Kann es zwei Götter geben?

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg I,42: “Gott ist einer.”

Wirklich reiche Leute haben in der Regel wenige Freunde, aber viele Interessenten. Freunde interessieren sich, und Interessenten tun das auch. Freunde allerdings interessieren sich für ihre Freunde und Interessenten für deren Geld. Ich halte die Haltung der Interessenten für einigermaßen bedenklich, ebenso wie die etwa, die eigene Macht nicht teilen zu wollen. Wenn es in irgendwelchen Abenteuerfilmen heißt, es kann nur einen geben, dann will jemand seinen Einfluss nicht zur Hälfte auf die Schultern eines anderen legen. Wenn es aber heißt, es könne nur einen geben, dann werden die Worte in diesem Fall missbräuchlich verwendet. Es kann nur einen geben meint, es sollte nur einen geben, wobei es zwei aber durchaus sein können.
In der Frage nach Gott spricht Thomas überhaupt nicht missverständlich. Vielmehr legt er mit guten Argumenten dar, dass es gar keine zwei Götter geben kann, wenn man mit Gott wirklich Gott meint. Das behaupten lange nicht alle. Die chinesischen Daoisten nehmen mit Ying und Yang zwei Mächte an, die sich in ihrer Gegensätzlichkeit anziehen und einander brauchen. Viele Leute greifen solche Gedanken auf und meinen, neben einem guten Prinzip müsse es auch ein böses geben, beide stünden im dauernden Kampf miteinander, aber beide müssten existent sein. Die Versuchung ist groß, neben dem Schwarzen gleich das Weiße anzunehmen, und außerdem hilft dieser Glaube, die Existenz des Bösen zu erklären.
Die Sekte der Manichäer, die häufig von Thomas als Gegner ins Visier genommen werden, nahmen auch zwei Grundprinzipien an. Der Meister bezeichnet sie deshalb als Gegner der Wahrheit. Auch die Arianer, schreibt er, würden „in ihren Irrtümern“ Vater und Sohn als zwei Götter annehmen. Im zweiundvierzigsten Kapitel nimmt Thomas sich viel zeit um zu zeigen, dass es nicht nur den einen Gott allein gibt, sondern auch, dass es sich gar nicht anders verhalten kann.
Er greift alle bedeutenden Kapitel auf, die er in seiner Summe bislang über Gott gehandelt haben und die in seiner Frage eine Aussage machen. Er nimmt zum Beispiel das Argument aus dem achtundzwanzigsten Kapitel, das zeigt, dass es zu Gott unbedingt gehört, dass er in jeder Hinsicht absolut vollkommen ist. Gebe es zwei Götter, sagt er, dann müssten sie beide in gleicher Weise vollkommen sein. Dann sei es aber nicht möglich, zwei Prinzipien zu denken, weil sich dann beide in gar nichts unterscheiden könnten. Wenn es zwei Grundprinzipien geben könnte, aus denen alles kommt, dann müsste das eine vollkommen gut, das andere vollkommen schlecht sein. Beiden würde etwas fehlen; dem einen die innere Gutheit, dem anderen die entsprechende Schlechtheit, wenn man so möchte. Beide wären dadurch, dass ihnen etwas fehlt, nicht mehr in jeder Hinsicht vollkommen. Also könnten beide die Kriterien nicht erfüllen, die zum wirklichen Gottsein gehören. Wenn aber beide alle Vollkommenheiten in sich schlössen, dann wären sie in jeder Hinsicht absolut gleich. Das ist in diesem Kapitel nun mein persönliches Lieblingsargument. Es ist leicht zu verstehen und leicht zu erklären. Alle anderen Argumente, die Thomas bringt, sind schwieriger und man muss sie zum Teil gleich öfter lesen, um die Tiefe und Vielfalt der Gedanken zu durchdringen.

Zum Kapitel 42 in Latein.

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22 Kommentare zu “Kann es zwei Götter geben?

  1. Ich habe eine Frage, die mich schon länger beschäftigt und die perfekt zu diesem Posting paßt: Wenn man das Schlechte als privatio boni versteht, kann dem vollkommen guten Grundprinzip dann überhaupt etwas fehlen, nur, weil es nichts Schlechtes in sich hat? Wäre das, was ihm fehlt nicht die „Abwesenheit der Abwesenheit des Guten“? Könnte man nicht auch argumentieren, daß das vollkommen schlechte Grundprinzip gar nicht existieren kann, da vollkommene Abwesenheit das Nichts ist?

  2. Yes, glaube auch. Für Thomas ist das Schlechte in der Tat immer die Abwesenheit des Guten. Von daher kann es seinem Entwurf gemäß ein schlechtes Prinzip gar nicht geben, denn dann hätte das Schlechte ja eine ontische Wirklichkeit in dem Sinn, dass es als solches etwas ist, dass es als solches existent wäre. So glaube ich auch, dass ein vollkommenes, schlechtes Grundprinzip nicht denkbar ist, weil es sofort Nichts wäre. Aber auch das kann man ja nicht denken. Beim heiligen Thomas hat ja bekanntermaßen sogar der Teufel noch seine gute Seite.
    Was Thomas hier in Nr. 42 mit der manichäischen Versuchung anspricht, halte ich für ein ziemlich aktuelles Problem: Nämlich, dass landauf landab das Schlechte, bzw. das Böse für etwas Wirkliches gehalten wird. Beträchtliche Teile der Leute kann man im thomanischen Sinn wohl als kleine Manichäer bezeichnen, und die Kirche spricht zu wenig darüber.
    Wenn Gott, wie Thomas sagt, das vollkommen gute Prinzip allen Seins ist, dann kann ihm nichts fehlen, weil er nichts Schlechtes an sich hat. Ganz im Gegenteil: Die Abwesenheit des Schlechten ist das Fehlen vom Fehlen sozusagen. Das nicht Vorhandensein jeglicher Privation.

  3. Das find ich jetzt aber auch interessant. Argumentiert Thomas irgendwo, wieso das Böse die Abwesenheit des Guten ist? Ich hab den Gedanken ja vor Jahren schonmal gehört, fand ihn auch ansprechend, fänd es aber wie gesagt interessant, ob man das irgendwo herleiten kann.

  4. Pingback: Netzfunde vom Samstag, den 2. März 2013 | Ein feste Burg ist unser Gott

  5. @bundesbedenkentraeger: Thomas sagt oft und immer wieder mal, dass das Schlechte, bzw das Böse eine Abwesenheit des Guten ist. Ich habe im Thomasindex gerade mal nachgeschlagen und auf den ersten Anhieb „privatio boni“ über vierzig mal im Werk gefunden. Er definiert allerdings auch die Strafe so. Ein paar müssen wir also abziehen.
    „Wieso“ das Schlechte die Abewesenheit des Guten ist, finde ich spontan eigentlich gar nicht. Schon im Sentenzenkommentar, der ja sozusagen eine Art Magisterarbeit ist, findet sich die Aussage so selbstverständlich, wie dass Bananen krummm sind. Dass das Schlechte mangelnde Gutheit ist, klingt so selbstverständlich, wie wenn es nach kürzestem Nachdenken einfach nicht anders gesehen werden kann. Man muss es eigentlich gar nicht begründen. (Thomas war ja auch beileibe nicht der erste, der das gesehen hat) Wenn man so möchte, gehört die Behauptung quasi zu den Selbstverständlichkeiten, die man nicht mehr begründen braucht. Dass alles, was wirkt, nur insofern wirkt, als es im Akt ist, wird zum Beispiel ähnlich behandelt: Ist eben so. Im besagten Sentenzenkommentar steht ausdrücklich: „So wie das Schlechte kein Sein besitzt, außer als die Abwesenheit des Guten, so flieht man es auch, insofern man das gute liebt.“ (Sent 2,42,2)
    Auch im ersten Buch unserer Summa contra steht die Behauptung zum ersten Mal bereits in Kapitel 71. Er folgt noch öfter, ebenso in der großen Summe und in den anderen Werken. Katholischerseits kann man vielleicht sagen, dass eine Begründung, wieso das so gesehen werden muss, lautet: Weil alle Meister unseres Denkens das immer so gesehen haben. Was soll das Schlechte anderes sein, wenn man kurz über es nachdenkt? Wenn viele Leute das ganz anders sehen, hätte der heilige Thomas nicht zurückgeschrekt, bei allem respekt zu sagen, dass auch viele Leute nicht wirklich drüber nachdenken.

  6. @biundesbedenkentraeger: Jetzt lese ich gerade auf Deinem Blog die Frage, warum es nicht auch einfach anders herum sein kann und vermute die Annahme, dass das schlechte Prinzip das Seiende und das Gute das nicht seiende wäre. Das ist eine Sache der Definition. Das Schlechte ist nunmal als ein Fehlen definiert. Ein Fehlen von etwas kann kein Prinzip dafür sein, dass aus ihm etwas entsteht. Aus der Saat einer Möhre können Möhren wachsen. Daraus, dass die Saat fehlt, können keine kommen.
    Unser Haken im Denken kommt allerdings daher, dass wir im Deutschen nicht nur das Übel, bzw. das Schlechte als Fehlen von Gutem kennen. Wir sprechen auch vom ausdrücklich Bösen, und da sehen die Dinge wieder etwas anders aus. Das Böse ist etwas Persönliches, das Übel ist sächlich. Übel, bzw. schlecht ist es, wenn unsere Gardine brennt. Das Feuer ist schlecht für unser Haus. Es ist aber nicht böse, weil Sachen nicht böse sein können. Keine Patrone ist böse. Böse ist nur der Kerl, der sie abfeuert, um uns umzubringen. Böse ist auch nicht die Flamme, sondern der Nachbar, der beschlossen hat unser Haus niederzufackeln.
    Nun ist es so, dass wir vom Bösen sehr wohl den Eindruck haben, dass es sich verströhmt und Kinder kriegt. Das Böse ist ja höchst wirksam. Das stimmt. Dahinter steckt aber ein Irrtum, nämlich der, dass die Bösen im Übel etwas Gutes sehen, was es in Wirklichkeit nicht hat. Wenn man so möchte, verbreiten die Bösen das Schlechte, weil sie gut finden, wenn es verbreitet wird und das Gute verschlingt.
    Jetzt gilt aber, dass trotz allem das Böse als solches kein wirkliches Prinzip sein kann. Es kommt nämlich aus dem Guten. Das Sein des Bösen ist nicht schlecht, sondern bleibt gut. Die Existenz auch der bösen Leute steht, solange sie sind, in der Zusage des guten Gottes, dass sie nicht vernichtet werden sollen. Wie gesagt, solange sie sind. Hier sind wir wieder beim sächlichen der Sache: Das Fehlen kann nichts hervorbringen und nichts erhalten.

  7. Danke für die beiden Erläuterungen. Da ich Protestant bin, mag der Hinweis auf die Meister für mich ein gutes und wichtiges Indiz sein, aber eben nicht zwingend (wobei ich auch nix Zwingendes brauch). Ne Bibelstelle wär da schon was anderes, aber die muß ja auch erst interpretiert werden… 😉
    Danek auch für die Unterscheidung von Bösem und Üblem. Ich hatte das bisher immer als Synonme verstanden, was vielleicht auch mit den verschiedenen Vater Unser Fassungen zu tun hat: Früher: Sondern erlöse uns von dem Übel, heute: Sondern erlöse uns von dem Bösen…
    Gegen Ende steig ich nicht mehr ganz durch, befürchte ich, das muß ich nochmal lesen, wenn ich wacher bin. Kleine Verständnisfrage: Wenn Du schreibst „Das Sein des Bösen“ meinst Du „Das Sein des bösen Menschen“, richtig? Weil das Sein des Bösen als abstraktem Begriff wär ja Quatsch, wenn das Böse kein Prinzip sein kann, also an sich gar kein Sein hat, oder? Mann, man bräuchte ne extra Sprache, um das zu diskutieren. Leider kann ich so gut kein Latein ( und fag mich nicht nach Griechisch) 😉

  8. @bundesbedenkenträger: Mit dem „Sein des Bösen“ meine ich die böse Person. Es muss eine Person sein, weil, wie gesagt, böse nur Personen sein können. (Sachen und Zusammenhänge dagegen können übel oder schlecht sein) Einzig Personen können böse sein und Böses tun. Die Tatsache ihres reinen Existierens kann für sich genommen aber nicht in sich schlecht sein. Diese Tatsache der reinen Existenz steht immer unter dem Spruch der Schöpfung, „er sah, dass es gut war (was er gemacht hatte)“. Nach unserer Schöpfungslehre steht alles, was ist und so lange es ist, unter diesem Spruch, weil Gott selbst allen Dingen ihr Sein verleiht, so lange sie da sind.
    Das „Sein des Bösen“ meint in diesem Fall also den Teil, den Gott zu ihrem Dasein dazu tut. Personen können sowohl Engel, als auch Menschen sein.

  9. Bei mir spielen sich grad wilde Assoziationsketten im Kopf ab, ich versuch das mal in Worte zu fassen: Die Schöpfung ist gut, also ist alles was ist, gut und weder böse noch übel. Trotzdem gibt es Übles, bzw böse Personen (die aber nicht wirklich böse sind, sondern sich vielleicht grad so verhalten). Das würde dann heißen, daß diese Übel und Bösartigkeiten Bereiche sind, die außerhalb der Schöpfung stehen…? Ich hab da so seit einiger Zeit nen Gedanken, daß Gott nicht aus dem Nichts schuf (steht jedenfalls so nicht in er Bibel) sondern dadurch, daß Er das Chaos, das schon da war, geordnet hat. Übel und Bösartigkeiten (also von Personen „geschaffenes“ Übel) könnte man dann als noch nicht geordnetes Chaos auffassen, bzw wieder in UNordnung gebrachte Ordnung. Und jetzt hab ich noch die Assoziation, daß der diabolos der Durcheinanderwerfer ist, also der, der Unordnung macht…

  10. Also, ich weiß nicht, dass hört sich alles sehr philosophisch an…..

    Außerdem, der Teufel steht ja nicht außerhalb der Schöpfung, soviel ich weiß, sondern wird sogar in der Bibel als „Fürst dieser Welt“ bezeichnet.

  11. @bundesbedenkenträger: Dass das Übel in eine vollkommene Welt kommen kann, lesen wir im Genesisbericht von der Erbsünde. Die Freiheit lässt es einfach zu, dass Übles in die komplett gut geschaffene Welt kommt. Daneben gibt es auch noch solche Sachen wie Zufälle, wo sich die Dinge einfach unvorteilhaft für etwas oder jemanden entwickeln.
    Deine Idee, dass Gott nichts aus dem Nichts schuf, ist interessant und seit je sehr bedenkenswert. Wie gesehen, hat der heilige Thomas und seine Kollegen schon sehr lange und intensiv darüber nachgedacht, zumal Aristoteles ja ein ähnliches Weltbild hat. Der christliche Katechismus spricht allerdings sehr eindeutig davon, dass die Welt aus Nichts durch Gottes Schöpferakt geschaffen wurde. Stimmt, die Bibel hat Momente, die eine ewige Welt und eine Schöpfung aus Vorhandenem denkbar machen.

    @Kleinkatholik: Ist aber doch nichts Schlimmes, wenn mal was philosophischer klingt? Oder höre ich da etwa eine alte protestantische Philosophiephobie? 😉

  12. @ Johannes:
    Ich weiß nicht, ob die Philosophie-Abneigung protestantisch ist, auf jeden Fall wohl aber biblisch und eine ernste Warnung des Apostel Paulus: „Seht zu, daß euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus. (Kolosser 2,8) 😉

  13. @Kleinkatholik: Luther hat den Aristoteles ranzig und den Thomas einen Quatschkopf genannt. Auf protestantischer Seite gibt es – natürlich – eine tiefsitzende Abneigung gegen die Philosophie. Sie steckt ja schon im „sola“ des sola scriptura-Prinzips und liegt mir sehr fern. Das ist auch eine Seite, die ich am Islam nicht mag. Auch dort wird eine ordentliche Theologie mit diesem „nur-Koran“ und „nur Hadithen“- Prinzip abgewürgt.

  14. @ Johannes: Es scheint dich anscheinend nicht im geringsten zu stören, dass du quer zur Bibel liegst. Ich frage mich immer mehr, worauf Katholiken ihren Glauben eigentlich gründen? Also, dass da Überlieferungen eine große Rolle spielen (mindestens eine ebenbürtige wie die Bibel), das wußte ich vorher schon und du hast es mir ja auch noch mal bestätigt, mit dem, was du hier im Blog so schreibst. Für mich ist es aber weiterhin ein großes Rätsel und wird es wohl auch bleiben, wie man die ganzen Widersprüche, die sich daraus ergeben (nämlich wenn Bibel und Überlieferungen was Gegensätzliches sagen) übereinkriegt?

    Und was verstehst du unter ordentlicher Theologie? Dass man die Bibel und ihre Aussagen ignoriert (an den Punkten, wo sie einem nicht passen) und sich nach eigenem Gutdünken seinen Gott und seinen Glauben zurechtbastelt? Jeder wie er es gerne hätte? Ein bißchen nehme ich mir von hier (Bibel) und ein bißchen von dort (Überlieferungen). Und vielleicht hat ja der Islam da diesbezüglich auch noch was zu bieten, was man gebrauchen könnte? Und wie sieht es denn mit dem Hinduismus aus? Kann man da nicht auch noch irgendetwas von einbauen? Ein sehr merkwürdiger Glauben ist das, finde ich. Auf welcher Grundlage soll denn solch ein Glauben stehen? Auf meinen eigenen trüben Gedanken diesbezüglich? Aber ich glaube, wir brauchen das nicht weiter zu vertiefen. Du bist ja auch der Ansicht, dass man OHNE Glauben in den Himmel kommt. Ich frage mich nur, warum Gott (Jesus Christus) uns das dann nicht mitgeteilt hat, sondern genau das Gegenteilige sagte? Aber anscheinend stellt das für dich kein Problem dar. Ich finde das, wie schon gesagt, sehr merkwürdig. Es ist für mich nicht nachvollziehbar. So ein selbst zurechtgebastelter Gott ist für mich ein „Götze“, einfach eine Phantasiegestalt, mehr nicht, der ich nicht mein Vertrauen schenken würde. Aber immerhin, ich habe etwas für mich bis dahin Neues über den Katholizismus dazugelernt.

  15. @Keinkatholik:
    Das geht jetzt aber m.E. an dem vorbei, was Johannes geschrieben hat. Beziehst du dich auf Philosophie oder auf Überlieferung?
    Paulus hat die Kategorienwelt der antiken Philosophie benutzt, um seine Botschaft deutlich zu machen, und auch bspw. im Prolog des Johannes-Evangeliums findet sich mit dem Logos ein Begriff aus der griechischen Geisteswelt.
    Die von dir eingebrachte Passage aus dem Kolosserbrief verstehe ich nun z.B. auch nicht als Absage an die Philosophie an sich, sondern an die Philosophie, die sich gründet auf menschlichem/weltlichem Gutdünken, i.e. die Absage an eine Philosophie, die nicht auf die Wahrheit gerichtet ist und folglich auch das Heil verfehlt.

  16. Auf protestantischer Seite gibt es – natürlich – eine tiefsitzende Abneigung gegen die Philosophie.

    So einfach kann ich das nicht stehen lassen. Ja Luther mochte Aristoteles nicht und fand recht krasse Worte (zu welchem Thema nicht?), aber Luther war auch nicht der einzige Reformator (ich hörte in den Niederlanden gilt er als Vorreformator). Wenn ich mich recht entsinne hatte etwa Melanchthon nen ganz anderen Bezug zur Philosophie. Wenn ich mich weiterhin recht entsinne hatte Luther vor allem etwas gegen en falschen Gebrauch der Philosophie, bzw wenn sie der Schrift ins Gehege kam. Es soll ja zu der Zeit vorgekommen sein, daß über Aristoteles statt über Jesus gepredigt wurde…

    Die Freiheit lässt es einfach zu, dass Übles in die komplett gut geschaffene Welt kommt.

    Ich vermute wenn wir das vertiefen würden käme heraus, daß ich diese Freiheit etwa für eine Illusion, jedenfalls aber für nicht echt halte. Als Protestant geh ich vom unfreien Willen aus 😉

    Der christliche Katechismus spricht allerdings sehr eindeutig davon, dass die Welt aus Nichts durch Gottes Schöpferakt geschaffen wurde.

    Wieder sowas. Für Dich als Katholik sind Eure Katechismen verbindlich, für mich als Protestant ist jeder Katechismus sicher interessant und meist vorteilhaft zu lesen, aber letztlich nicht bindend.

    Sie steckt ja schon im “sola” des sola scriptura-Prinzips und liegt mir sehr fern.

    Aus reinem Interesse würde mich interessieren, wie Du das meinst.

    • für mich als Protestant ist jeder Katechismus sicher interessant und meist vorteilhaft zu lesen, aber letztlich nicht bindend.

      Wobei der erste Katechismus allerdings von Luther kam 😉

      • Fast richtig 😉 Der erste kam nicht von Luther, sondern nach meinem Wissen das Gesprächsbüchlein von Johannes Bader von 1526, Luther war drei Jahre später. Ich hab Dir noch ne Mail geschrieben.

  17. @ Epigonias:

    „Beziehst du dich auf Philosophie oder auf Überlieferung?“

    Ich bezog mich auf Beides. Auf Überlieferung, weil Johannes das Sola-scriptura-Prinzip erwähnte und auf Philosophie, weil es darum ja ursprünglich ging.

    PS:
    Ist es nicht so, dass Philosophie grundsätzlich als „Weisheit der Welt“ zu bezeichnen ist, auch wenn sie in religiösem Gewand daher kommt? So habe ich das jedenfalls bisher immer verstanden. Und was sagt die Bibel über solcher Art Weisheit? Sie sagt z. B.:

    1.Kor 1:19-31 (Bru) So steht es geschrieben (Jes. 29, 14): Zunichte machen will ich die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen werde ich verwerfen. Wo ist ein Weiser, wo ein Schriftgelehrter unter euch? Wo sind die großen Forscher dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zuschanden werden lassen? Weil die Welt in all ihrer Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, hat es Gott gefallen, Menschen, die ihm glauben, durch eine Botschaft zu erretten, die für töricht gilt. Juden verlangen auffallende Wunder, Griechen fragen immer zuerst nach „Weisheit“; wir aber verkündigen den gekreuzigten Christus. Und wenn sich auch die Juden daran stoßen und die Heiden es lächerlich finden: …Ja, was an Gott töricht erscheint, enthält doch mehr Weisheit, als alle Menschen fassen können, …Was in den Augen der Welt als einfältig gilt, das hat Gott ausgesucht, um gerade die klugen Leute zu beschämen…Wirklich, vor Gott soll kein Sterblicher großtun. …So steht es geschrieben (Jer. 9, 23): Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!

    und:

    1. Kor 3,18-21 (GN) Niemand soll sich etwas vormachen! Wenn es welche unter euch gibt, die sich nach den Maßstäben dieser Welt für weise halten, müssen sie erst töricht werden nach diesen Maßstäben, um wirklich weise zu sein. Was die Menschen für Tiefsinn halten, ist in den Augen Gottes Unsinn. In den Heiligen Schriften heißt es:“ Gott fängt die Klugen im Netz ihrer eigenen Schlauheit.“ Und es heißt auch:“ Der Herr kennt die Gedanken der Weisen und weiß, wie sinnlos sie sind.“ Darum soll sich niemand etwas auf einen Menschen einbilden und mit dem von ihm bevorzugten Lehrer prahlen….

    sowie:

    Mt. 11:25 (Bru) Zu der Zeit antwortete Jesus [im Gebet seinem Vater]: „Ich preise dich, Vater, du Herr des Himmels und der Erde, daß du dies alles Weisen und Klugen verborgen hast, aber hast es Einfältigen offenbart.

    Und zum Schluß noch:

    Jak. 1,5 (Schl) Wenn aber jemanden unter euch Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.

  18. Philosophie ist Liebe zur Weisheit, nicht Weisheit der Welt. Sie ist nicht einmal Weisheit. Sie folgt aber auch nicht nur dem gesunden Menschenverstand, sondern versucht diesen auf logische Weise zu überflügeln. Dies erscheint vielen als töricht. Sie sucht die Wahrheit. Darin ist sie der Begeisterung und sogar dem Heiligen Geist verwandt. Jener aber steht in der Wahrheit. Vieles, was sich als Philosophie bezeichnet, ist es nicht. Manches, was als Gleichnis oder Theologie bezeichnet wird, ist nur Philosophie.

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