Das große Mysterium

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Ich bin gläubig, mein Glaube aber hat uglaubliche Seiten. Beim Wort genommen heißt das, ich glaube Sachen, die ich eigentlich nicht glauben kann. Ich meine das nicht im Sinn der gerade besprochenen Angelegenheit.
Jesus sagt „wer mich sieht, der sieht den Vater“. Jesu Vater ist väterlich, gütig, er ist treu und ganz Erbarmen und Verzeihung. In all seiner Macht ist er ein Gott, dem man ohne Angst begegnen kann, wenn man sein Leben selbst nicht auf beängstigende Umstände gebaut hat. Wer nicht fürchterlich ist, der braucht Gott nicht zu fürchten.
Dass dieser Gott derselbe ist, wie die unberührbare, unveränderliche und erhabene Macht, die alles Sein im Sein hält, das bleibt mir immer irgendwie ungereimt, und ich bekomme das nicht zusammen gerechnet. Das meine ich aber nicht mit unglaublich, weil ich es gelassen glauben kann, bis der Väterliche mir aus seinem Schoß die Lösung zeigen will.

Unglaublich finde ich dagegen, dass Christus für meine Sünden sterben musste. Dass er es tat weiß ich, und ich werde ihm bis in alle Ewigkeit nicht genug dafür danken können. Aber dass es sein musste, das verstehe ich nicht, und zwar je weniger, je mehr ich drüber nachdenke. Und um es gleich zu sagen: Wenn jemand sagt, er habe es verstanden und sei gekommen, es mir zu erklären, dann braucht er gar nicht anfangen, denn ich glaube ihm kein Wort.

Ich rede jetzt nicht für mich. Ich bin vermutlich nur, was die allermeisten sind: Ein Kerl, der arbeiten geht, der sich von der Politik an der Nase herumführen lässt, der seine Steuern zahlt, niemandem etwas wegnehmen möchte und der sich ansonsten müht, mit seinen unausrottbaren Schwächen mehr oder weniger seinen bangen Frieden zu machen. Ich werde beim jüngsten Gericht mit keiner besonders guten Bilanz auftauchen und hoffe auf Milde. Aber dass es eines Foltertodes bedurfte, um mich einigermaßen hin zu bekommen, ist schon schwer genug.
Ich rede auch nicht für die Spinner, die meinen, im Namen Gottes morden zu müsen. Ich rede auch nicht für die Vermessenen, die glauben, für ihre armseligen Ideen Welten in Brand setzen zu dürfen. Hier ließe sich alles vielleicht schon eher erklären.
Ich rede, mit Verlaub, von der Seite Gottes her. Die Sünde mag schlimm sein. Die Sünde der Welt hat aus der Erde einen Saustall gemacht. Aber was macht sie so schlimm, dass der erhabene Herr der Welten dafür ins Feuer ging?
Gott hat keine passive Potenz. Das heißt, er kann eigentlich gar nicht leiden und er hätte in seiner Allmacht den Planeten mit einem einzigen Gedanken reparieren können. Tatsache ist aber, dass er es tat. Unglaublich ist, dass die Güte des göttlichen Vaters von seinem Sohn einen Gehorsam verlangte, den kein Mensch der Welt hätte aufbringen können. Tatsache ist, dass der Sohn gehorsam war und dass er es gerne war, und dass er für uns in den Tod ging, aus Liebe, wie er sagte.
Es stimmt, nicht Worte beweisen die Liebe, sondern Taten. Ich wäre von meinem Gott allerdings nicht im geringsten enttäuscht gewesen, wenn er mir versichert hätte, für mich alles zu tun, und wenn er die Welt dann per Zaubertrick oder sonst durch ein Wunder erlöst hätte. Jesus ging aber in den Tod, und im Sprachgebrauch der Heiligen Schrift ging er, weil einer gehen musste.
Ich meine, vom Inneren der Welt her musste alles irgendwie so sein. Böse und gute Taten haben ihre Konsequenzen. Wenn man Vergewaltiger einfach laufen lässt, dann tut man den Opfern ein zweites Mal weh. Es hat schon seine Gründe mit dem Recht in den Staaten, und so ist es in der Welt. Aber zur Sühne für die Sünde und zum Absitzen der Strafen wäre das Fegefeuer schon noch der geeignete Ort, gegen den ich nichts habe.
Wir müssen über die Sünde sprechen, weil Christus sein Blut „zur Vergebung der Sünde“ vergossen hat, und weil wir es zu diesem Zweck in der Eucharistie gereicht bekommen. Was wir da machen können, das ist das beschreiben, was Thomas beschrieb, nämlich die Tatsachen des Glaubens und die Zusammenhänge, wie wir sie aus den Umständen der Welt erklären können. Nicht aber das Geheimnis, dem gemäß sich Gott selbst für uns ins Opfer begeben musste.

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