Was die Eucharistie kann und was nicht

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Wir sind bei der Frage, was man am Altar denn eigentlich bekommt. Dass viel mehr zu holen ist, als bei gewöhnlichen Speisen, das dürfte klar geworden sein. Wenn man zum Chinesen geht, dann gibt es chinesisches Essen. Man bekommt das Vergnügen für den Gaumen, den Geschmack und für den Körper die Vitamine. Im besten Fall gibt es das Vergnügen einer guten Gesellschaft dazu und auch sonst alles, was man erhofft. Der große Unterschied aber ist: Die Speise macht sonst nichts mit uns, wie denn auch? Reis und Fisch kann nur geben, was Reis und Fisch zu geben haben.
Mit der Gabe des Altares ist das anders. Sie tut etwas, sie gibt etwas und kann aus dem, der sie bekommt, etwas machen. In ihr wirken nämlich Kräfte, die sonst keine Speise haben kann. Das liegt daran, dass sie etwas ganz anderes ist, als man ihr ansieht. Auf dem Altar verwandelt der Heilige Geist Gottes die Speise in Christus persönlich. Das bedeutet, die Speise kann, was Christus wirken kann. Die Speise wirkt, was Christus wirken will. Er hat sie überhaupt erst eingesetzt und der Welt geschenkt, wegen dieser Wirkungen. Das wird in den Kirchen schon mal vergessen, weil vom Wichtigsten oft nicht mehr gesprochen wird. Wenn die Menschen das mit Christus und seinem wirken Wollen nicht wissen können, dann sehen sie in der Messe nicht viel mehr, als essen zu gehen. Dann geht man eben nicht zum Chinesen, sondern zum Nazarener.

Christus ist aber als der Gnadenspender schlechthin zur Erde gekommen. Weil er sterben und die Welt verlassen musste, hat er sich etwas einfallen lassen, damit die Nachkommen nach seinem Tod die gleichen Gaben würden bekommen können, wie seine Zeitgenossen. Also setzte er die Kirche ein, um in ihr die Messe zu installieren. In der Messe sollte es die Gaben geben, die sonst nur die Jünger bekommen hätten. Die hatten nun den Auftrag, alles an die nachfolgenden Generationen weiter zu geben. Also vermittelt diese Speise die Gnade Jesu, und wir sind gerade dabei zu sehen, welche das denn sein könnten. Die erste war die „Glorie“, wie das Lateinische sagt, ein Anteil an der Herrlichkeit des Herrn und des ganzen Himmels.

Als nächstes nennt Thomas eine Gabe, über die wir genauer reden müssen. Christus hätte am liebsten alle Menschen an seinem Tisch. Er hat seinen Glauben innerhalb seines Volkes vorbereitet, damit über die Jahrhunderte hindurch alles langsam verstehbar wurde. Als er aber endgültig auf die Welt sollte, öffnete er das ganze für die ganze Welt. Seit dem gibt es keine Unterschiede mehr. Es kann aber Umstände geben, unter denen man zwar eingeladen ist, unter denen man aber nicht hin darf und die Herrlichkeit nicht empfangen kann. Ein Gedanke dazu.

Am Tisch einer Familie meines Kulturkreises musste man sich vorher die Hände waschen. Wir gehörten selbstverständlich zur Tischgemeinschaft, auch wenn wir Dummheiten gemacht hatten. Aber mit schmutzigen Pfoten kam nicht in Frage, genau so wenig wie mit unbekleidetem Oberkörper. Man mochte das spießig finden, aber irgendwie stand alles unter der Idee, der Tisch einer Familie habe etwas Heiliges. Das verlangt nach einem Mindestmaß an Kultur, ansonsten ist irgendwie alles nichts mehr wert. Es gab also einen kleinen, äußeren Kodex. Der verlangte nicht viel, er verlangte aber auch nicht nichts.
Ein sonntägliches, gemeinsames Essen machte irgendwie die Familie aus und war eine herrliche Freude. Es konnte aber sein, dass man am Tisch saß und doch gerade mit irgendwas nicht einverstanden war. Wegen irgendetwas mochte man sich noch böse sein und gar nicht so harmonisch. So ist das bei den Menschen. Ganz genau genommen wären auch kleinere Widerstände groß genug, um „klärt das erst einmal und dann kommt wieder“ sagen zu können. Auf der anderen Seite waren solche Sachen zu gering, und sie lösten sich oft schon beim Essen wieder auf, und am Ende war wieder alles gut.

Etwas Ähnliches schildert Thomas in der Frage, ob zu den Wirkungen der Eucharistie die Nachlassung jener Sünden gehört, die das geistige Leben beenden. Auf der einen Seite sagt er Ja. Christus kann alles wieder gut machen. So kann er auch alle Hindernisse am Tisch wieder hinbekommen.
Auf der anderen Seite heiß es nun aber: Es gibt Gründe, die einem verbieten, die Füße überhaupt unter den Tisch zu stellen. Wieder etwas banal gesagt: Wer seine schmutzigen Pfoten behalten will, der kann gar nicht erscheinen. Also kann er auch nicht die Segnungen bekommen, die es an der Tafel gibt. Die Eucharistie kann das nicht heilen, was einem verbietet, überhaupt zur Eucharistie zu kommen. Dazu sind andere Sakramente da, die einen eben für die Tafel bereiten.

Quelle: Sth III,79,3.