Über das Ziel des Menschen, dreizehnter Teil

Heute setze ich meine kleine Reihe zum Ziel des Mensche fort und poste den dreizehnten Teil einer Arbeit, die ich mal zu schreiben hatte. Sie heißt „remenebit inane“, was das bedeutet, erschließt sich später, in der Arbeit selbst.
Sie hat im Original an die zweihundertfünfzig Fußnoten. Die lasse ich weg, weil sie zum großen Teil in Latein sind. Wer Fragen zu irgendwelchen Quellen hat, einfach melden.

Viel Freude beim Lesen!

Ob es ein letztes Ziel gibt
Ludger Oeing-Hanoff erklärt: „Wenn ferner etwa von einem Menschen gesagt wird, er sei ein unum, bezeichnet dieses Prädikat nicht eine von diesem realen Menschen verschiedene Natur. Das gleiche gilt aber auch, wenn man den Menschen ein ens nennt. Daraus ergibt sich nun, daß das Eine und das Seiende sachlich nicht verschieden sind, denn wenn sie, vom Menschen ausgesagt, dieselbe eine Sache bezeichnen, müssen sie auch untereinander sachlich identisch sein.“
Das letzte Ziel stillt in erster Linie und eigentlich die Sehnsucht nach der plenitudo essendi, nach der Fülle des eigenen und einen Seins. Ist das erreicht, bleibt nichts übrig, was weiter erstrebt werden könnte. Also muß das letzte Gut ein einziges sein.

Im weiteren Fortgang der Quaestion legt der Meister noch einmal dar, daß alles menschliche Handeln im Willen auf das letzte Ziel geschieht. Diese Problematik wurde oben bereits in Grundzügen dargelegt. Was im Folgenden zur Ausführung kommt, bereichert aber noch einmal die Skizze vom Bild des Menschen.
In der Antwort zum Artikel heißt es: Jede im Beginn stehende, noch unvollendete Vervollkommnung hat ihre Richtung auf den Genuß in ihrer vollkommenen Erfüllung.
Der erste Einwand und dessen Beantwortung profilieren diese Aussage. Es wird angeführt, daß der Scherz, das Heitere im Leben, im strikten Sinn nicht als brauchbar zweckhaft bezeichnet werden kann, sondern allenfalls in sich selbst einen Sinn hat. Was jedoch dem letzten Ziel dienen soll, muß, so der Einwand, eher von ernsthafter Natur sein. Offenbar handelt der Mensch, zumindest wenn er scherzt, nicht um seines letzten Zieles willen.
Der Meister antwortet: In der Tat ist das Spiel nicht auf ein ihm äußeres Ziel hingeordnet. Dennoch ist es gut für den, der spielt. Denn der Spielende hat Freude bei seiner Tätigkeit und kann die dem Spiel eigentümliche Ruhe genießen. Und das ist allemal als Gut zu bezeichnen. Das letzte Ziel des Menschen bedeutet ihm das höchste und vollkommene Gut. Somit liegt sogar im zweckfreien Spiel bereits ein Hinweis auf das letzte aller Ziele.
Dieser Gedanke wurde in ähnlicher Form schon im Zusammenhang mit der Betrachtung der Wahrheit angesprochen. Auch die contemplatio veritatis wurde ja verglichen  mit dem zweckfreien Tun des Spiels; auch sie bedarf keines Äußeren und ist bereits Angeld auf die Schau letzter Wahrheit. Thomas hat durchaus eine hohe Meinung vom zweckfreien Tun und vom Genuß angenehmer Tätigkeit. Die leichte Seite des Lebens kommt zu Ehren, wenn ihr Sinn und ihre fundamentale Wichtigkeit angesprochen wird.
Die Antwort des Artikels hat folgende Richtung: „Das zweitrangig Erstrebbare setzt das Strebevermögen nicht in Gang, es sei denn im Hinblick auf ein zuerst Gewolltes, welches das letzte Ziel ausmacht.“ Obwohl auch dieser Sachverhalt bereits zur Sprache kam, zeigt sich dem aufmerksamen Betrachter, daß hier die naheliegenden Ziele in positiver Wertung stehen.
In der folgenden Untersuchung wird ausführlich behandelt, worin denn das letzte Ziel des Menschen überhaupt bestehen kann. Die oben vierfach aufgegliederte Annahme letzter Ziele wird sich nochmal als nicht zureichend für das letzte Glück erweisen. Wenn diese Dinge dennoch ernsthaft erstrebt werden, hat das durchaus sein Recht, doch geschieht es im Hinblick auf etwas Hinausweisendes. Es ist also gar „nicht notwendig, immer an das letzte Ziel zu denken.“ Thomas ist der Auffassung, ein jedes Streben behalte in sich eine bleibende Zugkraft auf das letzte Ziel hin, mag man an dieses denken oder nicht.

Gleichheit aller Menschen im letzten Ziel
Der siebte und vorletzte Artikel enthält eine fundamentale Aussage: Alle Menschen haben dasselbe letzte Ziel, und das ist die Glückseligkeit. Es gibt also eine Gleichheit aller Menschen, was ihr letztes Wünschen angeht.
Um diese Aussage machen zu können, stößt der Meister wieder vor auf den Kern der Sache. Als Gegenargument muß gelten, daß die Menschen sich sehr wohl unterscheiden in ihren Vorstellungen vom letzten Ziel und ebenso in der Weise, wie sie es erreichen. Als Beispiel konstatiert Thomas, jedem Geschmackssinn sei das Süße liebenswert. Die einen nun mögen mehr süßen Wein, die anderen Honig oder sonstiges. Hier können die Vorstellungen und Ansichten sehr wohl differieren. Sollten jedoch wirklich alle das Süßschmeckende mögen, so wäre jene Süße einfachhin die liebenswerteste, an welcher sich derjenige am meisten erfreut, dem der feinste Geschmackssinn eignet. Als Maßstab für das letzte Ziel muß also jemand gelten dürfen, der den feinsten Sinn für das wirklich Gute hat.

Hier lang gehts zum ersten Teil,
hier lang zum zweiten,
hier zum dritten,
hier zum vierten,
hier zum fünften,
hier zum sechsten,
hier zum siebten,
hier zum achten,
hier zum neunten,
hier zum zehnten,
hier zum elften,
hier zum zwölften.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s