
Kommentar zur Summe wider die Heiden von Thomas von Aquin.
ScG I,20: “Gott ist kein Körper”
Wenn wir es draußen im Weltall mit Außerirdischen zu tun hätten und jeder davon wüsste, dann wären irgendwann alle einmal interessiert, wie diese Wesen aussehen. Vor allem, wenn man davon ausgehen müsste, dass diese Lebensformen uns in jeder Hinsicht überlegen wären. Wenn sie technisch viel weiter wären als wir. Wenn wir damit zu rechnen hätten, dass die Fremden viel intelligenter sind. Wenn überhaupt nicht davon ausgegangen werden könnte, dass sie sich in gleicher Weise wie wir ernähren und fortpflanzen; wenn sie wahrscheinlich weder atmen noch essen würden. Wir müssten sie unbedingt genauer kennenlernen. Allein schon, um einzuschätzen ob Gefahr von ihnen ausgeht oder nicht.
Wenn das alles so wäre, was würde man von Kindern halten, die in ihren Schulheften anfingen, diese fremden Lebensformen, die noch nie jemand gesehen hat, zu malen? Die einen malten grüne Wesen mit haarigen Beinen, andere malten graue Körper ohne Gliedmaßen. Die einen würden Sprechblasen malen, die anderen geheimnisvolle Stimmen annehmen.
Man würde vermutlich meinen, die Kinder könnten sich ihrer Vorstellung ruhig hingeben. Man würde aber wohl kaum davon ausgehen, dass eins von ihnen die Fremden zufällig genau trifft.
Was und wie sie genau sind, das könnte man nur herausfinden, wenn man entweder mit ihnen Kontakt aufnimmt oder wenn sie von sich aus mit uns reden wollten. Bis dahin wäre alles blanke und haltlose Spekulation.
Vielleicht könnten sich ganz intelligente und konsequente Denker per Ausschlussverfahren der Wahrheit der großen Unbekannten nähern. Sie würden ganze Kataloge festlegen, was eigentlich unmöglich sein müsste und was gar nicht sein könnte. Am Ende, wenn man die Wesen kennt, würde man sagen können, nur dieser oder jener Denker sei der Wirklichkeit einigermaßen nahe gekommen.
Im zwanzigsten Kapitel stellt der heilige Thomas etwas ähnliches fest. Er sagt, in der Gottesfrage sei (außer Aristoteles natürlich) einzig der Philosoph Anaxagoras der Wahrheit nahe gekommen, als er schrieb, derjenige, der alles bewege, müsse von seinem Wesen her Geist sein.
Wenn es um die Außerirdischen geht, kann eigentlich gar nicht möglich sein, dass die Kinder sie sich zufällig richtig vorstellen. Noch viel weniger kann es sein, dass die Menschen sich von sich aus Gott, der noch einmal ganz anders sein muss, vorstellen. Man kann, wie gesagt, wohl jede Menge ausschließen, was Gott nicht sein kann und so der Wahrheit einigermaßen nahe kommen.
Nun ist es aber so, dass wir in unserer Welt auf jede Menge Versuche stoßen, sich Gott auszumalen, und diejenigen, die das tun, sind alles andere als Kinder in der Schule. Man kann von vielen Leuten hören, wie sie sagen, „für sie“ sei Gott aber so und so. Etliche sagen „für mich ist Gott aber“ so und nicht anders. Dieses „für mich“ heißt eigentlich: Ich denke mir Gott aus und weil ich ihn mir ausdenke, glaube ich fest, dass er so ist. Etwas nüchtern betrachtet müsste man annehmen dürfen, das sei ziemlich töricht. Es scheint aber so zu sein, dass man annimmt, wenn viele solche Gedanken anstellen, dass sie dann aufhören töricht zu sein.
Niemand wird bezweifeln, dass man nur dann wirklich herausfinden kann, wie die Außerirdischen aussehen, wenn sie uns die Lösung zeigen. Ebenso ist es mit Gott. Man kann nur dann wissen, wie Gott ist, wenn er sich zeigt, und das hat er nach Auskunft der großen Religionen getan. Bis er sich zeigte, konnte man sich viele Gedanken machen, um ihn zu erraten. Und seit er sich gezeigt hat, kann man sich viele Gedanken um das machen, was man nun weiß, durch Argumente zu stützen und zu besprechen.
Jetzt kommt zum Ganzen eine weitere törichte Annahme hinzu. Man weiß, dass jeder einzelne Mensch seinen Verstand hat. Das bedeutet, jeder muss sich selbst auf den Weg machen und erfahren, was Sache ist und was mit ihm einmal sein soll und sein wird. Jeder einzelne, der Verstand hat, der hat auch eine eigene Verantwortung.
Aus dieser Annahme zieht man den unsinnigen Schluss, dass Gott sich auch jedem einzelnen zeigen müsse. Man scheint sich mit Händen und Füßen gegen den Gedanken zu wehren, dass der Allmächtige sich nur einigen wenigen Menschen oder einer Gruppe gezeigt haben könnte und dass alle anderen sich von diesen die nötigen Informationen geben lassen müssten. Man beharrt auf dem Gedanken, dass Gott sich gefälligst jedem einzelnen einzeln zu zeigen hat oder dass jeder einzelne sich “seinen“ Gott ausmalen kann. Diese Annahme dürfte einer der großen Irrtümer unserer Zeit sein; dass jeder seine eigene Religion aus vielen kleinen Fetzen, die er aufschnappt, zusammenbauen und für sich basteln muss. Vor allem aber, dass diese vielen Religionen alle wahr sein sollen.
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Danke für den Nachschlag !
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