Die Piusbrüder, der heilige Thomas und die Ketzer

Wenn ich recht verstanden habe, wünscht sich die Piusbruderschaft eine Art Staatskirche. Darunter verstehe ich eine Regierung, die dem Katholizismus vor allen anderen Religionen den Vorrang gibt. Auf jeden Fall eine Regierung, die sich ausdrücklich für den Katholizismus entscheidet.
Es weiß jetzt natürlich jeder, dass das in keiner Weise in Aussicht steht. Die Piusbrüder wollen aber, dass sich die Kirche diese Tür wenigstens einen Spalt weit offen hält. Sie wollen weiterhin grundsätzlich erklärt wissen, dass der Katholizismus sich das wünscht, wie er es immer gewünscht hat.
Diesen Gefallen hat die letzte große Kirchenversammlung den Brüdern offenbar nicht getan. Das Konzil hat dagegen erklärt, jeder Mensch habe von Natur aus ein Recht darauf, seine Religion frei zu wählen. Eine Regierung, die sich nach diesem Satz ausrichtet, zieht den Katholizismus anderen gegenüber nicht vor. Wenn ich richtig sehe, ist das einer der Hauptpunkte im Streit zwischen Katholisch und noch katholischer.

Ich persönlich bin eigentlich ganz froh, dass wir keine Staatskirche haben, denn dann brauchen wir die Ketzer nicht umbringen (oder sonst irgendwie entfernen). Ich fürchte nämlich, in einer Staatskirche müssten wir das, zumindest, wenn wir dem heiligen Thomas folgen.

Thomas schreibt in seiner Summe über die Ketzerei. Dort stellt er sich die Frage, ob die Leute zu tolerieren seien, die hartnäckig falsche, religiöse Lehren verbreiten. Er kommt zu einer überraschenden Antwort: Wenn man Münzfälscher aufknüpft, die mit ihrem Betrug dem leiblichen Wohl der Bürger schaden, dann sei nicht einzusehen, dass die Ketzer, die viel schlimmeren, seelischen Schaden anrichten, nicht genau so an den Galgen müssen.

Man kann dem Heiligen hier nicht böse sein, denn er denkt ganz anders als wir. Für den Heutigen ist die religiöse Frage gleichgültig. Es ist egal, welche Religion jemand wählt, solange er nicht raucht.
Die nordrheinwestfälische Gesundheitsministerin sperrt den Kindern ihres Volkes die elektrischen Zigaretten weg, weil sie sich damit weh tun könnten. Zugleich wird mit der Gleichgültigkeit eines Pförtners zugesehen, dass in Deutschland jährlich so viele gesunde Babys im Mutterleib getötet werden, wie Würzburg Einwohner hat.
Eine Gesellschaft, in der die Priester an den Pranger müssen, weil sie ein Prozent der Vergewaltiger ausmachen, und in der zugleich niemand über Prostitution und Pornographie traurig ist, benimmt sich wie Kaiser Nero, der Lieder gegeigt hat, während Rom brannte.
Der heilige Thomas ist von der Sorte Menschen, die andere Gewichte auf ihre Wage legen. Ihm ist vor allem nicht egal, wenn seine Nachbarn in die Hölle fahren. Uns ist das völlig gleichgültig, seit wir die Hölle entweder gar nicht für existent oder für einen milden Kurort halten.
Bei Thomas ist es etwas ganz Schlimmes, wenn jemand in Verdammnis gerät. Deshalb hält er diejenigen auch für ganz schlimm, die ihre Nachbarn hinein befördern.
Wie gesagt, spricht Thomas hier als einer, der davon ausgeht, dass Staat und Kirche in Sachen Allgemeinwohl zusammen arbeiten. Der Staat hielt sich nicht heraus, wenn es um das seelische Wohl und Wehe seiner Bürger ging. Die Kirche hatte das Recht und die Aufgabe, die Unbelehrbaren unter den Irrenden, die den Menschen geistliche Fallen stellten, dem staatlichen Arm zu übergeben. Der sollte dann mit ihnen verfahren wie mit Münzfälschern und Hühnerdieben.

Bei Reden wie dieser werden für gewöhnlich mit dem entsetzten Ausruf die Hände über den Köpfen zusammengeschlagen: Heute dürfe man doch keine Ketzer und Hexen mehr töten! Ich will deutlich sagen, dass ich zustimme, möchte aber etwas zu bedenken geben. Natürlich töten wir keine Hexen. Wir lassen es aber nicht sein, weil wir nicht töten wollen, sondern, weil wir nicht mehr glauben, das Hexen uns schaden.
Wo gerade die Meinung hoffähig wird, dass Babys und demente Leute Schaden bringen, diskutieren und praktizieren wir das Töten mit immer größerer Offenherzigkeit und in Zahlen, die die der Hexen um ein Vielfaches überschreitet.
Wir fahren nur deshalb nicht mehr auf Kreuzzüge, weil wir nicht mehr an das Kreuz glauben. Fahren tun wir in gleicher Weise und mit der gleichen Absicht, die Welt mit Gewalt zu reinigen, wie eh und je.
Wir brüsten uns, keine Jagd mehr auf Irrlehrer zu machen und lassen zugleich im Fernsehen verlauten, dass wir schon imstande sind, fünfundneunzig Prozent der mongoloiden Kinder im Mutterleib zu erwischen und umzubringen.
Wir sind stolz, die Sklaverei abgeschafft zu haben. Niemand wird mehr mit Gewalt zu einer Arbeit gezwungen, die ihn ausnutzt und von der er so gut wie nichts hat. Mit Blick auf die Tatsache, wie viele Leute wie lange und für was zu arbeiten haben, drängt sich mir der Eindruck auf, dass eigentlich nur die Peitsche fehlt.

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7 Kommentare zu “Die Piusbrüder, der heilige Thomas und die Ketzer

  1. Totale Zustimmung.

    Was bei solchen Argumenten, die gerne in Richtung „Du kannst doch nicht wieder Scheiterhaufen wollen!“ gehen, gerne vergessen wird, ist, daß das Recht generell sich geändert hat.

    Münzfälscher werden nicht mehr aufgeknüpft. Verräter nicht mehr hingerichtet. Generell ist Todesstrafe bei uns gottlob kein Thema.

    Jedoch können Menschen wie bspw Münzfälscher ins Gefängnis kommen, analoges gilt für Verräter und Mörder.

    Und ja, ich alter Modernist (na ja…) stimme in diesem Punkt dem Zweiten Vatikanum nicht zu. Wenn der Glaube an Gott die Wahrheit ist, wenn er dermaßen wahr ist wie es wahr ist, daß eine Hand auf einer Herdplatte (sofern sie eingeschaltet ist) keine gute Idee ist, dann sind streng genommen Leute die das bewußt lügen, jawoll, schlimmer als Münzfälscher. Ich bin dermaßen radikal, daß ich nichts dagegen hätte, einen Küng im Knast zu sehen.

    Etwas anderes ist es mit Leuten anderer Religionen (wozu ich die atheistischen Strömungen zähle). Die haben eben oft die Wahrheit noch nicht entdeckt.

    Ist das zu radikal?

  2. Vielleicht morden wir ja heute unsere Kinder, weil wir die (feministischen) Hexen nicht verbrannt haben? Vielleicht werden Priester heute so diskreditiert, weil wir die Schweinepriester nicht eingekerkert haben und vielleicht gibt es auch die Lohnsklaverei nur, weil wir die Sklaventreiber noch nicht festgesetzt haben?

    Passend in diesem Zusammenhang scheint mir jedoch eine sehr wichtige Feststellung:
    „Die christliche Kirche kann man am besten definieren als einen enormen Privatdetektiv, der den offiziellen Detektiv, den Staat, korrigiert. Dies ist tatsächlich eine der Ungerechtigkeiten, die dem historischen Christentum angetan wurden; Ungerechtigkeiten, die daraus entstehen, daß man komplexe Ausnahmen betrachtet und nicht die großen und einfachen Tatsachen. Unablässig erzählt man uns, daß Theologen Folterbänke und Daumenschrauben benutzten, und das taten sie auch. Theologen benutzten Folterbänke und Daumenschrauben ebenso wie sie Fingerhüte und dreibeinige Hocker benutzten, denn jeder andere benutzte sie auch. Das Christentum schuf die mittelalterliche Folter genausowenig wie die chinesische Folter. Sie erbte sie von jedwedem Imperium, das so heidnisch war wie das chinesische.
    Die Kirche stimmte in einer dunklen Stunde zu, das Commenwealth nachzuahmen und Grausamkeit walten zu lassen. Doch wenn wir unsere Augen aufmachen und das gesamte Bild wahrnehmen, wenn wir die allgemeine Form und Farbe der Sache betrachten, dann ist der wahre Unterschied zwischen Kirche und Staat riesig und offensichtlich. Der Staat hat in allen Ländern und zu allen Zeiten eine Maschinerie der Bestrafung geschaffen, in manchen blutiger und brutaler als in anderen, aber überall blutig und brutal. Die Kirche ist die einzige Institution, die jemals versuchte, eine Maschinerie der Vergebung zu schaffen.
    Die Kirche ist die einzige Einrichtung, die jemals systematisch versucht hat, Verbrechen zu verfolgen und aufzudecken, nicht um sie zu rächen, sondern um sie zu vergeben.
    Scheiterhaufen und Folterbank waren die Schwächen der Religion: ihr Snobismus und ihr Kapitulieren vor der Welt. Ihre Spezialität, oder wenn Sie meinen ihre Widersprüchlichkeit, war dieses gnadenlose Erbarmen; der unnachgiebige Spürhund, der nicht zu reißen, sondern zu retten trachtet.“ -und? wer hats geschrieben? 😀

  3. @Phil: Zum Thema Todesstrafe habe ich eine Meinung, die vielleicht vom politisch Korrekten abweicht. Das heißt, ich bin gegen die Todesstrafe, aber aus Gründen, die nicht mit dem übereinstimmt, was das allgemeine Gutmenschentum derzeit fordert. Zum einen glaube ich nicht, dass der Tod eine Strafe sein kann, zum anderen müsste man den Henker zum Beruf machen. Letzteres glaube ich, ist nicht möglich, ohne gegen ein fundamentales Menschenrecht zu verstoßen.
    Ich glaube, man muss sich irgendwann irgendwie entscheiden, ob man ein Demokrat oder ein Monarchist ist. Hier spaltet sich mein Herz. Religiös gesehen kann es meiner Ansicht nach keine Demokratie geben, weil die absolute Wahrheit nicht verhandelbar ist. Weltlich gesehen schlägt meine Seele eher demokratisch, und eine Demokratie kann sich nicht dauerhaft auf eine Religion festlegen, nur ein König könnte das, weil demokratische Verfassungen generell nicht festlegbar sind.
    Weil das alles so ist, müsste Küng kirchlich gesehen natürlich der exkommunikative Brief zugestellt werden. Weltlich sollte er in Ruhe gelassen werden, weil wir keinen christlichen König haben 🙂

    @e3: «Die Kirche ist die einzige Einrichtung, die jemals systematisch versucht hat, Verbrechen zu verfolgen und aufzudecken, nicht um sie zu rächen, sondern um sie zu vergeben.» Das ist natürlich vom großen und einzigartigen Pater Brown!!!

  4. ed,
    dann wäre also die mittelalterliche Folterung das Resultat einer verweltlichten Kirche, genau wie die Abirrungen, die heute so gängig geworden sind. Torquemada und WirrSindKnilche also mal wieder auf einer Linie…;)

    Johannes,
    ich stimme Dir zu, dass in einer liberalen Demokratie eine Bevorzugung der wahren Religion nicht möglich ist. Für mich spricht das allerdings eher gegen die liberale Demokratie, nicht gegen die Bevorzugung der wahren Religion. Natürlich ist (a) ein christlicher König nicht in Sicht und (b) in einer gemischt-religiösen Gesellschaft wie der unsrigen eine ausgeprägte religiöse Toleranz und ein (menschliches) Recht der Ausübung nichtkatholischer Religionen so selbstverständlich wie notwendig. Und auch ein König kann nicht dauerhaft gegen das Volk regieren – sonst wird er zum Tyrannen. Doch, nachdem ich das alles zugestanden habe, kann ich doch nicht umhin, als Ideal- und Zielvorstellung eine christliche Gesellschaft mit einem aufrechten christlichen König zu sehen, in dem die wahre Religion auch als solche anerkannt ist, und der König seine Krone aus den Händen des Heiligen Vaters empfängt – eine Vorstellung, die doch jedem Papisten warm ums Herz werden lässt, oder?
    Kann diese Gesellschaftsform missbraucht werden? Ja, aber nicht mehr und nicht weniger als jede andere.
    Können auch Demokratien legitime Staaten sein? Ja, solange sie sich an das allgemeine Naturrecht halten, das für alle Menschen gilt, und kein spezifisches religiöses Bekenntnis voraussetzt.
    Müssen in einem christlichen Staat mit christlichem König Ketzer verfolgt und bestraft werden? Nicht unbedingt. Ich halte die Grenzziehungen zwischen einem christlichen Staat und der Kirche bis zu einem gewissen Grad für kontingent und situationsabhängig, solange sie zwei Maximen beherzigen: (1) Der Staat fördert nichts, was der christlichen Religion widerspricht oder schadet und (2) der Staat bekämpft nichts, was nach der christlichen Religion zulässig ist. Vereinfacht könnte man sagen, er steht der christlichen Religion freundlich gegenüber, fördert sie, wo er es im Rahmen der ihm zustehenden Kompetenzen kann und es ihm angemessen erscheint, und unterlässt die Förderung anderer Religionen auf dieselbe Weise (aber er müsste sie nicht aktiv bekämpfen, also auch keine Ketzer verfolgen usw). Er könnte natürlich, aber er müsste nicht.
    Was aber weder die Piusbruderschaft, noch die vorkonziliaren Päpste, noch der Autor dieses Kommentars fordern oder je gefordert haben, ist eine „Staatskirche“. Ich weiß, dass Du das auch gar nicht hast sagen wollen, aber der von Dir verwendete Begriff ist nun einmal leider schon mit einem spezifischen Sinn belegt. Diese Idee stammt im christlichen Kontext eher von „Reformatoren“ wie Calvin. Ich schreibe dazu noch etwas mehr auf meinem Blog, sonst wird der Kommentar zu lang.

    P.S. Deinen Link in meiner Blogroll habe ich inzwischen aktualisiert – obwohl ich das alte Format visuell ansprechender fand, bleiben die Inhalte das Wichtigste, und die sind gewohnt gut und hilfreich!

  5. @catocon: Zunächst erst mal vielen lieben Dank für die guten Worte zu meinem neuen Blog! Mit dem Design ringe ich auch immer noch. Aber Du hast Recht, die Inhalte machen’s.

    Deine Anmerkung trifft mein eigenes Bedenken wieder mal auf den Nerv. Ich vermute, wir nähern uns von zwei Seiten einem ziemlich ähnlichen Ideal. Ob von eher demokratischer Seite oder von monarchistischer Meinung her kommend steht jedesmal der paulinische Wunsch, eine Regierung möge uns Christen in Ruhe christlich sein lassen, als kleinster gemeinsamer Nenner da.
    Es ist wahrscheinlich meine eher demokratische Grundgenetik, die mich schon immer am ehesten von den Piusbrüdern trennt.
    Die Vorstellung, oder besser gesagt, der Traum von einem klar katholischen Königshaus steht mir wie ein Süßigkeitenglas in der Fastenzeit vor Augen. Es hätte unsagbare Vorteile. Allerdings meine ich da immer die eine oder andere Gefahr wittern zu können, die in der Konsequenz ins Haus der Kirche winken würden. Es würde, um es einmal so zu sagen, meinen Vorstellungen von einer Entweltlichung der Kirche viel mehr entgegen stehen, als in einer Kirche innerhalb einer demokratischen Gesellschaft möglich ist. Ich bin da vielleicht etwas empfindlich, aber schon in manchen orthodoxen Kirchen weht mir hier und da zu viel Nähe zwischen Staat und Kirche.
    Auch in der Piusbruderschaft war mir schon immer eine, vielleicht ein bisschen von der Natur ihrer Sache her vorgegebene, politische Einseitigkeit schmeckbar.
    Auch als ich noch eher für sie in Frage kam als heute, war ich den Brüdern immer schon zu links (und den Linken Brüdern übrigens immer schon viiiiiiiiel zu rechts!), und das von der politischen Grunddenke her.
    Ich weiß wohl, die Demokratie hat wegen ihrer inneren, relativistischen Bauform immer den Hang zum Diktatorischen. Dennoch scheint es eine Art persönliche Prägung zu geben, die mich da wählen lässt. Aber eher vielleicht, wie man immer schon zwischen Hund oder Katze, Thomas oder Augustinus, italienisch oder Spanisch vorentschieden ist.

    Die Piusbrüder sollten sich nichts vormachen: Das Konzil hat hier in der Tat einen paradigmatischen Wechsel eingeleitet, den man eigentlich nicht wegtheologisieren kann, und den man entweder mitmacht oder nicht. Mir als voreingestellten Demokraten liegt das eher. Umso mehr muss es alle Brüder schmerzen, die eher von der monarchischen Richtung her angesegelt kommen. Wir sollten uns aber alle an Deck des einen Schiffes Petri versammeln, würde ich sagen – als Papist 😉

    Das mit der Staatskirche habe ich wohl gewusst. Deshalb habe ich das thomanische aliquid hinzugeschrieben. Eine „gewisse“ Form der Staatskirche wäre eine katholische Monarchie vielleicht doch, wenn ich mir mal erlaube, die protestantische Engführung unberücksichtigt zu lassen. Aber das ist Wortgefecht.

  6. Johannes,
    danke für die differenzierte und klärende Antwort! Ich bin auch nicht der Ansicht, dass jemand, der die Auffassung des Konzils in dieser Frage teilt, irgendwelche Häresien begangen hätte – weit gefehlt! Ich kann nur persönlich mit dieser Lehre nicht viel anfangen, und halte mich daher, bis die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinsichtlich der Interpretation und der „Hermeneutiken“ ausgestanden sind, an das, was die Kirche immer gesagt hat, auch vor den 1960ern. Es kann ja nicht plötzlich falsch sein.
    Wenn ich mir persönlich ein politisch-gesellschaftliches System „malen“ könnte, dann hielte ich es, wie Chesterton, mit einem ganz dezentralen Struktur, in der kleine Gemeinden starker christlicher Familien zusammenleben, die meisten Familien ein Stück Land besitzen, oder ein kleines eigenes Unternehmen, falls es sich nicht um Bauern handelt, und sich um die Kirche als Zentrum ihres Lebens scharen. Sie würden fast alles selbst entscheiden (durchaus demokratisch, „unter der Dorfeiche“ in Vollversammlung aller Familien sozusagen), nur sehr wenige Dinge würden regional geregelt, durch Repräsentanten der einzelnen Gemeinden und einen vielleicht vom König eingesetzten Provinzgouverneur sowie einem Ältestenrat nach dem Vorbild des römischen Senats oder etwas in der Art (ich improvisiere die Details aus dem Stegreif. So spezifisch ist meine Vorstellung nicht, ich will Dir nur einen Eindruck vermitteln, wo wir gerade beim Thema sind, damit Du nicht glaubst, ich sei ein Anhänger Ludwigs XIV ;-))
    Ganz oben stünde der christliche König als Repräsentant und Identifikationsfigur, mit einer geringen realen Macht, aber sehr hohem Ansehen, dessen Hauptaufgabe, neben der Repäsentation und der Identitätsstiftung, darin bestünde, z.B. ein aufschiebendes Veto gegen naturrechtswidrige oder unchristliche Gesetzesvorhaben einzulegen.
    Natürlich ist das alles unrealistisch, aber nicht unrealistischer, als dass ein gewohnheitsmäßiger, aggressiv-atheistischer Sünder wie ich durch die Gnade des Herrn zu Seiner Kirche geführt worden bin, obwohl ich sie, und alles wofür sie stand, mein ganzes Leben immer verachtet habe. Wenn so etwas möglich ist, dann dürfen wir auch mal träumen!
    Abgesehen davon kann ich Dir auf der pragmatischen Ebene kaum widersprechen. Als Papisten sind wir immer auf dem Schiff des Petrus, auch wenn wir gern einen etwas anderen Kurs steuern würden. Und ich würde nicht über Bord springen, um zum gewünschten Ziel alleine zu schwimmen, denn die Kirche ist mein Rettungsboot, und ihr Kapitän, Christus, mein Retter. Wer würde aus einem Rettungsboot springen, und ertrinken, bloß weil ihm der Kurs nicht gefällt?

  7. Pingback: Staatskirche, Christlicher Staat und Religionsfreiheit (1/2) | Kreuzfährten: Wahrheit statt Mehrheit

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