Ich glaub an dich, ich glaube dir und ich glaube auf dich zu

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Die Kirche war noch ganz jung, als es mit der Theologie losging. Kaum hatte sich die Botschaft über Palästina hinaus in die Welt herumgesprochen, kamen kritische Fragen von Philosophen und Denkern aller Sortierungen. Man wollte wissen, was denn was bedeutet und was wie eigentlich gemeint ist. Die Gelehrten und Denker unter den Gläubigen hatten viel zu tun, sich mit Anfragen, Zweiflern und Konkurrenten herumzuschlagen.
Thomas sagt ein Jahrtausend später, Eisen schleife sich am Eisen, und so war es von Anfang an gut, dass sich der Glaube am Zweifel, am Unglauben und an mancher Ketzerei reiben musste. Das ist die beste Weise, sich über sich selbst Gedanken zu machen: Der Glaube, alles was er meint und was er will, musste definiert und aufgeschrieben werden.
So kam auch das Thema „Glaube an sich“ zum Sezieren auf die Platte. Man wollte wissen, was Glauben ist, was man tut, wenn man glaubt und was geglaubt werden sollte. Ziemlich früh kam ein Klassiker zustande, den Thomas später dankbar übernommen hat. Christlich an Gott glauben bedeutet dreierlei. Der Gläubige glaubt erst einmal, dass Gott überhaupt Gott ist. Er glaubt, was Gott sagt und er bewegt sich sozusagen glaubend auf Gott zu.
Um das ein wenig zu erklären, kann man auch vom hohen Gottesberg hinabsteigen und ins allgemein menschliche Leben schauen. Da ist es nämlich ähnlich.
Wenn Eltern zu ihrem Kind vor einem sportlichen Wettkampf oder einer Prüfung „Wir glauben an dich“ sagen, dann meinen sie nicht, dass es das Kind überhaupt gibt. Sie glauben an dessen Fähigkeit, an seinen Mut und an seine Vorbereitung. Damit sprechen sie übrigens eine große Ehre aus. Ich würde meinen, es gibt kaum eine größere und wichtigere Freude für ein Kind, als von den Eltern zu hören, dass sie an es glauben. 
In ähnlicher Weise ist mit: „Ich glaube an Gott“ auch weniger gemeint, dass man nur glaubt, dass es ihn irgendwie gibt. Bei Thomas gehört das Glauben an die reine Anwesenheit Gottes zu den Themen, die sich vor dem eigentlichen Glauben längst erledigt haben. Dass es Gott gibt, ist für den Glauben so erledigt, wie die Tatsache, dass die Eltern wirklich den Sohn oder die Tochter haben. Keine Eltern meinen „ich glaube, dass es dich gibt“, wenn sie „ich glaube an dich“, sagen. Das ist vorausgesetzt. An Gott glauben heißt, ihm seine Größe, seine Gottheit und im christlichen Sinn, seine Liebe glauben. An Gott glauben heißt irgendwie schon ihn preisen und staunend betrachten.
Das zweite, das „ihm glauben“, haben wir schon angesprochen. Das ist auch bei uns Menschen untereinander lebensnotwendig, wollen wir nicht völlig einsam zugrunde gehen.
Wir müssen unseren Freunden schon glauben, dass sie es gut mit uns meinen, auch wenn es manchmal nicht so ausschaut. Auch da gehört es zur unbedingten Menschenwürde, die wir einander zusprechen: „Ich glaube dir!“, ist nicht nur ein wichtiger Satz. Er will auch durchgehalten werden, und da kommt ins Spiel, was man in unseren Zeiten nicht gerne hört: Das an jemanden glauben hat immer ein trübes Auge und einen Aspekt blinden Glaubens. Das „ich glaube dir“ wird erst richtig groß, wenn die ganze Welt zweifelt und alles dagegen spricht.
In diesem Sinn ist das „Gott glauben“ ein Annehmen von etwas, das man nicht beweisen kann, worin man denjenigen aber adelt, indem man ihm glaubt. „Ich glaube dir, weil du bist, wie du bist“.
Hier schließt sich die dritte Weise des Glaubens an. Wenn wir jemanden kennenlernen, dessen Freund wir sein wollen, dann müssen wir ihm zunächst glauben, was er sagt und tut. Wenn da ein Verhältnis wächst, dann nähern wir uns ihm mit unserem Vertrauen an. „Wir kommen einander näher“, sagen wir dazu. Zeigt sich dann, dass unser Freund so gut zu uns ist, wie wir gehofft haben und vielleicht noch viel besser, dann wächst sowohl das Vertrauen, wie die Liebe und auch die Bereitschaft, uns für ihn zu öffnen. Diesen Vorgang haben die Alten auch im Verhältnis mit Gott gedeutet, und auch Thomas spricht davon in all seinen bedeutenden Werken. In seinem Buch über die Wahrheit allerdings schließt er die Klammer, in dem er sagt, man könne das Glauben zwar in diesen drei Weisen betrachten und erwägen. Dennoch sei es nur ein einziges Glauben. Vom Himmel sagt er in seiner Summe auch, er mache uns auf alle möglichen Weisen glücklich, es sei aber ein einziger Zustand und ein einziger Ort sozusagen.

Quellen:
sup rom, 4,1
de verit, 14,7,ad7

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