunde sind, dann haben sie kein Interesse, dem anderen sein Vergehen aufzutischen. Sie werden doch viel mehr wollen, dass möglichst bald der Schwamm der Tilgung darüber fahren kann.
Christus spricht in diesem höchst konzentrierten Augenblick nicht von Anklage, sondern von Wiedergutmachung. Es müsste uns eigentlich ein Leben lang erstaunen, dass ihm so viel daran liegt.
Wir müssen das mit der Sünde besprechen, um die Dinge zu klären. Christus aber ging es sicher nicht um die Sünde, sondern darum, sie aus der Welt zu räumen, und das ist etwas ganz anderes.

Quelle:
Sth II-II, 34, 2 co. „Respondeo dicendum quod defectus peccati consistit in aversione a Deo“.

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