Gemeinsames Wissen, gemeinsamer Glaube

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Als ich das erste Mal eine koptische Gemeinde besuchte, hatte ich gleich ein wunderbares Erlebnis. Ich machte die Bekanntschaft mit einem Diakon ungefähr gleichen Alters. Wir waren uns sofort auf diese Weise sympathisch in der man Freundschaft schliessen möchte.
Weil ein Gottesdienst vorgesehen war, dauerte es jedoch keine zwei Minuten, bis er mir sagte, ich müsse Verständnis haben, wenn ich als Katholik nicht bei ihnen zur Kommunion gehen könnte. Da gebe es theologische Verschiedenheiten, die das nicht möglich machen würden.
Ich kannte die Unterschiede wohl, war aber einigermassen erstaunt über die schnelle und offene Art. Insgesamt fand ich das in keiner Weise rücksichtslos, gemein oder unbarmherzig. Eine solche Ansage, wie die meines neuen Freundes trifft bei uns wahrscheinlich nicht immer auf Verständnis. Die Kriterien haben sich geändert, und die Gewichte sind verschoben.
Wenn ich die Stimmung bei uns richtig deute, dann wird das mit der Messe insgesamt eher vom Aspekt des gemeinsamen Essens her gedeutet. Gemeinsam zur Kommunion gehen bedeutet erst einmal, gemeinsam bei Christus am Tisch geladen zu sein.
Ich will jetzt gar nicht grundsätzlich dagegen reden. Die Messe hat diesen Aspekt der Gemeinschaft und des gemeinsamen Genusses. Es ist nur eine Frage der Gewichte, die angesprochen gehört.
Jede Generation hat ihre eigenen Übertreibungen. Es gibt immer mal Zeiten, in denen beispielsweise die Göttlichkeit Christi derart betont wird, dass seine Menschlichkeit zu kurz kommt, bis man sie fast nicht mehr zur Kenntnis nimmt. Ein anderes Mal wird die Menschlichkeit übergewichtet, dass seine Majestät aus dem Blick gerät. Jede Generation hat es mit ihrer eigenen Versuchung zu tun, die Gewichte ungleichmäßig zu verteilen. Bei uns ist es das Gemeinsame und das Mahl mit Christus, was den Geschmack der Zeit am meisten trifft. In dieser Verteilung kommen andere Aspekte der Messe zu kurz. Das beste Heilmittel dagegen ist der Blick in alte Bücher, in Werke, bei denen nicht der momentane Zeitgeist die Feder führte. Das ist wohltuend, es nimmt einem die Betriebsblindheit und stellt die Gleichgewichte wieder her.
Um sich gegenseitig zum Essen einzuladen, braucht es nur ein wenig Sympathie für einander, und schon reichen die Gründe. In christlichem Slang gesprochen ist es lediglich eine Frage der gegenseitigen Nächstenliebe, und alle können an einen Tisch. Wenn nur das gesehen wird, dann werden die Leute, die einander nicht gleich einladen, mehr und mehr unverstanden.
Mein neuer koptischer Freund hat allerdings etwas angesprochen, was nicht fehlen sollte: Nämlich ein gemeinsamer Glaube. Das „Geheimnis des Glaubens“, das in jeder Messe laut gesprochen wird, hat mehrere Bedeutungen. Es sagt, dass man das Wesentliche der Messe ohne Glauben nicht verstehen kann. Es sagt auch, dass der Empfang denen vorbehalten ist, die in dieser Sache glauben, was die Kirche glaubt. Deshalb werden alle, die zum ersten Mal zur Kommunion möchten, zuvor gründlich eingewiesen. Die Unterweisung reicht allerdings auch nicht. Wer zur Kommunion möchte, der sollte nicht nur wissen, was die Kirche glaubt, er sollte ihm auch zustimmen.
Thomas stellt sich im Sentenzenkommentar einmal die Frage nach der Häufigkeit der Kommunion. Dort sagt er einen hübschen Satz: Für die Eucharistie brauche es auf Seiten des Empfängers eine Sehnsucht nach der Verbindung mit Christus, die aus der Liebe komme.
Eine solche Sehnsucht kann kaum zustande kommen, wenn man nicht unterrichtet ist, und die Kirche wünscht, wenn ich so sagen darf, dass dieses Sehnen nach der Christusverbundenheit aus dem gemeinsamen Glauben derer kommt, die zu Tisch geladen sind.

Quelle: Sent, lib 4,dist 12,qu 3, art 1, co 2. “ „…in hoc sacramento (…) requiruntur ex parte recipientis; scilicet desiderium conjunctionis ad Christum, quod facit amor…“

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