Ist Gott demütig?

Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
Scg IV,55: “Die Lösung der oben angeführten Argumente, die gegen die Angemssenheit der Menschwerdung sprechen.”

Ohne jeden Zweifel ist die Wissenschaft der Theologie aus dem Streit geboren. Dabei ist bezeichnend für die Kirche, dass das erste große Konzil von Kaiser Konstantin einberufen werden musste. Die damalige Weltkirche war gerade dabei, in zwei unversöhnliche Teile zu zerfallen. Und weil sich die Parteien von den hohen Herrschaften bis herunter zu den Marktweibern bis aufs Blut stritten, sah sich der weltliche Herrscher gezwungen, die Verantwortlichen an einen Tisch zu zitieren. Man traf sich im heute türkischen Nizäa und betrieb solange Theologie, bis man sich einigen konnte.

Es ging um die alte und ewig junge Frage, wer Jesus Christus ist und wie man den Glauben an ihn überhaupt verstehen kann. Nach einiger Zeit einigten sich die Väter auf eine für alle Zeiten gültige Formel: Jesus Christus war und ist sowohl ganz Gott als auch ganz Mensch, und er ist vor allem genau gleichen Wesens mit dem Göttlichen Vater. Nur über diesen Weg könne die Wahrheit, die Gott uns offenbart hat, angemessen beschrieben werden und wer das nicht glaube, der könne kein Christ sein. 
In der Zukunft sollte sich zeigen, dass sich wegen der Frage nach Christi Natur und Seinsart immer wieder ganze Gruppen von der Kirche abspalten würden.

Die Schwierigkeiten bleiben bis heute. Der Glaubenssatz, nach dem Christus sowohl wahrhaft Gott, als auch wahrhaft Mensch ist, der ist schon einigermaßen kompliziert. Nicht alle können oder möchten ihn akzeptieren und so weit denken, wie man ihn denken kann.
Wenn man so möchte, kann man den Islam zum Beispiel als eine große Häresie bezeichnen, die da was nicht wahr haben will. Die Muslime glauben wohl an Jesus, nicht aber an seine Göttlichkeit. Mohammed konnte oder wollte nicht verstehen, was das Christentum in seinem Kern eigentlich bedeutet. So kommt es, dass im Koran Stellen über den christlichen Glauben zu finden sind, die kein Christ in der Welt je glauben würde.

Auch innerchristlich hört die Frage nach Gott und Christus nicht auf, ein Felsen zu sein, an dem man sich wundreiben kann. Eine Streitfrage, in die ich mal hineingeraten bin, war die nach der Demut Jesu und der Demut Gottes. Der Theologe Guardini hatte ganze Kapitel geschrieben, in der er die Demut Gottes als typisch christliches Glaubensbekenntnis beschrieb. Andere Leute, deren Herz an der Erhabenheit Gottes hingen, neigten eher zur Empörung, wie alle Muslime der Welt es tun würden: Gott ist und bleibt der ewig Erhabene! Da kann man nicht behaupten, er sei demütig. Auch da sprach dann einiges für. 
Kardinal Meisner, ein Meister des geistigen Wortspiels, hatte einmal gepredigt, der Mensch sei ein kleiner Gernegroß und Gott ein großer Gerneklein. So ging es hin und her.

Der heilige Thomas braucht sich da nicht streiten. Er schreibt, Gott komme es natürlich nicht zu, demütig zu sein, insofern er Gott ist. Demut bedeute ja, dass sich jemand innerhalb seiner Grenzen aufhalte. Wenn man das so sieht, dann kann es im Grenzenlosen natürlich keine Demut geben. Insofern Christus aber Mensch sei, könne es ihm allerdings sehr wohl zukommen, demütig zu sein. Von seiner göttlichen Natur her gesehen würde diese seine Demut sogar noch viel lobenswerter erscheinen.

Wenn man Thomas liest, dann lässt sich also relativ schnell klären, in wie weit die Tugend der Demut dem Herrn Jesus zukommt. Etwas schwieriger und ein ewiger Gegenstand zum Staunen dürfte dagegen der eigentliche Glaubenssatz sein, die hinter dem Thema steht: Dass es der göttlichen Natur zukommt, die törichten Menschen derart lieb zu haben, dass sie selbst in Christus das Leid der großen Demütigung am Kreuz auf sich zu nehmen bereit war.

Zum Originalkapitel bei Thomas.

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9 Kommentare zu “Ist Gott demütig?

  1. Ich habe mich früher oft gefragt, ob Bigfoot eine außerirdische Lebensform ist, oder ob er auf dieselben Vorfahren zurückgeht wie das restliche Leben auf der Erde. Diese Frage ist für viele Xenobiologen ein problematischer Streitpunkt.
    Aus meiner Sicht muss sie das aber nicht sein. Denn ich denke, Bigfoot ist einerseits eine außerirdische Lebensform, aber ich glaube außerdem, dass alles Leben auf der Erde aus dem All kommt. In diesem Sinne ist Bigfoot also sowohl eine außerirdische, als auch eine irdische Lebensform.
    Die erste Frage ist damit schnell geklärt.
    Der Hintergrund, die multigalaktische Panspermie, dürfte aber weiterhin ein ewiger Gegenstand zum Staunen sein.

    • Hätten wir als Kinder von Bigfood gehört, wir hätten unseren Pfarrer sicher gefragt, ob Gott ihn als Außerirdischen auch mit erlöst hätte. Siehst Du: Als Kinder von aufgeklärten Christen wären wir damals schon einen wichtigen Schritt weiter gewesen.

      • Bigfood ess ich auch immer am liebsten. (Was hätte euer Pfarrer denn geantwortet? Ich könnte zwar einerseits vertreten, dass Außerirdische mangels Erbsünde gar keine Erlösung brauchen, aber erstens scheinst du da ja sowieso eine ganz andere Position zu vertreten, und zweitens leuchtet mir eh nicht ein, was biologische Verwandtschaft mit der Übertragung von Sünden zu tun haben soll.)

      • Was hätte euer Pfarrer denn geantwortet?

        Na ja, er hätte nicht präzise antworten können, weil er nicht hätte wissen können, ob die Fremden von der Erbsünde irgendwie mitbetroffen gewesen wären. Die Erbsünde war zwar erst einmal eine Sache der Menschen, sie hat die Natur aber natürlich auch erwischt und schwer in Mitleidenschaft gezogen. Unser Pfarrer hätte uns wahrscheinlich aber die einzig wahre Antwort für Kinder gegeben: Gott hat fremde Wesen genau so lieb wie uns. Also würde er auch für sie zu sorgen wissen, wie für die Adamssöhne und Evastöchter.

        aber erstens scheinst du da ja sowieso eine ganz andere Position zu vertreten

        Vermutlich.

        und zweitens leuchtet mir eh nicht ein, was biologische Verwandtschaft mit der Übertragung von Sünden zu tun haben soll.

        Darüber wird zu sprechen sein. Offenbar sorgt der Liebe Gott gerade für Gedankenübertragung. Jedenfalls bin ich seit ein paar Tagen schon mal dabei, mich in Sachen Erbsünde einzulesen.

  2. @eumloquatur
    Zum Thema Erbsünde und Vereblichkeit würde ich Dir gern etwas mailen – was muss ich vor @web.de einsetzen?

  3. Dann ist ja alles ok, mach Dir keinen Stress. Ich habe nur bei der Adresse „meineblogmail“ bis zuletzt befürchtet, irgendetwas missverstanden und die Mail am Ende doch ins Nirwana geschickt zu haben 😉

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