Über das Ziel des Menschen, zehnter Teil.

Heute setze ich meine kleine Reihe zum Ziel des Mensche fort und poste den zehnten Teil einer Arbeit, die mir mal aufgegeben worden ist. Sie heißt „remenebit inane“, was das bedeutet, erschließt sich später, in der Arbeit selbst.
Sie hat im Original an die zweihundertfünfzig Fußnoten. Die lasse ich weg, weil sie zum großen Teil in Latein sind. Wer Fragen zu irgendwelchen Quellen hat, einfach melden.

Viel Freude beim Lesen!

„Das Fliehen vor dem Schlechten und das Streben nach dem Guten sind im Grund dasselbe, so wie auch die Bewegung von unten und die Bewegung nach oben im Grund dasselbe sind. Es zeigt sich aber, daß alles vor dem Schlechten flieht. Das durch den Verstand Tätige flieht aus dem Grund vor etwas, weil es dieses als ein Schlechtes erkennt. Alles natürlich Tätige aber widersetzt sich der Zerstörung, die für jedes Ding ein Übel ist, in dem Maße, wie es Kraft hat. Also ist alles um eines Guten willen tätig.“

Nähere Bestimmung des Zieles
Es ist also gut für jedes Geschöpf, das ihm eigene Ziel zu erreichen. Dieses wurde bereits charakterisiert als die Erfüllung dessen, was in der je eigenen Natur potentiell angelegt ist. Jedoch tritt, will man dieses Ziel noch einmal näher bestimmen, ein weiteres hinzu, nämlich der Gedanke der Repräsentation Gottes durch die Schöpfung und der Blick auf das Ganze des Universums.
Wie gesagt nimmt jedes Geschöpf ein von Gott gegebenes, eigenes Sein an auf die Weise, die ihm zugedacht wird. Allein diese Tatsache behauptet bereits eine gewisse Ähnlichkeit mit Gott.
Genauer besehen, rückt hier die Schöpfung in die nächste Nähe Gottes.
Obwohl stets gesagt und aufrecht erhalten wird, alles Geschöpfliche stehe (aufgrund einer Nichtverhältnismäßigkeit geschöpflicher Seinsweise zum Wesen des Schöpfers) Gott gegenüber in unendlicher Distanz, so schlägt das oben gezeigte Verhältnis durch Seinsgabe und Repräsentation um in nächste Nähe. Trotz unüberwindlicher, ontologisch begründeter Ferne kann nicht gedacht werden, die Schöpfung stehe außerhalb Gottes, als habe dieser eine Grenze, außerhalb derer die Schöpfung existiere. Gott ist den Dingen auf intimste Weise nahe. Und die Schöpfung kann nur gedacht werden als auf irgendeine Weise in Gott.
Thomas weitet nun den Blick und sagt: Die Vollkommenheit des Universums besteht durchaus in ihrer Vielfalt und in ihrer Gesamtordnung. Als Ganzes erst drückt sie die Schönheit und Güte des allmächtigen Schöpfers aus.
Es begegnen sich also zwei Welten: Die Macht des Schöpfers wirkt im kleinsten ebenso wie im Ordnungsgefüge des ganzen Universums. Alles zusammen müßte in den Blick genommen werden, wollte man das Gut des Geschöpflichen fassen. Thomas ist durchaus kein Denker des Monumentalen, was die Größe Gottes erst in unendlicher Vielfalt und Mächtigkeit seiner Schöpfung zu sehen vermöge. Eher scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Er schreibt: „Die Ordnung der Teile des Universums und ihre Unterschiedenheit ist also das Ziel der Hervorbringung des Universums.“  Es ist ebenso die Architektur eines Blümchens Ausdruck der Güte und Vollkommenheit Gottes wie die Anordnung der Himmelskörper.

Über den Menschen
Im folgenden Kapitel soll vom Menschen die Rede sein. Thomas beginnt seine Lehre vom Menschen mit der Vorzüglichkeit intellektueller Begabung.
Diese wurde bestimmt als unmittelbare Berührung mit den Dingen, als geistiges Einswerden mit dem Erkannten. Dieses intellektuelle Vermögen unterscheidet sich logisch vom  diskursiven, vernünftigen und schließenden Vorgehen, welches rationell genannt wird. Rationelles Vorgehen ist zeitgebundenes, logisches Fortschreiten des Verstandes. Der Intellekt berührt direkt die Wahrheit der Dinge. Wenn Thomas die Vorzüglichkeit des Intellektes betont, so geschieht das durchaus im Hinblick auf diese Unterscheidung.
Er sagt, Ebenbild Gottes im eigentlichen Sinn kann gegenüber den nicht vernünftigen Geschöpfen lediglich der Mensch genannt werden, eben aufgrund dieser intellektuellen Begabung.

Hier lang gehts zum ersten Teil,
hier lang zum zweiten,
hier zum dritten,
hier zum vierten,
hier zum fünften,
hier zum sechsten,
hier zum siebten,
hier zum achten,
hier zum neunten.

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