Yeah! Es gibt ihn wieder!!!

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Der famose Schwester-Robusta-Preis, der Oskar der Blogozese, wird wieder vergeben! Der Geistbraus hatte sich dankenswerterweise die selben Gedanken gemacht, wie der Thomasleser und es stand die bange Frage im Raum, ob es denn wieder zum Wettbewerb komme. Nach kurzer Überlegung gab es Entwarnung: Unser über die Maßen geschätzte, hochwürdige Bloggerdino Alipius gibt sich wieder die Ehre und macht sich wieder die Arbeit, die Ausschreibung vorzunehmen.

Also, liebe Blogger, legt Euch ins Zeug, liebe Leser, schaut Euch um und votet fleißig, denn der Preis wird von den Leser vergeben.
Alles weitere hier oder bei Alipius.

Bach ist doch schön!

Immer gab es diesen kleinen Streit mit meinem Freund und Professor, der den Bach so liebt. Ich dagegen zog von der Tendenz her Mozart vor. Bach war mir damals immer irgendwie zu berechenbar und mein Standart war: Wenn die Engel vor Gott spielen, geben sie natürlich Bach. Aber wenn sie allein sind, spielen sie Mozart. Ist natürlich alles Kappes. In der Musik geht es nicht zu, wie beim BVB und Gelsenkirchen. Musik ist schön, wenn sie schön ist. Und die hier finde ich schön.

Thomas seziert die Liebe

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In Bochum streunte ein junger Mann mit Namen Meinolf durch die Straßen, immer auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Er war ein guter Kerl, und ich denke, er ist heute noch einer. Aber wenn er nicht ein bestimmtes Verhalten abgelegt hat, dann habe ich eine Befürchtung. Ich fürchte, er hat seine Liebe wohl irgendwann gefunden. Die dürfte ihm aber nach kurzer Frist davon gelaufen sein. Meinolf kann nämlich nicht leben, ohne zugleich das Leben erklären zu wollen. Wenn er ein nettes Mädchen gefunden hatte, die mit ihm ins Kino ging, dann bat er sie nachher zu erklären, was sie bei dem Film empfunden hatte. Auch wenn sie die verrücktesten Sachen machen, will er nachher besprechen, was das in den beiden auslöst. So kann man nicht leben, und auf die Dauer läuft ihm auch die trockenste Wissenschaftlerin davon.
Ein großer Vorteil von Büchern ist, dass sie einem nicht nachlaufen können. Sie bleiben brav im Regal, wenn man draußen das Leben genießt. Regale und Türen sind tolle Erfindungen. Gerade mit der Liebe ist es so: Man muss sie einfach leben können, und sobald man sie mit dem Skalpell seziert, hört sie zu leben auf. Das Kino ist einfach nicht der richtige Ort, um mit der Taschenlampe in seinen Büchern zu stöbern und Meinolf täte gut daran, die Dinge sauber zu trennen.

Wenn wir bei Thomas etwas über die Liebe lesen, dann stehen wir ausdrücklich im Studierzimmer zwischen den Regalen, wo es staubig riecht und wo man mit dem Skalpell die Behauptungen auseinander nimmt. Hier war der Arbeitsplatz des heiligen Thomas, und vermutlich brauchte er auch für sein weiteres Leben eigentlich nur noch eine Kapelle, einen Hörsaal und ein Speisezimmer. Er war Professor, Berater und der Leiter eines Priesterseminars. Was er sonst noch getan hat, kann nicht viel gewesen sein. Er hat unglaublich viel geschrieben und hatte nur etwa zwanzig Jahre Zeit dazu. Aber gerade darin ist er eine absolute Ausnahmeberufung.
Es sei also deutlich gesagt: Thomas spricht wohl über die Liebe, man verliebt sich dabei aber nicht gerade. Er seziert nämlich, und wo ich gerade stöbere, stellt er sich die Frage, ob das Lieben, das man in der Gottesliebe tut, nicht das selbe sei wie Wohlwollen.
Die Antwort ist sehr theoretisch. Er spricht vom Streben des sinnlichen Vermögens und vom Streben des Denkens.
Am Schluss aber heißt es, Wohlwollen sei eine Sache des Willens und Wohlwollen könne es auch ohne Gefühlsregungen geben. Das ist schnell verstanden. Wenn ein König einem seiner Untertanen eine Strafe erlässt, dann handelt er mit Wohlwollen. Das bedeutet aber noch nicht, dass er ihn gleich gut leiden kann. Man kann auch dem etwas Gutes wollen, dessen Nase einem nicht passt. Der König ist gnädig, weil er gnädig sein will. Insofern kann Thomas sagen, das Wohlwollen sei ein Akt des Willens. Zum Schluss sagt er aber, zur Liebe gehöre auch eine Vereinigung in der Leidenschaft und im Gefühl mit dazu. Das ist seziertes Sprechen über die Liebe, und ich mag es, dieser Art des Forschens nachzugehen, um die Dinge am Ende besser und genauer verstehen zu können.
Manchmal aber kommen kritische Fragen oder die Anmerkung, das könnte die Liebe zur Sache ebenso beschädigen wie Meinolf die Beziehungen zu seinen Freundinnen damals. Das glaube ich allerdings nicht, wenn es um die Sakrammente etwa oder um die Eucharistie geht.
In Sachen Liebesleben würde ich zustimmen. Um lieben zu können, braucht man nicht wissen, wie die Liebe geht. Man muss nicht wissen, was sensitives und intellektuelles Begehren ist und unterscheidet. Es macht die Liebe nicht schöner, wenn man weiß, dass sie mit Wohlwollen zu tun hat. Der Genuss geht auch. Nicht aber in der Eucharistie. Bevor und wenn wir sie bekommen, dann sollten wir Wissen haben. Wir sollten wissen, dass sie aus dem Leiden Jesu ihre Kraft hat, dass sie Christus enthält und dass sie unsere geistige Nahrung ist und uns Gottes Hilfe vermittelt. Wir sollten wissen, dass sie aus Gottes großer Liebe kommt und dass wir ihn dafür wieder lieben können. Wie das alles sein kann, das kann uns der Aquinate mit seinem Seziermesser fein erklären. Aber wenn wir das alles bekommen, dann sollten die Bücher im brav Regal stehen.

Was ist das wahre Leben?

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Wo wir schon mal bei der Liebe sind, passt es ganz gut, einen grundsätzlichen Gedanken zu besprechen. Die Kirchen, allen voran die katholische, hat in unseren Breitengraden schon mal den Ruf, sie sei eigentlich nur dazu da, ihren Schäflein das Leben etwas schwerer zu machen. Sie rede uns so ziemlich alles madig, was Spaß und das Leben lebenswert macht.
Der heilige Thomas, der im Verdacht steht, dabei ein ganz besonders Trockener zu sein, sieht das jedoch ganz anders. Bei ihm ist der Weg der Kirche in allem Ernst der einzige, der den größten Genuss verspricht, den Genuss der Liebe nämlich. Das ist durchaus so gemeint, dass man, wie in jeder Liebe, einfach nicht genug voneinander bekommen kann.
Den Leser wird es vermutlich nicht wundern und Thomas wäre nicht Thomas, wenn nicht gleich eins wieder klar würde: Unserem Gelehrten geht es natürlich zuerst einmal um die Liebe zu Gott, oder besser gesagt, es geht um ein gegensätzliches Zusammensein in der Liebe, und das wie gesagt, im schönsten Genuss. Thomas er ist allen Ernstes der festen Überzeugung, dass man besonders von Gott im besten Sinn des Wortes nie genug bekommen kann, sobald man auch nur einen Rockzipfel von ihm erblickt hat. Mit unserem Thema, der Eucharistie, ist es genau so, da ja Gott in ihr enthalten ist.
Während die Kirche also im Rufe steht, uns vom wahren Leben fern halten zu wollen, geht es ihr in Wirklichkeit darum, das einzig wahre Leben zu führen und zu erreichen. Es geht darum eine Einstellung zum Schöpfer zu bekommen, in der wir nie wieder von ihm weg wollen.
Thomas widmet in seiner Heidensumme ein ganzes Kapitel dieser Sache und über dem steht zu lesen, das Ziel des göttlichen Gesetzes sei die Liebe zu Gott. Das meint er so, wie er es sagt, und Thomas meint immer alles so, wie er es sagt.
Ich würde aber meinen, der Vorwurf gegen die Kirche ist, je nach dem, dennoch ziemlich zutreffend.
Ein Beispiel. Thomas findet den Avarus, den Geizkragen, ziemlich krank. Deswegen nämlich, weil er nicht genießen kann, was er hat, weil er immer genau das haben will, was noch nicht sein Eigen ist. Aber es gibt, wie jeder weiß, Leute auf der Welt, deren Leben vor allem darin besteht, Gelder aufzuhäufen. Etwas moderner könnte man sagen, sie leiden am Dagobertproblem, wobei das eigentliche Problem des Dagobert wohl darin bestand, nicht zu wissen, dass er ein Problem hatte. Aber wenn sie meinen, genau das sei eigentlich das Leben, dann stimmt der Vorwurf gegen die Kirche. Die würde den Betroffenen schon ganz gern ausreden, so weiter zu machen, weil ein solches Leben in Wirklichkeit kein Leben ist.
Jeder, der schon mal unter dem Problem einer Sucht gelitten hat, kennt das vermutlich. Erst ist man ganz Feuer und Flamme, später will man seine eigenen Wünsche nicht mehr haben. Wer diese Reife nicht erreicht und nicht auf Distanz zu seinem Problem gehen kann, wer also meint, die Jagd nach dem Gegenstand der Sucht, sei das Leben, der ist in den Augen des heiligen Thomas eben auf dem Holzweg. Thomas ist nunmal der mittelalterlichen Meinung, es gehöre zu den größten Wohltaten einem Menschen gegenüber, ihn vom Irrtum zur Wahrheit zu führen. Zu Fragen wäre also erst einmal, worin eigentlich das wirkliche, erfüllte Leben besteht. Hier hat der Lehrer eine klare Meinung: Das wahre Leben besteht auf Erden bereits darin, im lebendigen Kontakt mit Gott und dem Himmel zu stehen. Leben bedeutet auf dem Weg dahin sein und ansatzweise schon haben, was man ersehnt. Und das Sakrament der Eucharistie ist das größte und schönste Faustpfand, das man dazu bereits geschenkt bekommt: Gott selbst, in seinem Sohn und – manche sagen leider – vorerst nur im Glauben zu begreifen.
Ich bin mir sehr bewusst, das alles sehen ganz viele Leute ganz anders. Auch in unseren Kirchen wird oft nicht so gesprochen. Wenn wir uns hier jedoch in den Kopf gesetzt haben, an der Hand des heiligen Thomas durch die Landschaft zu laufen, dann können wir nichts anderes sagen. Die Lehrbücher der offiziellen Kirche sagen schließlich auch nichts anderes, und wer wissen will, was die Kirche sagt, der gehe am besten dorthin, wo offiziell gesprochen wird.

Quelle: ScG,III,116. “Quod finis legis divinae est dilectio Dei.”

Kopf oder Herz im Glauben

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Lesetag nicht durchgehalten.

Einer meiner liebsten Gestalten aus dem Chor der Heiligen ist der legendäre Pfarrer von Ars, der einzige Priester, der als Leiter einer Gemeinde heilig gesprochen wurde. Der Pfarrer von Ars war Franzose und ergriffen von der Liebe zu Gott und besonders zum Sakrament des Altares. Was diesen Heiligen allerdings ausmachte, war in gewisser Weise das glatte Gegenteil vom heiligen Thomas.
Dieser gilt als ein König des Wissens und als Riese im Reich des Denkens. Der heilige Pfarrer dagegen hatte so wenig Talent im Kopf, dass er nicht einmal ordentlich Latein lernen konnte. Thomas schrieb dicke, gelehrte Bücher und der Pfarrherr vom kleinen Dörfchen Ars konnte kaum welche wirklich durcharbeiten. Aber er zählt zu den ganz besonders Großen in den Reihen der Seligen im Himmel.
Es gibt nun eine Fraktion der noch nicht heiligen Zeitgenossen, die den Pfarrer von Ars zum Anlass nehmen, ihn gegen die Thomisten auszuspielen: Was nützt das ganze Wissen, wenn man auch ohne heilig werden kann? Türmt das viele Wissen keine Berge von Sperrmüll im Kopf? Sören Kierkegaard soll das Studium der Theologie für ein geeignetes Mittel gehalten haben, dem Ruf Gottes zu entkommen.
Ein kleines Sätzchen aus dem Kapitel über das Leiden Jesu hat mich zum Nachdenken gebracht und vom Weiterlesen abgehalten. In der Antwort auf die Frage nach der Notwendigkeit des Leidens Jesu sagt Thomas, es gebe zwei Weisen der Notwendigkeit, eine absolute und eine, die an Bedingungen geknüpft sei. Absolut gesehen war das Kreuz nicht notwendig, weil Gott absolut alles kann. In seiner Allmacht hätte er alles auch ganz anders erledigen können. Die Göttliche Vorsehung hat das Leiden seines Sohnes aber gewollt und beschlossen, und das ist eine Bedingung, die eine gewisse, innere Notwendigkeit bedeutet. Mit einfachen Worten, wenn Gott es so wollte, dann musste es auch so sein. Anders herum, es musste so sein, weil Gott es so wollte, denn alles, was Gott will, das passiert mit Notwendigkeit.
Nachdem Thomas das kurz geklärt hat, bringt er weitere fünf Argumente von ganz anderer Art, die für das Leiden sprechen. Diese Argumente sind lediglich Gedanken, die für die Passion sprechen, aber keine wirkliche Notwendigkeit aufzeigen.
Er sagt zum Beispiel, Christus habe uns ein Bild von seinem Gehorsam, seiner Demut und seiner Standhaftigkeit vor Augen gestellt. Somit sei das Kreuz auch ein Beispiel für uns geworden.
Er sagt auch, der Mensch habe durch Jesu Leiden eine größere Würde bekommen. Schließlich war es ein Mensch gewesen, der vom Widersacher überlistet worden sei und sich den Tod zugezogen hatte. Jetzt sollte es auch ein Mensch sein, der diesen Tod wieder besiegte.
Was mich aber auf das Nachdenken über Kopf und Herz gebracht hat, das war der erste der fünf Gedanken.
Durch das Kreuz wüssten wir, wie sehr Gott uns liebt. Dadurch würden auch wir zur Liebe zu ihm angeregt. In dieser Liebe bestehe nämlich die Vollkommenheit des menschlichen Heils.
An diesem Punkt begegnen sich die beiden Großen im Himmelreich. Der Pfarrer von Ars war im besten Sinn des Wortes ein in Gott verliebter Mensch, und er war es genau in dem Sinn, wie Thomas es hier beschrieb. Es dürfte schwer sein, sich in Gott zu verlieben, der nichts von sich zeigt. Einen über alles Erhabenen, der mir Gesetze gibt und mir bei Einhaltung den Himmel verspricht, kann ich pflichtschuldig verehren. Aber zum Verlieben wäre er mir steht zu weit weg. Dadurch aber, dass der Allerhöchste der Welt sein Gesicht gezeigt hat, gab er ihr auch Gelegenheit, ein ganz neues Verhältnis zu ihm zu bekommen, das der gegenseitigen Zuneigung nämlich. Was aber manchmal vergessen wird: Die Grundlage für diese Liebe ist das Wissen. Es ist das Wissen um die Menschwerdung um unseretwillen und es ist das Wissen um das Leiden für uns. Es macht ein Kind stolz, wenn es vor den Eltern Flöte spielen darf. Richtig Geschmack bekommt das Konzert aber erst, wenn das Kind weiß, dass sie es lieb haben.
Der Kritiker könnte jetzt einwenden, beim Pfarrer von Ars hätte aber nur wenig wissen für viel Liebe gesorgt. Das mag sein, aber nicht jeder ist ein heiliger Pfarrer. Zudem möchten Verliebte möglichst viel voneinander erfahren, und das je nach dem, wie viel in den Schädel passt.

Quelle:
Sth III,46,3,co: “Primo enim, per hoc homo cognoscit quantum Deus hominem diligat, et per hoc provocatur ad eum diligendum, in quo perfectio humanae salutis consistit.”