Das mit der Liebe zur Kirche gehört klargestellt

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Auch erwachsene Menschen sind Kinder ihrer Zeit, und jede Generation hat ihre eigenen Probleme. Jede Generation hat ihre liebe Mühe, die Übertreibungen der letzten zu überwinden.
Die Jugend meiner Kinderzeit fühlte sich gezwungen, die Lasten einer Vätergeneration zu überwinden, die im wohl zu blinden Gehorsam großes Elend zugelassen hatte.
Die jetzige Generation muss die Übertreibungen der emanzipatorischen Bewegungen überwinden. Die kommende Generation wird es mit den Folgen einer törichten Gleichmacherei zu tun haben, die uns gerade serviert wird.
Ich vermute, besonders schwierig bei all den Aufgaben ist es jeweils, erst einmal selbst zur Vernunft zu kommen. Man übertreibt gern nach links, wenn die Altvorderen es zu sehr mit rechts hatten und umgekehrt. Pendel schlagen nunmal nach beiden Seiten aus, wobei seit dem Philosophen Aristoteles doch jeder weiß, die größte Vernunft liegt in der Mitte, wo das Ding zur Ruhe kommt. Wie immer auch.
Wenn ich mich irgendwo als Thomasleser bekenne, stehe ich mit gewisser Regelmäßigkeit im gut gemeinten Verdacht, irgendwelche alte Zeiten herauf zu beschwören, wie Leute es tun, die mit „früher war alles besser“ im Munde alles wie früher haben wollen. Man steht ein bisschen im Verdacht, sich das Mittelalter herbei zu wünschen oder sich wenigstens in eine Zeit hinein zu träumen, wo Robin Hood noch auf richtige Leute schießen konnte, wo es den guten, alten Galgen noch gab und wo man noch richtige Gefängnisse hatte. Das ist aber gar nicht gemeint.
Wenn ich kritisch auf meine Wahl schaue, dann ist sie dem Versuch geschuldet, einen Ort zu finden, wo das Pendel gerade mal nicht nach links oder rechts ausschlägt, einen Ort der Vernunft sozusagen. Seit ich Thomas lese, meine ich, er kommt dem einigermaßen nahe. Natürlich wurden die Dinge in seiner Zeit auch nach hier und dort übertrieben, das werden sie in jeder Generation. Aber wenn man so möchte, war der heilige Thomas zu dick, um mit zu schwingen. Er war irgendwie zu schwer, um sich mitreißen zu lassen und zu intelligent, um die Dinge nicht zu durchschauen.
Es sind also nicht die Umstände und Gepflogenheiten seiner Zeit, die mich immer in Bann schlugen, sondern die Weise, wie er die Dinge anging und durchdachte. Es geht nicht darum, mittelalterliche Gewohnheiten zu beleben. Es geht darum, unter der Führung eines Meisters das Denken zu lernen und intelligenten Argumenten nachzugehen.
Aber wenn ich jetzt von einer Liebe zur Kirche und zum Papsttum schreibe, dann dürfte das hier und da doch nach einer Altezeitensehnsucht schmecken. Es ist aber Thomas selbst, der das ein wenig ins rechte Licht rücken kann.
Es gibt da eine hübsche Stelle im zweiten Teil des zweiten Buches seiner Summe, gleich im ersten Abschnitt. Dort steht zur Diskussion, ob es seine Richtigkeit hat, die Glaubenssätze in einem Glaubensbekenntnis zusammen zu fassen. Er bejaht das natürlich und mit einem kurzen Strich, zuvor führt er aber sechs Gegenargumente ins Feld. Im fünften sagt er, wir glauben, was Petrus und Paulus sagen, aber wir glauben nur an Gott.
Ähnlich verhielte es sich mit der Kirche. Wenn die Kirche etwas Geschaffenes ist, dann ist es nicht richtig zu sagen: Ich glaube an die Kirche, wie es das Credo tut. Wir haben gefälligst nur an Gott zu glauben.
Die Antwort stellt die Dinge ins rechte Licht. Wenn wir auch sagen, wir glauben an die Kirche, so muss damit gemeint sein, dass unser Glauben auf den heiligen Geist hin geführt wird, der die Kirche heiligt. Dem Sinn gemäß müsse es also heißen, ich glaube an den heiligen Geist, der die Kirche heilig macht. Daher sei seit Papst Leo dem Großen auch üblich und besser, anstelle des „an die Kirche“ nur „die Kirche“ zu sagen.
Wenn das jetzt etwas zu verschlungen klingt, dann hilft ein Blick auf das Lateinische und das, was wir schon gesehen haben. Im Lateinischen heißt es „in Deum“, auf Gott hin. Wir glauben wie Pilger auf dem Weg nach Hause. Der Glaube hat den Zug hin zu Gott, keineswegs hin zur Kirche. Niemand steuert ein Hinweisschild an und bleibt bei ihm stehen. Das Schild weist uns weiter auf das gewünschte Ziel, und deshalb sollte man auch nur das Ziel im Auge behalten.
Wenn ich also von einer Liebe zur Kirche und zum Papst schreibe, dann ist das eher, wie wenn man den Boten küssen möchte, der einem den Weg nach Hause zeigen kann. Das eigentlich Geliebte aber ist das Zuhause, nicht der Bote.

Quelle:
Sth II-II,1,9,ad5

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2 Kommentare zu “Das mit der Liebe zur Kirche gehört klargestellt

  1. „Im fünften sagt er, wir glauben, was Petrus und Paulus sagen, aber wir glauben nur an Gott.“

    Hat Gott nicht selber dieses „Gegenargument“ entkräftet als er seinen Jüngern versicherte: Wer euch hört der hört mich und den der mich gesandt hat!? Oder anders gefragt: Spricht Gott aus seinen Aposteln und können wir ihn über dieselben lieben?

  2. Finde auch. Es ist hier das Durchstoßen angedeutet, das in meinem folgenden Artikel versucht habe zu erläutern. Zudem ist klargestellt, dass Gott und keine Menschlichkeiten das Thema das Glaubens ist.

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