Demokratie und Kirche

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Vorab: Wenn im Folgenden von Philosophien die Rede ist, dann muss der Leser sie nicht kennen, um verstehen zu können, was der Artikel meint. Ich fürchte, ich verstehe sie auch nicht ganz.

In den letzten Wochen und Tagen habe ich recht viel meiner wenigen Zeit damit verbracht, mich wieder in verschiedene, moderne Philosophien einzulesen. Ich mache das eigentlich ganz gern, weil ich es mag, etwas zu lernen. Auf der anderen Seite erinnert es mich an das Wandern durch Gegenden, in denen kein Gefühl von Heimat aufkommt.
Wenn ich sage, ich habe mich dort eingelesen, dann meint das nicht gleich, dass ich verstehen konnte, was ich las. Man kann nie wirklich wissen, ob man alles begreift. Das zeigt sich, wenn man Leuten begegnet, die nicht den blassesten Schimmer haben und doch behaupten alles zu kennen. Um nicht als solcher aufzufallen, gebe ich lieber gleich zu, dass mir wahrscheinlich das Rüstzeug fehlt, als Kenner aufzutreten. Aber, um etwas abzulehnen, muss man es nicht ganz kennen. Man muss von Fallschirmen keine Ahnung haben, um sagen zu können, dass man das Springen lieber bleiben lässt. Eine einzige Information kann völlig reichen, zum Beispiel das Wissen, wie steil und schnell es bergab geht.
Die modernen Philosophien sind sehr verschieden, so verschieden wie die Leute, die sie sich ausdenken. Aber auch da reicht mir schon die Information, dass sie ausgedacht sind.
Vater Abraham hat sich nicht ausgedacht, dass er mit Gott gesprochen hat. Der Schöpfer hat einfach damit angefangen, und Abraham hatte es gefälligst zur Kenntnis zu nehmen. Der Glaube, den uns das jüdische Volk geschenkt hat, der war nicht von ihm erdacht, es haben ihn empfangen.
Nun wird auch Arthur Schopenhauer behaupten, er habe sich nicht ausgedacht, die Welt sei nichts anderes als Vorstellung und Wille. Auch er wird vermutlich sagen, er habe das Wissen empfangen; zwar nicht von Gott, an den er nicht glaubte, wohl aber irgendwie von der Welt selbst, die ihm das gezeigt hat. Nur, wenn er das sagt, dann glaube ich ihm nicht. Abraham glaube ich wohl, Schopenhauer nicht. Allein deshalb schon kann seine Philosophie mir keine Heimat bieten.
Auch wenn Hegel sagt, Gott habe eine Geschichte, die er mit der Welt durchleben müsse, um zu sich zu kommen, dann glaube ich ihm das nicht. Der Thron, auf dem mein Glaube sitzt, ist schon besetzt, und zwei Hinterteile passen da nicht drauf.
Bei aller Verschiedenheit der Philosophien, denen ich begegnet sind. Wenn ich recht verstanden habe, sind sie sich in einem einig: Nämlich darin, dass alles, an was ich glaube, ganz falsch ist, und das immer schon. Der Wiener Kreis und die Frankfurter Schule sind so verschieden wie Montag und Mittwoch, sie sind sich aber darin einig, meine sei so falsch, dass sie nicht mal zu den Wochentagen zählen könne.
Hier muss ein Anhänger der alten Schule etwas Mut beweisen. Nicht wenige der neuen Denker finden was wir meinen, nämlich nicht nur falsch, sondern auch lustig. Je nach dem, wo man landet, erntet man mitleidiges Lachen, wenn man sagt, man glaube an Gott und eine Wahrheit, die aus ihm komme. Da wird schon mal gelacht wie über jemanden, der zur Zeit der Gürtel noch Hosenträger an hat. Das muss man aushalten, und sollte etwas im Hinterkopf bewahren: Manchmal dient das laute Lachen zum Beenden einer Diskussion, die sonst peinlich würde. Wenn man etwas nicht weiß und jemand fragt einen danach, dann ist ein beliebtes Mittel, laut und im Tone der Entrüstung: „Wie, das weißt du etwa nicht?!“ zu rufen. Dann herrscht meistens Ruhe, und niemand traut sich, weiter zu bohren. So ist das mit dem Lachen auch nicht selten. Es wird eingesetzt, damit man sich nicht erklären muss.

Wie immer auch, es braucht etwas Mut, notorisch aus der Mode zu sein. Auf der anderen Seite braucht es hohe Geschwindigkeiten, immer mit der Mode zu laufen. Ich finde das zu anstrengend.
Es bleibt noch zu bemerken, manche Philosophie findet ihre Anhänger auch im Leben der Kirchen. Nicht etwa, dass man dort nicht an Gott glaubt. Wohl aber werden oft die Forderungen, manchmal auch derer, die das nicht tun, in den Kirchen übernommen. Eine davon ist zum Beispiel jene der Demokratie, nämlich, alle Macht müsse vom Volke ausgehen. In meiner Religion, die auch die des heiligen Thomas war, geht alle Macht von dem aus, der sie immer schon hat. Der hört es gar nicht gern, wenn man sie ihm aus der Hand nehmen will, weil es dann nicht gut ausgeht mit seinen Kindern. Wenn es zum Beispiel heißt, die Kirche habe Macht, dann ist dazu zu sagen, dass es gar nicht ihre ist.
Aber auch davon abgesehen: Ein kluger Schüler sagte einmal, es sei schwierig, in der Kirche die Demokratie einzuführen. Dazu müsse man ja im Himmel Stimmzettel verteilen können. Das aber sei nicht möglich. Wie gesagt, das war ziemlich klug bemerkt, und warum, darüber sollten wir nachdenken, dass nämlich der Himmel zur Kirche gehört. Aber vielleicht sollte man zunächst einmal über die Trennung von Staat und Religion nachdenken.

Rote Phase !!!

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Achtung, liebe Blogger und Leser,

unser Rennen um die Preise geht in die letzte, alles entscheidende Phase.
Alipius und seine Pimpfe waren so gut, die Polls für die Abstimmung vorzubereiten.
Jetzt könnt Ihr bis Mitte November, also ganz in Ruhe alle Blogs noch mal ansehen und Eure Lieblinge wählen.
Bitte, macht alle mit. Die ganze Aktion hat nur Sinn, wenn sie auf vielen Schultern ruht und sich viele beteiligen!

Also, hier lang gehts zur Abstimmung.

Und so wird’s gemacht:
Einfach rüber,
dann die (fettgedruckten) Kategorien wählen und zur Stimmabgabe auf das jeweilige Blog klicken.
Fertig.
Die bisherigen Chancen Eurer Lieblinge werden auch sogleich angezeigt.

Mitte November gibt hagelt es dann die Preise in den Seitenleisten.
Allen nominierten Blogs viel Erfolg!!!

Ach ja, ein besonders lieber Dank geht wieder an den unermüdlichen Herrn Alipius!!

Der Beter im Wald und die Kirche in der Kirche

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Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem ich gern über thomanischen Grundsatz reden möchte. Es geht im weitesten Sinn um die Frage nach dem Geistigen und dem Materiellen in Sachen Kirche.
Das Thema ist weitschweifig, deshalb fange ich zur Eingrenzung mit einer wohl etwas schrägen Ansicht an, die ein evangelischer Pfarrer seinen Leuten einmal in den Pfarrbrief geschrieben hat. Er kommentierte die sinkenden Kirchenbesuche in seiner Gemeinde. Das tat er allerdings nicht mit dem üblichen Bedauern. Er schrieb vielmehr, die Leute, die zu Hause blieben, statt zur Kirche zu kommen, seien eigentlich schon einen Schritt weiter, wenn sie den Gottesdienst in ihren Herzen feiern würden. Die Religion sei schließlich etwas Geistiges, und wer sie geistig lebe, der sei irgendwie seiner Zeit voraus.

Ich finde die Ansicht einigermaßen schräg, würde aber vermuten, viele Leute finden sie auf ihren ersten Blick ganz plausibel. In etwas populärerer Form hatten die Eltern meines Freundes sie damals in der Stube hängen. An deren Wand hing nämlich eines dieser kleinen Bretter aus dem Forst, auf dem man mit heißer Nadel einen schlauen Spruch und einen Tannenzweig graviert hatte. Da stand in einem Reim zu lesen, was immer wieder mal  zu vernehmen ist: Zum Beten braucht es die Kirche nicht. Man kann das auch im Wald oder sonst beim Spaziergang erledigen. Mein Bruder, der den Kirchgang stets zu verteidigen wusste, antwortete prompt, er gehe liebe in die Kirche. Am Sonntagmorgen würden ihn die vielen Beter im Wald eher stören.
Als ich die Erwiderung meines Bruders zum ersten Mal hörte, hatte sie diesen wohltuenden Effekt, den klugen Sprüche immer haben: Sie sorgte mit einer Prise Humor für frische Atemluft. Sprüche machen Luft und werfen oberflächlich Meinungen an die Wand, sie erklären aber nichts. Hier braucht es aber eine Erklärung, nämlich auf die Frage, was den schrägen Spruch des Pfarrers schräg hat werden lassen.

Wenn ein Schuss schräg verzieht, dann hat er grundsätzlich wohl die richtige Richtung eingeschlagen, er trifft aber nicht. So ist es auch hier. Der Pfarrer hatte grundsätzlich ein Recht auf seiner Seite. Christus sagt schließlich selbst zur Samariterin: „Gott ist Geist und im Geiste muss er angebetet werden.“ Oberflächliche Bibelleute versuchen schon mal, die konkreten Forderungen der Kirchen mit diesem Spruch auszuhebeln. Das geht aber nicht, weil Sprüche eben nur Sprüche sind, auch wenn sie aus dem erhabenen Mund des Menschensohnes stammen. Wenn alles nur rein geistig abzulaufen hätte, dann wäre schon die Forderung Christi, die Menschen konkret zu taufen, töricht.
Es braucht eine Erklärung, und Thomas liefert sie. Er liefert sie mit einem Grundsatz, der wie ein Firmenschild über seiner gesamten Lehre steht: Wenn man jemandem etwas gibt, dann muss man es auf die Weise dessen geben, der es bekommen soll. Es ist nicht sehr schlau, einem Blinden eine Kinokarte zu schenken und seinen gehörlosen Bruder ins Konzert einzuladen.
Man sollte den Befindlichkeiten der Leute Rechnung tragen, mit denen man umgeht. Diesen Grundsatz vertritt der heilige Thomas an vielen Stellen. In der Heidensumme erklärt er: Wenn es darum geht, den Glauben darzulegen, dann kann man Christen gegenüber mit dem Neuen Testament kommen. Bei den Juden gegenüber muss man sich dagegen auf die Schriften des Alten Bundes beschränken, denn nur ihm schenken sie ihren Glauben. Bei den Heiden kann man dagegen mit der Heiligen Schrift gar nicht landen. Bei ihnen muss man sich auf die Philosophie verlegen, schreibt er.
Wenn man so will, hat das schließlich auch Gott so gemacht. Er hat es bei seinen Menschenkindern nunmal mit Geschöpfen zu tun, die sich in ihrer Erkenntnis auf die Sinne verlassen, und die irgendwie immer von ihren Sinnen ausgehen. Deshalb hat Gott beschlossen, uns die geistigen Güter seiner Gnadenhilfe auch auf die Weise der sinnlichen Vermittlung zukommen zu lassen. Deshalb sind die Sakramente allesamt sogenannte „sinnliche Zeichen“ für durchaus übersinnliches Geschehen.
Deshalb ist die Meinung des Herren Pfarrers ein Schuss, der schräg verzieht und sein Ziel nicht trifft: Er berücksichtigt das Menschliche der Menschen zu wenig. Mein Bruder wird so viele Beter im Wald nicht finden, wie er vermutet. Wenn man den Menschen die Kirche nimmt, setzt man sie der Gefahr aus, ihren Glauben zu verlieren.

 

Anmerkungen: Werden vervollständigt und können ausgelassen werden:

Joh 4,24: “Spiritus est Deus, et eos, qui adorant eum, in Spiritu et veritate oportet adorare.”

Der Einsame

Anlässlich der Seligsprechung des Papstes meiner Kindheit gibt es heute mal wieder eine pontifikale Photostrecke.
Ich habe Paul VI. schon als Kind lieb gehabt. Wie sehr er große Teile seines Pontikikates zu durchleiden hatte, wusste ich damals noch nicht. Schön, ihn heute mit dem Titel eines Seligen anreden zu können.

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