Die Vierziger

Alipius und Elsa treibens schon sehr lange, das hübsche PingPongSpiel der Blogozese, und zwar mit Musik aus den Achtzigern. Ich kann da leider nicht mit. In den Achtzigern habe ich leider Musik gehört und gemacht, die nicht aus den Achtzigern war und so ist mir die gesamte Palette an mir vorüber gegangen.
Auch mit meiner derzeitigen großen Vorliebe, den Vierzigern und Fünfzigern fürchte ich, mir eher wieder selbst die Bälle zuspielen zu müssen. Das macht mir aber gannix, wie man bei uns in Bochum seinerzeit zu sagen pflegte.

Hier ein Hit, bei dem ich schier dahinschmilze: Out Of Nowhere, interpretiert von Charlie Parker und Miles Davis in den frühen Zeiten des Bebop. Der Bob enstand, weil die jungen Freaks den zum Teil von weißen Musikern dominierten Swing der großen Bigbands leid waren. Sie trafen sich in kleinen Clubs in New York und experimentierten. Sie nahmen die großen Jazzmelodien der Bigbands auseinander und improvisierten, superschnell, superschwer und superanspruchsvoll. Der neue Stil wurde von etwas konservativeren Musikern zwar nicht kritiklos hingenommen. Er stellte aber sehr bald die ganze Jazzwelt auf den Kopf und machte Epoche.
Out of Nowhere ist ein sehr langsam eingespieltes Stück. Es besticht durch sein gefühlvolles Solospiel von Parker, der auf dem Saxophon gefühlvoll wie keiner und sentimental wie ein Vögelchen zwitschern konnte. Duke Jordan übernimmt die Harmonie am Klavier und ist eine Art Übergang zum Solo des jungen Miles Davis, der damals schon seine ganze Klasse hatte. Das Stück endet in einem leider sehr kurzen, harmonischen Zusammenspiel von Trompete und Sax. Hört selbst, wenn Ihr Lust habt.

2 Kommentare zu “Die Vierziger

  1. Ich habe keine Ahnung von Jazz und war bisher immer der Meinung, (weil ich ja keine Ahnung habe), dass diese Musik unhörbar ist bzw. war. Ich liebe Bach und seine Art der Stimmtrenng weil ich da mehr Klarheit vermute. Nun hab ich mir, (weil ich Lust hatte) dieses Stück von Anfang bis Ende angehört. Mein Eindruck: Ein ruhig dahin fliessender Bach (!!) auf dem sich Wasserläufer und Stechmmücken tummeln und die Sonne auf grüne Zweige scheint die ins Wasser ragen. Dazwischen eine Ente, die gemütlich quakend im Schlamm nach Würmern sucht und ein leiser Wind, der die Oberfläche des Wassers kräuselt, die an den Uferrändern sich dem Strom entzogen haben. Fazit: Ich werde mir keine Jazzplatte zulegen, aber ganz sicher immer wieder in deine Auswahl reinklicken. Und: Bach nimmt mir das ganz sicher nicht übel!

  2. Wenn Bach einem von uns überhaupt was übel nimmt, dann wohl eher mir, dass ich mich mit meinem Lehrer immer um die Komponisten gestritten habe. Ich fand Bach immer etwas zu berechen- und abzählbar. Mir war (und ist) das alles irgendwie zu klar und symetrisch. Mozart war mir da immer der liebere und freakigere, und so waren wir uns in der Musik immer genau so zerstritten wie einig in der Philosophie.
    Am Ende wird es wohl Geschmacksache oder Veranlagung sein, wo man landet und was einen berührt. An den Jazz bin ich wahrscheinlich aber ebenso über die Klassik wie über den Rock gekommen. Auf der letzten Seite waren es sicher Leute wie Zappa, der die Brücken schlug. Auf der anderen Seite war es eigentlich die Vocalise von Rachmaninov, die mich erstmals für die besinnlicheren Seiten der Musik öffnete. Da erinnere ich mich an eine alte Aufhahme, die mir in die Hände kam und die mich geradezu vom Hocker riss und aus sämtlichen Gewohnheiten holte. Später war ich von den Brahmsschen Symphonien so begeistert, dass ich vor Entzücken meine Autofahrten unterbrechen musste. Die Bläsersätze begeisterten mich und mit ihnen die Bläser überhaupt. So irgendwie fügten sich die Dinge zusammen.
    Speziell beim Jazz waren es allerdings, wie beim Rock auch, auch die persönlichen Geschichten der Musiker, die mich immer berührten. Aber warte mal: Vielleicht hat mein Daddy mir die Liebe zum Jazz eingepflanzt, in dem er mir mit Glenn Miller meine allererste Schallplatte schenkte? Ich weiß es nicht…
    Aber schön, wenn Du reinhörst. Vielleicht finde ich zukünftig das eine oder andere, was diese oder jenes ein bisschen erklärt?!

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